Nazi-Terror gegen jüdische Familie: Angehöriger besucht erstmals Ansbach | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 03.03.2026 10:02

Nazi-Terror gegen jüdische Familie: Angehöriger besucht erstmals Ansbach

Moshe Gold, Enkel von Henriette Heilbrunn, erzählte im ThG aus seiner Familiengeschichte. (Foto: Alexander Biernoth)
Moshe Gold, Enkel von Henriette Heilbrunn, erzählte im ThG aus seiner Familiengeschichte. (Foto: Alexander Biernoth)
Moshe Gold, Enkel von Henriette Heilbrunn, erzählte im ThG aus seiner Familiengeschichte. (Foto: Alexander Biernoth)

Moshe Gold ist aus Israel auf Spurensuche in Ansbach gewesen. Er hat sich die Stadt zeigen lassen und er hat die Schule besucht, in die einst seine Großmutter hier gegangen ist.

Henriette Heilbrunn wurde am 4. Juli 1903 geboren. Sie überlebte den Holocaust nicht. Aber ihre Tochter, die am 15. März 1932 geborene Edith Eisfeld, kam mit einem Kindertransport nach England, wo sie die Schrecken der Nazi-Diktatur überstand. An Henriette Heilbrunn und Edith Eisfeld erinnern Stolpersteine, die am Johann-Sebastian-Bach-Platz 8 schon 2014 verlegt wurden.

Mit Moshe Gold kam nun einer der Söhne von Edith Eisfeld nach Ansbach, um auf den Spuren seiner Vorfahren zu wandeln. Seine Mutter hatte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs immer wieder Ansbach besucht, so berichtete Mosche Gold, und sie sie genoss ihr Leben.

Eine ganz besondere Geschichtsstunde

Seine Familiengeschichte erzählte Moshe Gold nun den Schülerinnen und Schülern der Oberstufe am Theresien-Gymnasium in einer außergewöhnlichen Geschichtsstunde. Schulleiterin Andrea Pfeiffer bezeichnete den Besuch als „ganz herausragendes Ereignis“. Als seine Großmutter zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Schule besuchte, war es die „Städtische höhere Mädchenschule – Theresien-Institut”. Oberbürgermeister Thomas Deffner, der Moshe Gold im Stadthaus empfangen hatte, nannte es beeindruckend, dass dieser „trotz der Verbrechen, die der Familie angetan wurden“, Ansbach besuchte.

Studiendirektor Dietmar Aßenmacher hatte die Biografie von Henriette Heilbrunn, die am 5. Juni 1930 Adolf Abraham Eisfeld geheiratet hatte, schon 2011 zum 200-jährigen Gründungsjubiläum des Theresien-Gymnasiums erforscht. Er berichtete den Oberstufenschülern vom Leben der Eisfelds in Ansbach, die das Kaufhaus J. Roeder am Johann-Sebastian-Bach-Platz betrieben.

Das könnte Sie auch interessieren

Das Ehepaar Eisfeld hatte neben der Tochter Edith noch den am 16. März 1937 geborenen Sohn Josef. Im Zuge der Reichspogromnacht wurde auch das Haus der Eisfelds von den Nazi-Schergen angegriffen. Als, so berichtete Moshe Gold aus den Erzählungen seiner Mutter, ein Ansbacher Polizist beim Eindringen in die Wohnung auf einem Bild seinen Kommandeur im Ersten Weltkrieg erkannte, verbot er weitere Verwüstungen in dem Haus.

„Für meine Mutter war Deutschland die Heimat”

Die Familie musste dann Ansbach in Richtung München verlassen, von wo aus sie im April 1942 nach Piaski bei Lublin deportiert wurden. Sie haben den Holocaust nicht überlebt. Die Tochter Edith kam mit einem der Kindertransporte nach England, wo sie bei einer entfernten Verwandten lebte.

Später zog Edith nach Israel, heiratete dort und „hatte ein sehr gutes Leben, viele Freunde“, schilderte Moshe Gold. „Für meine Mutter war Deutschland die Heimat. Sie liebte Deutschland, es war ihr Land.“ Noch heute ist es ihm unvorstellbar, wie seine damals nur sieben Jahre alte Mutter ganz allein nach England kam und dort bei fremden Menschen lebte. „Nur ihren Teddybär hatte sie mitgenommen.“

Ein Angebot für einen Schüleraustausch

In Israel lebte sie ein freies, unabhängiges Leben und erst mit der Hochzeit fand sie sich in das Leben in einem Kibbuz ein. Anders als sein Vater, der aus Österreich stammte, sprach Edith oft Deutsch und teilte ihre Erinnerungen mit ihren Kindern, berichtete der Gast aus Israel. Ihrem Sohn riet sie, immer auf die schönen Dinge im Leben zu schauen und nicht an den Erinnerungen zu verzweifeln. Mit diesem Lebensmotto, so Moshe Gold, konnte sie das Schicksal ihrer Familie verarbeiten.

Ein Schüler sprach den Gast auf die hohen Wahlergebnisse rechtsradikaler Parteien in Deutschland an. „Es ist sehr schlecht, wenn es in Deutschland Hass gegen Ausländer gibt“, lautete die Antwort. Wenn es wieder einen Schüleraustausch zwischen dem Theresien-Gymnasium und einer Schule in Jerusalem geben werde, so kündigte Moshe Gold an, werde er die Schülerinnen und Schüler der Schule seiner Großmutter in dem von ihm geführten Hotel empfangen.

north