Ein neues Gesetz greift seit 1. April stark in die Preispolitik an deutschen Tankstellen ein. Als Reaktion auf den Iran-Krieg und die stark gestiegenen Spritpreise hat die Bundesregierung beschlossen, dass Preise ab sofort nur noch einmal am Tag erhöht werden dürfen. In der Region führte das, wie erwartet, unmittelbar zu starken Sprüngen.
Laut Gesetz sind Preiserhöhungen nur noch um 12 Uhr mittags möglich. Senkungen dürfen Tankstellen rund um die Uhr vornehmen. Das spiegelt sich in den dokumentierten Preisentwicklungen in Westmittelfranken wider.
Für die Sorte E10 waren an einer Neustädter Markentankstelle am Morgen 2,12 Euro je Liter fällig. Der Preis sank im Laufe des Vormittags nur um einen Cent. Um 12 Uhr erhöhte sich der Preis um sechs Cent – ein moderater Anstieg. Im Laufe des Nachmittags sank der Preis stark um zehn Cent. Eine benachbarte Tankstelle veränderte den ganzen Vormittag über nichts und verzichtete auf die einmalige Erhöhung, begann daraufhin allerdings mit einer Senkung. Auch in Ansbach erhöhten einige Tankstellen mittags um bis zu sechs Cent.
Krasse Sprünge lieferte eine Tankstelle in Bad Windsheim: Hier erhöhte sich der Preis für E10 von 1,98 Euro auf 2,13 Euro. Zur Pendlerzeit ging es wieder auf 2,01 Euro hinab. In Rothenburg legte der Spritpreis an einer Markenfiliale um zwölf Cent zu, in Feuchtwangen um bis zu neun Cent. In Dinkelsbühl verzeichnete eine Tankstelle bis zu zehn Cent Anstieg. Überall sanken daraufhin die Preise aber auch wieder – von einem Cent bis zu einem zweistelligen Centbetrag.
Derweil gibt es auch abweichende Einzelfälle: So verzichtete eine Tankstelle in Neuendettelsau gänzlich auf eine Erhöhung – im Gegenteil: Der Preis sank seit dem Morgen schrittweise immer weiter. Eine Tanke in Scheinfeld verbilligte Sprit am Morgen sprunghaft um neun Cent, während die 12-Uhr-Erhöhung lediglich einen Cent betrug.
Die FLZ hat für die Analyse stichprobenartig Marken- und freie Tankstellen in der Region über Spritpreis-Dokumentationsplattformen beobachtet. Auffällig waren in den ersten Stunden mehrere Punkte:
Was zudem ins Auge sticht: Schon seit Dienstag ist das generelle Preisniveau an den meisten geprüften Tankstellen im Vergleich zu den vorherigen Tagen gestiegen. Schon vor Beginn der neuen Regeln hat sich damit der Spritpreis in der Region im Schnitt erhöht statt verringert. Auch andere Medien in Deutschland beobachteten diese Entwicklung.
Die Bundesregierung will mit dem Maßnahmenpaket nach eigener Aussage intransparente, häufige Preissprünge an Tankstellen bekämpfen. Zudem soll es den vom Bundeskartellamt beobachteten „Rakete-Feder-Effekt” durchbrechen, wonach steigende Rohölpreise sich schnell an der Zapfsäule bemerkbar machen, während sinkende Weltmarktpreise nur langsam an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergereicht würden.
Langfristige Effekte des neuen Gesetzes werden sich erst nach mehreren Tagen und Wochen zeigen. Organisationen wie der ADAC erwarten, dass sich die neuen Regeln vor allem für Pendlerinnen und Pendler negativ auswirken, da Tanken wohl vor allem kurz vor 12 Uhr am günstigsten sein dürfte – also zu einer Zeit, in der am ehesten Berufskraftfahrende an die Zapfsäule fahren können. So hat es der Automobilclub in Österreich beobachtet, wo ähnliche Vorschriften gelten. Derweil könnten die bislang besonders günstigen Zeitfenster am Abend entfallen.
Die Plattform Spritpreis.de hat in einer Analyse mehrere Szenarien aufgezeichnet, wie es weitergehen könnte: Demnach dürften sich die Mineralölkonzerne in den ersten Wochen zunächst in der Orientierungsphase befinden: große Sprünge um 12 Uhr, danach auch abends teurer als am späten Vormittag. Nach der ersten Phase stiege der Wettbewerbsdruck auf teure Ausreißer und die Preise könnten nachmittags schneller sinken als bislang gewohnt.
Auf lange Sicht, also nach mehreren Monaten, geht das Portal davon aus, dass Morgenpendler und Vormittags-”Tanker” um einige Cent günstiger wegkommen. Wer nachmittags und im Feierabendverkehr tanken muss, würde laut Analyse wohl rund drei Cent mehr blechen müssen.