Die Anstrengungen der vergangenen Jahre haben sich gelohnt: Die Gemeinde Neuendettelsau hat die Hauptbereisung durch die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) in Bayern erfolgreich gemeistert. Damit steht einer Aufnahme der Kommune als vollwertiges Mitglied nichts mehr im Weg.
Aktuell gibt es allerdings nur eine Empfehlung eines Expertentrios, das sich in diesen Tagen in Neuendettelsau umgeschaut hat. Das Trio bestand aus Vertretern der AFGK, des bayerischen Ablegers des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) und des bayerischen Verkehrsministeriums. Die endgültige Entscheidung über die Aufnahme fällt Anfang 2024. Sie gilt nach der Empfehlung als Formsache. Damit wäre Neuendettelsau laut den Angaben der Verwaltung das erste vollwertige Mitglied im Landkreis Ansbach.
Bürgermeister Christoph Schmoll und Geschäftsleiter Stefan Grün sind nach eigenen Angaben sehr erfreut, dass die Hauptbereisung erfolgreich verlaufen ist. „Wir haben auch viel getan“, hält Grün fest. Nach all der Zeit und Kraft, die man für die Aufnahme in den Kreis der fahrradfreundlichen Kommune investiert habe, „wären wir auch äußerst enttäuscht gewesen, wenn es nicht geklappt hätte“, sagt Schmoll.
Seit 2019 ist die Gemeinde Teil der AFGK, sozusagen als Mitglied auf Probe. Damit haben es sich die Verantwortlichen zur Aufgabe gemacht, einen besonderen Blick auf den Radverkehr zu werfen, um dem Prädikat „fahrradfreundliche Kommune“ gerecht zu werden. Seitdem mussten verschiedene Handlungsempfehlungen umgesetzt werden, um die Aufnahme als vollwertiges Mitglied zu rechtfertigen. Beispiele sind ein Grundsatzbeschluss zur Radverkehrsförderung, Beschilderungen, Straßenmarkierungen für Radler und Abstellanlagen.
Das alles sah sich das Expertentrio auch direkt vor Ort an, radelte mit Vertretern der Gemeinde und dem Aktionsbündnis Verkehrswende Neuendettelsau durch die Gemeinde. Bei der Fahrt habe man schon gemerkt, dass die Experten nicht viel zu bemängeln hatten, berichtete Bürgermeister Schmoll. Ein Kritikpunkt sei etwa die Tatsache gewesen, dass Gehwege für den Radverkehr freigegeben sind (Stichwort: Konfliktpotenzial mit den Fußgängern), so Schmoll weiter.
Positive Reaktionen hat derweil das frisch erarbeitete Radverkehrskonzept hervorgerufen. In diesem sind insgesamt 144 Maßnahmenvorschläge enthalten, die zusammen etwa 13,7 Millionen Euro kosten. Etwa 5,7 Millionen Euro müsste die Gemeinde tragen, die restliche Summe entfällt auf das Staatliche Bauamt Ansbach und den Landkreis.
Die Ideen darin reichen laut Schmoll von zusätzlichen Abstellanlagen über eine Fahrradstraße bis hin zur Umgestaltung des Sternplatzes. Alles auf einmal wird freilich nicht umgesetzt, wie Schmoll ausführte. Dies gehe natürlich nur Stück für Stück.
Punkten konnte die Gemeinde mit dem Modal Split, also der Aufschlüsselung der Anteile der einzelnen Teilnehmer am Verkehr. Insgesamt beträgt der Anteil des Radverkehrs rund 19 Prozent, wie Grün erklärt. Schaut man nur auf den Verkehr innerhalb von Neuendettelsau, liegt man bei 28 Prozent. „Da kommen wir in Regionen von Erlangen.“