Auf dem Friedhof der evangelischen Kirche in Flachslanden dürfen schon lange keine neuen Gräber mehr geschaffen werden. Regelmäßig werden Grabstätten aufgelöst und Steine entfernt. Die entstandenen Lücken sind jetzt mit Blumen gefüllt. Der Friedhof hat eine Erfrischungskur erhalten – und versprüht den Charme eines kleinen Parks.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten sind Bestattungen an der Kirche in Flachslanden nicht mehr erlaubt. Genauer gesagt: Es dürfen keine neuen Gräber mehr geschaffen werden – Ehepartner werden noch bestattet. Stattdessen wird der „Neue Friedhof” in der Rosenbacher Straße genutzt, der im Jahr 2000 errichtet wurde.
Weil immer mehr Grabstätten mit der Zeit aufgelöst wurden, sind die Lücken auf der kirchlichen Friedhofswiese stetig gewachsen. Hinzu kam, dass die Wege auf dem Gelände so langsam verfallen waren. Beispielsweise haben sich Steine gelockert und zur Stolperfalle entwickelt. Das generelle Erscheinungsbild war einem Friedhof nicht mehr würdig, geschweige denn einheitlich, wie alte Bilder zeigen. „Man hat auch gesehen, dass das hier alt ist”, sagt Katja Meßlinger bei einem Rundgang auf dem Friedhof. Sie war in das Projekt eng involviert.
Den Mitgliedern der Kirchengemeinde war es ein Anliegen, die Fläche auf Vordermann zu bringen. „Wir müssen umgestalten”, so Meßlinger. Jedoch sei ihnen auch bewusst gewesen: „Mit der Fläche kann man nichts machen.” Denn wegen des Bodendenkmals gibt es Einschränkungen. Es darf zum Beispiel nichts gebaut werden, erläutert Meßlinger. Auch handle es sich nach wie vor um eine Ruhestätte. Die Gräber werden noch eifrig besucht und gepflegt, wie sich bei dem Vor-Ort-Termin zeigt.
Ein weiteres Problem stand der Planung zunächst im Wege: das fehlende Geld. Bürgermeister Hans Henninger brachte daraufhin ein Förderprogramm mit ins Spiel: für die „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel”. Katja Meßlinger erzählt: „Zuerst haben wir uns gedacht: Flachslanden ist doch kein urbaner Raum”. Den Zuschlag hat die Gemeinde aber bekommen. Insgesamt 90 Prozent der Kosten werden gefördert – dabei handelt es sich um rund 240.000 Euro. Das Förderprogramm machte es möglich, ein Landschaftsbüro für die Planung zu engagieren. „Wir haben wirklich alles rausgerissen”, sagt Meßlinger.
Dabei gab es einige Auflagen zu berücksichtigen. Etwa musste auf Artenvielfalt geachtet und es durfte keine Fläche neu versiegelt werden. Die bereits versiegelte Fläche wurde durch die Neugestaltung laut Meßlinger sogar verringert. Dabei achteten die Planer auf „naturnahe Gestaltung mit Totholz und Steinhaufen” – beides bietet einen Schutz für verschiedene Tierarten. Mehrere Tafeln informieren auf dem Friedhof über deren Nutzen.
Zudem pflanzten Bürgerinnen und Bürger bei Gemeinschaftsaktionen im vergangenen Jahr verschiedene Blumenarten – zum Teil stammen diese aus dem eigenen Garten. „Durch diese Bürgeraktionen konnten die Leute auch teilhaben.” Wichtig sei dabei gewesen, dass sich die Pflanzen – vor allem sind es Wildblumen – mit den Jahren vermehren und so langfristig ein Kühlungseffekt erzielt werden kann.
Doch bevor es mit den Pflanzungen losgehen konnte, verwandelte sich die Friedhofsfläche erst einmal in ein Schlachtfeld. Im Sommer 2024 rückte ein Unternehmen für die Pflasterarbeiten an. Die Arbeiter entfernten die alten Steine der Gehwege und den teilweise vorhandenen Asphalt.
Wegen des Bodendenkmals musste ein Archäologen-Team hinzugezogen werden. „Zwei ganze Skelette haben sie geborgen”, schildert Meßlinger. Ein größerer Fund hätte das Vorhaben stark verzögern können.
Nachdem der Boden schon einmal aufgerissen war, konnten auch die Wasserleitungen inspiziert werden. „Die Rohre waren natürlich auch alle baufällig”, sagt Meßlinger. Sie wurden ebenso wie die Dachentwässerung auf der Kirche und dem alten Leichenhaus erneuert. „Der Großteil vom Geld ist vergraben.”
Doch auch ein paar Schmuckstücke über der Erde sind neu. Zum einen gibt es nun deutlich mehr Sitzmöglichkeiten auf dem Friedhof. Von der vordersten Sitzlounge kann man den Blick über die Gräber und das Meer an Margeriten in Richtung Kirche schweifen lassen. Ins Auge sticht dabei eine Skulptur, die dort vorher nicht stand. Eine ortsansässige Künstlerin gestaltete diese, erzählt Meßlinger. Zu sehen sind die Symbole Alpha und Omega. Diese stehen für den Anfang und das Ende. Optisch angeordnet wie ein Kreuz sind zwei Schriftzüge zu lesen: „Da wo sie sind werden wir sein” und „Da wo wir sind waren sie”.
Im hinteren Teil des Friedhofs glänzt eine Pergola aus Metall. Deren Dach zieren Äste aus Holz, die irgendwann hoffentlich einmal bewachsen sind. Auf der gepflasterten Fläche unter der Pergola plätschert seit Neuestem auch ein Brunnen vor sich hin.
Der Friedhof soll als Erholungsort dienen, wie Katja Meßlinger verdeutlicht. Und zwar nicht nur für Besucherinnen und Besucher von Gräbern, sondern für jedermann, der womöglich keinen eigenen Garten hat, oder in der Mittagspause verschnaufen möchte.
Wie hoch der Eigenanteil der Kirchengemeinde an dem Projekt ist, steht bisher nicht fest. Er wird sich im niedrigen bis mittleren fünfstelligen Bereich bewegen. Durch die ehrenamtlichen Leistungen konnte Geld gespart werden.
Die Einweihung des neugestalteten Friedhofs findet offiziell am Sonntag, 7. Juni, statt. Den ganzen Tag ist ein abwechslungsreiches Programm geboten. Um 10.30 Uhr geht es mit einem Gottesdienst los, bei gutem Wetter sogar im Freien. Höhepunkt der Veranstaltung ist eine Erlebnis-Versteigerung im Kirchhof, ab 13.30 Uhr und der zweite Teil ab 16 Uhr. Von Baggerfahren und Reitstunden über Nachhilfe bis hin zum Barkeeper für einen Abend: Mehr als 30 Erlebnisse sind geboten. Die Einnahmen kommen dem Hospizverein Ansbach und der Kirchengemeinde Flachslanden (für die Neugestaltung) zugute.