Neid am Arbeitsplatz: Wie Missgunst das Team belastet | FLZ.de

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Veröffentlicht am 09.04.2026 00:06

Neid am Arbeitsplatz: Wie Missgunst das Team belastet

Warum bekommt die Kollegin den Bonus, man selbst aber nicht? Neid im Job kann Ansporn sein, aber auch in Missgunst umschlagen. (Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn)
Warum bekommt die Kollegin den Bonus, man selbst aber nicht? Neid im Job kann Ansporn sein, aber auch in Missgunst umschlagen. (Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn)
Warum bekommt die Kollegin den Bonus, man selbst aber nicht? Neid im Job kann Ansporn sein, aber auch in Missgunst umschlagen. (Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn)

Eine Kollegin erhält einen Sonderbonus, ein Teammitglied bekommt ein dickes Lob für ein gelungenes Projekt, der Abteilungsleiter wird Mitarbeiter des Monats: Nicht immer freuen sich in solchen Momenten alle im Team mit. Stattdessen kommen Neid und Missgunst auf. Doch warum ist das so - und wie lässt sich damit umgehen?

„Neid entsteht durch den Vergleich“, sagt die Wirtschaftspsychologin Saskia Bülow. Viele Beschäftigte vergleichen sich ständig mit ihren Kolleginnen und Kollegen, insbesondere in Berufen mit hoher Konkurrenz. Dabei kann schnell das Gefühl entstehen, selbst gerne das zu haben, was ein anderer hat.

Das allein ist noch kein Problem. „Neid ist aber per se nichts Schlechtes“, sagt Ralf Winnen, der sich als Business-Coach unter anderem auf das Thema Emotionen spezialisiert hat. Neid sei auch kein Zeichen für einen schlechten Charakter. Entscheidend ist vielmehr, wie man mit diesem Gefühl umgeht.

Die zwei Seiten des Neids

Wer Neid im Job verspürt, sollte Ralf Winnen zufolge in sich gehen und die Ursachen ausloten. Was genau löst den Neid aus? Ist es die Aufmerksamkeit, die der andere genießt? Das Gehalt? Die Jobposition?

Ist die Ursache klar, eröffnet sich eine konstruktive Perspektive. Denn der Erfolg anderer kann auch als Ansporn dienen. „Das ist die gutartige Seite des Neids“, so Winnen.

Doch Neid kann auch kippen. Wenn der ständige Vergleich in Konkurrenzdenken übergeht, werden Teammitglieder zu Rivalen. Etwa im Wettbewerb um Beförderungen oder die Gunst der Führungskraft. „In einem solchen Fall wird der Erfolg des anderen als eigener Misserfolg gewertet“, so Saskia Bülow.

Diese Entwicklung hat Folgen: Es entsteht Missgunst – die destruktive Seite des Neids. „Man gönnt es dem anderen nicht, versucht ihn auszubremsen und kleinzumachen“, beschreibt Bülow typische Denk- und Verhaltensmuster. Das belastet nicht nur das Betriebsklima. „Auch die Produktivität leidet“, so Bülow.

Woran man Missgunst im Team erkennt 

Und wie zeigt sich Missgunst konkret im Arbeitsalltag? Nicht immer ist sie eindeutig zu erkennen, sagt Ralf Winnen. Dennoch gibt es typische Anzeichen dafür, dass Menschen im Beruf um ihren Erfolg beneidet werden. Oft wollen ihnen andere dann schaden:

  • Sabotage: Informationen werden vorenthalten. Neiderinnen oder Neider halten sich zudem mit Unterstützung. „Jemand, der immer geholfen hat, zieht sich zurück“, so Bülow. 
  • Ausschluss: Unter Umständen werden Teammitglieder, die beneidet werden, bei Besprechungen ignoriert oder bei gemeinsamen Aktivitäten wie Kaffeepausen oder Kantinenbesuchen ausgegrenzt.
  • Feindseligkeit: Sticheleien, schnippische Bemerkungen oder unberechtigte Kritik nehmen zu. „Missgünstige können etwa auch Halbwahrheiten oder sogar Lügen über eine Person verbreiten, um deren Ruf zu schädigen“, so Winnen.

Welche Rolle das Arbeitsumfeld spielt

Ob Neid in Missgunst umschlägt, hängt aber nicht nur von Einzelpersonen ab. Das Umfeld spielt eine entscheidende Rolle. Manche Unternehmen oder Arbeitsplätze fördern ein Klima der Missgunst geradezu. Das ist etwa der Fall, wenn es an Wertschätzung und Kommunikation mangelt oder Entscheidungen nicht transparent getroffen werden.

Auch Führungskräfte, die nur „Sieger“ fördern, verstärken Konkurrenzdenken und begünstigen Konflikte im Team. Hinzu kommt ein weiterer Faktor: der Eindruck von Bevorzugung. Wenn einzelne Mitarbeitende häufiger spannende Aufgaben erhalten oder mehr Kontakt zur Führungskraft haben, kann das Unmut auslösen. „Wer nicht zu den Bevorzugten gehört, fühlt sich schnell benachteiligt“, so Wirtschaftspsychologin Saskia Bülow.

Was gegen Neid und Missgunst hilft

In einer solchen von Neid geprägten Atmosphäre zu arbeiten, ist anstrengend. Doch was lässt sich konkret tun, wenn Missgunst den Arbeitsalltag belastet? Was hilft Menschen, denen Kolleginnen und Kollegen aus Neid schaden wollen? Vier Schritte:

  • Lage beobachten: „Wichtig ist, dass diejenigen, die Neid und Missgunst erleben, erst einmal genau ihr Arbeitsumfeld beobachten“, sagt Bülow. Handelt es sich um einen einmaligen Vorfall oder wiederholt sich das Verhalten? Einzelne Situationen sollten nicht überbewertet werden.
  • Fakten ansprechen: Zeigt sich jemand dauerhaft weniger hilfsbereit oder äußert wiederholt unberechtigte Kritik, sollte das Gespräch gesucht werden. Bülow rät, sachlich und konstruktiv nach den Gründen für das Verhalten zu fragen und um ein gutes Miteinander zu bitten. 
  • Grenzen setzen: Bleibt das Verhalten bestehen, ist es wichtig, klar zu reagieren. „Dabei dann auch unmissverständlich Grenzen setzen und klare Regeln einfordern“, sagt Winnen. 
  • Führungskraft einbeziehen: Wenn die Situation die eigene Arbeit oder das Teamklima beeinträchtigt, sollten Beschäftigte die Führungskraft einbeziehen. „Dann müssen alle gemeinsam nach guten Lösungen suchen“, so Winnen.

Übrigens: In einer Studie, für die verschiedene Experimente im Unternehmermilieu durchgeführt wurden, zeigte sich: Wer neben Erfolgen auch eigene Rückschläge oder Misserfolge offenlegt, kann missgünstigen Neid deutlich abschwächen. Dadurch wirken erfolgreiche Personen sympathischer und nahbarer, was negative Reaktionen reduziert und die Beziehung zu anderen verbessert.

© dpa-infocom, dpa:260408-930-921074/1


Von dpa
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