Neue Erkenntnis: Kaspar Hauser war nicht der Prinz von Baden | FLZ.de

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Veröffentlicht am 07.08.2024 09:00

Neue Erkenntnis: Kaspar Hauser war nicht der Prinz von Baden

Kaspar Hauser wurde nach seinem Auftauchen in Nürnberg schnell berühmt als Findelkind voller Rätsel. (Foto: Jim Albright)
Kaspar Hauser wurde nach seinem Auftauchen in Nürnberg schnell berühmt als Findelkind voller Rätsel. (Foto: Jim Albright)
Kaspar Hauser wurde nach seinem Auftauchen in Nürnberg schnell berühmt als Findelkind voller Rätsel. (Foto: Jim Albright)

Eine genetische Untersuchung von DNA-Material des berühmten Findelkindes sagt mit 99,9994-prozentiger Wahrscheinlichkeit, dass Kaspar Hauser nicht der Erbprinz von Baden war. Für Dr. Wolfgang Reddig, den Leiter des Ansbacher Markgrafenmuseums, ändert das nicht viel: „Der Mythos lebt ja weiter.“

„Kaspar Hauser bleibt eine spannende historische Figur“, erklärte Reddig gegenüber der FLZ. Schon zu seinen Lebzeiten habe es die Erbprinz-Theorie gegeben, und allein der Glaube an diese hätte als Grundlage für eine Ermordung ausgereicht, findet der Historiker. Die Ausstellung im Markgrafenmuseum werde um die neuesten Erkenntnisse ergänzt, kündigte Reddig an. Doch die tatsächliche Herkunft bleibe mysteriös, und die Stadt werde weiterhin mit Kaspar Hauser werben.

Die Autoren der Publikation betonen, dass ihre Ergebnisse nicht als Beleg für die Betrügertheorie missverstanden werden sollten. „Denn auch wenn Kaspar Hauser kein badischer Prinz war, könnte er dennoch ein Opfer verschiedener Verbrechen gewesen sein“, heißt es in einer Zusammenfassung der forensischen Untersuchung, die die Organisation German DNA Profiling veröffentlicht hat.

Misshandlung und Entführung nicht auszuschließen

Die Untersuchungen nach neuesten Methoden liefen an zwei renommierten Einrichtungen. 2019 beschäftigte sich das Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck unter der Leitung von Prof. Dr. Walther Parson mit der DNA Hausers. 2021/2022 nahm das Institut für Biochemie und Biologie der Universität Potsdam unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Hofreiter und unter Mitwirkung der Genetikerin Prof. Dr. Turi King weitere Untersuchungen vor.

Sie führten zum selben Ergebnis und belegten, dass die vorliegenden Haar- und Blutproben dieselben genetischen Merkmale aufwiesen. Das zeigt ihre Authentizität. Das ist auch deshalb bemerkenswert, da es Hinweise gibt, die Blutspuren auf Kaspar Hausers Unterhose im Markgrafenmuseum seien im Lauf der Jahrzehnte mehrfach aufgefrischt worden.

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In einem am Freitag veröffentlichten englischsprachigen Youtube-Beitrag schildert Turi King, wie sie in die Untersuchungen einbezogen wurde. Sie hat 2012 für Schlagzeilen gesorgt, weil sie ein Skelett, das unter einem Parkplatz in Leicester ausgegraben wurde, als englischen König Richard III. identifizierte. Im Fall von Kaspar Hauser kommt sie zum Ergebnis: „Anhand seiner mitochondrialen DNA können wir sagen, dass er mütterlicherseits von westeurasischer Abstammung ist.“ Mehr ließe sich zur Herkunft nicht herausfiltern. Man könne auch nicht ausschließen, dass er als Kind misshandelt oder entführt wurde.

Keine neuen Proben

Museumsleiter Reddig wurde von der Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt überrascht. Der Historische Verein für Mittelfranken, der für die Kaspar-Hauser-Exponate im Markgrafenmuseum zuständig ist, hatte nämlich die Entnahme von weiterem Probematerial untersagt. „Man wollte warten, bis die Technik noch feiner geworden ist“, sagte Reddig, der auch dem Vereinsvorstand angehört. Der Hintergrund: „Alles, was untersucht wird, ist danach ja nicht mehr da.“

Die Wissenschaftler mussten deshalb vor allem auf das zurückgreifen, was von den bisherigen Studien übrig geblieben ist. Der Spiegel hatte 1996 zusammen mit dem Institut für Rechtsmedizin der Universität München und dem Forensic Science Service in Birmingham Blutspuren von jener Unterhose untersucht, die Kaspar Hauser trug, als er niedergestochen wurde. Fünf Jahre später führte das Institut für Rechtsmedizin der Universität Münster im Auftrag der Kaspar-Hauser-Forscherin Ulrike Leonhardt und des ZDF eine DNA-Analyse mit Hilfe von Haarsträhnen durch. Die erste Studie kam zum Ergebnis, dass die Erbprinz-Theorie nicht zu halten ist, die zweite hielt sie hingegen für möglich.

Die Wissenschaftler haben für die aktuellen Untersuchungen aber noch eine zusätzliche Haarsträhne aufgetan. Sie wurde Hauser nach dessen Tod abgeschnitten, die Familie des Lehrers Johann Georg Meyer in Ansbach verwahrte sie. Über mehrere Stationen gelangten sie nun zur Analyse nach Innsbruck.

Kaspar Hauser

Das ewige Rätsel

Kaspar Hauser tauchte am 26. Mai 1828 in Nürnberg auf. Er konnte nur wenige Worte sprechen und kaum gehen. Er behauptete, jahrelang allein in einem dunklen Raum bei Wasser und Brot gefangen worden zu sein.

Gelehrte, Adel und Regierende interessierten sich für ihn. Man nannte ihn das Kind Europas. Im Dezember 1831 zog er nach Ansbach. Am 14. Dezember 1833 kam er mit einer tödlichen Stichwunde aus dem Hofgarten heim. Seine Anhänger vermuteten ein politisch motiviertes Verbrechen. Schon damals gab es das Gerücht, er sei der Erbprinz von Baden.

Am 29. September 1812 brachte Stéphanie, die Ehefrau von Großherzog Carl von Baden, einen gesund scheinenden Jungen auf die Welt. Dieser starb nur 18 Tage später. Er soll gegen einen sterbenden Säugling ausgetauscht und beiseite geschafft worden sein, um einer Nebenlinie des Fürstenhauses die Thronfolge zu ermöglichen.

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