Zwei Dinkelähren zieren das neue Altarparament in der Nikolaus- und Theobaldkirche in Altentrüdingen. Ein zweites, kleineres Textilstück mit Regentropfen als symbolischem Segen von oben sollen die Kanzel schmücken. In ihrer ganzen Pracht werden die beiden Paramente am Erntedanksonntag, 6. Oktober, um 10 Uhr von Pfarrer Karl-Heinz Brendel geweiht.
Dieser Weihe ging ein rund siebenjähriger Prozess voraus, auf den Vertrauensfrau Julia Heumann mit der Künstlerin Andrea Kaiser, der Weberin Sylvia Tillmanns und Pfarrer Brendel im Gespräch am Altar der Kirche zurückblickten.
Erste Überlegungen wurden laut Heumann im Jahr 2017 angestrengt. Das damalige weit über 50 Jahre alte Altarparament habe bereits Schäden gezeigt, der Stoff war angegriffen und sei schon ausgebessert worden. Die Finanzierung eines neuen Paraments wäre aber nur über Spenden möglich gewesen, da dessen Herstellung sehr aufwendig und kostenintensiv sei. Die Lösung wurde dann aber in der Zusammenarbeit mit der Künstlerin Andrea Kaiser aus dem Herrieder Ortsteil Limbach und der Weberin Sylvia Tillmanns gefunden.
Tillmanns ist seit 20 Jahren Leiterin der Weberei am Evangelischen Bildungszentrum Hesselberg, hat einen eigenen Webstuhl, Erfahrung im Umgang mit Stoff und Wolle und wohnt in Altentrüdingen.
Das Motiv war schnell gefunden, berichtet Andrea Kaiser. Sie gehe vor Beginn einer künstlerischen Arbeit in das Dorf, zu den Menschen und in die Kirche, um Gespür und Schwingungen aufzunehmen. Beim Betreten der Nikolaus- und Theobaldkirche war das für sie klar: Bodenständigkeit. Deshalb die Dinkelähren. Und sie hatte ein Gefühl von Vollkommenheit, also musste Gold ins Motiv. Drei Jahre dauerte es, bis die Textilien fertig waren. Merinowolle und Seide wurde zeitaufwendig gefärbt, kardiert und gesponnen, Stoffe wurden gewebt, mit großer Leidenschaft und Akribie das Parament angefertigt.
Diese Herstellung war auch für Sylvia Tillmanns bisher einmalig, eine immense Herausforderung, aber mit zunehmender Dauer tauchte sie immer tiefer in Stoff und Motiv ein sie begeisterte sich dafür, wie sie erzählte. „Die Farbzusammensetzung von dunkleren Naturtönen ins Helle des Himmels öffnet den Blick, lässt Weite zu. Und dann die Ähren. Das Korn zeugt von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Von einer Zuversicht und Hoffnung“, so Andrea Kaiser.
Aufgestickt hat die Künstlerin die Ähren mit einer speziellen Nadel. Als Nadelmalerei, beschrieb sie diese Technik. Dabei gebe es nur einen Versuch, Fehler würden nicht verziehen.
Das Parament ist 159 Zentimeter lang und 67 Zentimeter breit und passt optimal auf den Altar der Altentrüdinger Kirche. Dazu kommt auf der Kanzel ein kleines in blau gehaltenes Parament mit Regentropfen als Symbolik für den Segen von oben.
Das Zwiegespräch zwischen dem Altar- und Kanzelparament war der Künstlerin wichtig. Denkanstöße geben und den eigenen Glaubensbezug durch Symbolik und hoffnungsstärkende Motive unterstützen, so lautete Kaisers Ansatz.
Pfarrer Karl-Heinz Brendel zeigte sich von dem künstlerischen Ausdruck und der Umsetzung begeistert. Im Studium galt seine Leidenschaft der christlichen Kunstgeschichte. „Kunst in der Kirche ist wunderbar, denn sie ist für die Menschen gemacht“, betonte der Geistliche.
Die Paramente werden am Erntedanksonntag im Gottesdienst ausführlich erklärt. Im Anschluss wird in der Nikolaus- und Theobaldkirche zum Kirchenkaffee eingeladen.