Das Wort „Hospitalstiftung” verbinden viele mit dem Pflegeheim in der Bad Windsheimer Spitalgasse. Dass aber nicht nur das zu der Stiftung gehört, weiß Hermann Gerhäußer genau. Seit 15 Jahren ist der 75-Jährige ehrenamtlicher Stiftungspfleger. Zum Jahreswechsel gibt er den Posten ab.
1380 wurde die Hospitalstiftung von Konrad Förster gegründet, sie ist die älteste soziale Einrichtung in der Stadt. Die Förderung der Altenpflege oder auch die Unterstützung von Bedürftigen gehören zu ihren Aufgaben. Die Stadtkämmerei verwaltet sie. Von Beginn an war stets ein Stiftungspfleger eingesetzt. Dessen Aufgabe hat Hermann Gerhäußer schnell zusammengefasst: Kommt es zu Rechtsgeschäften zwischen Stadt und Stiftung, kommt er ins Spiel und „handelt die Geschäfte mit aus.” Wie oft solche Geschäfte zustande kommen, sei recht unterschiedlich. „Manchmal ziemlich lange gar nicht und dann wieder geballt.”
Im Zuge der Klostersanierung kam es beispielsweise zu einem Grundstückstausch. Die Stiftung hatte im Schwedenwall ein Haus und zwei Grundstücke. Ersteres sei abgebrochen worden. Die Grundstücke gingen in den Besitz der Stadt über. Als Gegenleistung bekam die Stiftung das H1, das Haus der Begegnung in der Husarengasse. Beim Notar vertrat Gerhäußer dann die Stiftung.
„Mein ganzes Leben hab ich neben der Spitalkirche gewohnt. Seit meiner Kindheit bin ich mit ihr verbunden”, betont er zu den Gründen, weshalb er sich einst dafür entschieden hatte, dieses Ehrenamt zu übernehmen. Schon als kleiner Bub durfte er die Glocken läuten. Einmal pro Woche musste die Uhr früher aufgezogen werden, Nachtläuten – je nach Jahreszeit zwischen 17 und 20 Uhr – gehörte ebenso dazu.
Seine Eltern wurden in der Kirche getraut, er selbst wurde dort getauft. Als das Gebäude schon das Museum Kirche in Franken war – im Jahr 2006 wurde es das – haben sein Sohn und Schwiegertochter darin geheiratet. Das einzige Paar bis jetzt. Und auch sein Enkel wurde darin getauft.
Der Stiftungspfleger werde vom Stadtrat vorgeschlagen und berufen. Auch die Stiftungsaufsicht im Landratsamt muss die ausgewählte Person bestätigen. Wer das Amt übernehmen will, sollte mit der Materie einigermaßen vertraut sein, findet Gerhäußer. Seine Verbundenheit zur Stiftung war für ihn das eine. Doch mit ausschlaggebend, den Posten vor gut 15 Jahren zu übernehmen, war auch sein Anliegen, „dass jemand einen Blick auf die Stiftung hat und auf sie aufpasst. Ich kenne jede Fläche, die zu ihr gehört”.
Zu Gute kam ihm da auch seine Tätigkeit als Feldgeschworener – eine seine weiteren Tätigkeiten, die er stets nebenbei verfolgte. Hauptberuflich war Gerhäußer Landwirt und führte den letzten Vollerwerbsbetrieb in der Stadt. Das Gasthaus „Goldener Adler” betrieb seine Familie bis er zehn Jahre alt war. Dann war die Wirtschaft 36 Jahre lang verpachtet. 1996 übernahm sie Hermann Gerhäußers Sohn, der Senior half stets mit. Auch bei der Feuerwehr war er viele Jahre vorne dabei, in der Windshemia hilft er noch heute beim Bühnenbau.
Das Grundstockvermögen der Hospitalstiftung sei umfangreich. Das ehemalige Augustinerkloster, das 1525 aufgelöst wurde, gehört dazu. Die Besitztümer der Stiftungen seien damals zum größten Teil an die nächstgrößere Stiftung, in diesem Fall die Hospitalstiftung, weitergegeben worden. Andere Stiftungen, beispielsweise Hilpert Ellrodt, seien teils ins Eigentum der Stadt übergegangen.
Neben Kloster mit H1, Pflegeheim oder Spitalkirche gehören auch 18 Seniorenwohnungen im Brunnenhaus dazu. Ebenso Acker- und Grünlandflächen in verschiedenen Gemarkungen mit rund 22 Hektar. An Wald- und Weiherflächen sind es rund neun Hektar. Ebenso dabei sind Fischerei- und Jagdrechte. Erstere seien abgetreten an den Fischereiverein, der im Gegenzug die Gewässerpflege übernimmt.
Im Fränkischen Freilandmuseum sind rund 37 Hektar Stiftungseigentum. Wichtig zu betonen ist Gerhäußer: „Es gäbe in Bad Windsheim ohne Hospitalstiftung kein Freilandmuseum.” Im Zuge der Flurbereinigung in Bad Windsheim, bei der Gerhäußer im Vorstand saß, kam man auf eine Idee: Weil die Stadt die Fläche für ein solches Museum nicht besaß, kam man auf die Stiftung. Sie blieb dann Eigentümerin der Flächen, der Bezirk wurde Erbbauberechtigter. Die Stadt bezahlte den Erbbauzins für den Bezirk an die Stiftung. „Das ist die Leistung der Stadt für das Museum”, erklärt Gerhäußer.
Höhen und Tiefen hat Hermann Gerhäußer viele in seiner Amtszeit erlebt. Schmerzlich war es, als der Neubau für das Pflegeheim unter dem Titel „Demenzzentrum” nicht genehmigt worden war. „Das war eine Enttäuschung.” Auch deshalb, weil der 75-Jährige in diesem Zusammenhang den Wunsch verfolgen wollte, den dortigen Brunnen wieder freizulegen. Ein Höhepunkt war dagegen die Sanierung der Spitalkirche in den 1980er-Jahren. Besonders war für Gerhäußer zudem, als die verstorbene Gertrud Ostermeyer der Hospitalstiftung Bad Windsheim einen Teil ihres Vermögens vermacht hatte.
Alle fünf Jahre wird der Stiftungspfleger frisch bestimmt, sagt Hermann Gerhäußer. Auch, wenn ihm das Ehrenamt in all den Jahren viel Spaß bereitet hat: „Man muss wissen, wann Schluss ist. Und ich bin ja auch nicht aus der Welt und stehe weiterhin mit Rat und Tat zur Seite.” Offiziell verabschiedet wurde Gerhäußer bereits bei der feierlichen Stadtratssitzung. Auf ihn folgt Siegfried Heger, ehemaliger Kämmerer der Stadt, der die Stiftung deshalb gut kennt. Gerhäußer jedenfalls gibt es ein gutes Gefühl, diese wichtige Aufgabe an ihn zu übergeben. „Das Amt ist bestens bei ihm aufgehoben. Ich könnte mir keinen besseren vorstellen.”