Mitten in Ezelheim gibt es ein altes Haus voller Geheimnisse | FLZ.de

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Veröffentlicht am 16.06.2024 09:16

Mitten in Ezelheim gibt es ein altes Haus voller Geheimnisse

Die Dornberg’sche Stiftung in Ezelheim. Verwaltungsratsvorsitzende Stephanie Hassel beschäftigt sich intensiv mit der Geschichte des Anwesens.  (Foto: Ulli Ganter)
Die Dornberg’sche Stiftung in Ezelheim. Verwaltungsratsvorsitzende Stephanie Hassel beschäftigt sich intensiv mit der Geschichte des Anwesens. (Foto: Ulli Ganter)
Die Dornberg’sche Stiftung in Ezelheim. Verwaltungsratsvorsitzende Stephanie Hassel beschäftigt sich intensiv mit der Geschichte des Anwesens. (Foto: Ulli Ganter)

Das Haus der Dornberg’schen Stiftung ist ohne Zweifel das repräsentativste Haus in Ezelheim. „Die Ezelheimer wünschen sich ein Dorfgemeinschaftshaus – und zwar in diesem Gebäude“, sagt Stephanie Hassel mit Nachdruck.

Die 35-Jährige ist seit neuestem Verwaltungsratsvorsitzende der Stiftung, die den Backsteinbau in dem Ortsteil von Sugenheim im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim besitzt. Das Haus hat für sie eine große Bedeutung. „Wenn ich den Rollo vom Kinderzimmer hochziehe, ist es das erste, was ich morgens sehe“ – und so geht es nach ihrer Überzeugung allen Ezelheimern

„Es ist spannender als jeder Krimi“

„Früher habe ich abends Serien geschaut, jetzt mache ich halt das hier“, erzählt Stephanie Hassel und stößt die Tür zu ihrem Arbeitszimmer auf: Berge alten Papiers und verschiedene Container mit Ordnungselementen sind zu sehen. „Es ist spannender als jeder Krimi.“

Auf einmal taucht sie in die Heimatgeschichte ein. Die Älteren im Sugenheimer Ortsteil haben ihr das eine oder andere berichtet, doch nicht alles deckte sich mit den Unterlagen, die sie in den alten Schränken im ehemaligen Kindergarten fand.

Dass die Geschichte des zentralen Anwesens in Ezelheim weitgehend im Dunklen liegt, ist erstaunlich. Ein bisschen könnte das auch damit zu tun haben, dass die Gemeinde Sugenheim Angst davor hatte, was auf sie zukommen könnte, wenn man sich näher mit dem denkmalgeschützten Haus befasst.

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Im Innern wird man ins Jahr 1905 versetzt

Lange Zeit gab es nun nämlich keinen Verwaltungsrat der Stiftung, der Bürgermeister übte diese Funktion kommissarisch aus. Das hat zum einen dazu geführt, dass das Haus noch den Charakter aus der Bauzeit, dem Jahr 1905, verströmt: Lampen, Türen, Öfen oder die alte Klingel wirken noch original. Zum anderen aber wird in Richtung Dach auch sichtbar, dass viel zu tun ist.

Hassel: „Unter dem Dach muss dringend ein Ringanker verhindern, dass die Wände weiter auseinander wandern – und das schnell.“ Eine Wand soll bei künftigen Festen verhindern, dass noch jemand die Treppe nach oben nimmt.

Wahlen, Feste, Kindergottesdienst

Das Haus wird von der im Moment schwach besetzten Landjugend und für den Kindergottesdienst genutzt; in ihm wurde gewählt, als es in Ezelheim noch einen eigenen Wahlraum gab. Geburtstage und Feste wie das Brunnenfest finden dort statt. Die Bevölkerung des Ortsteils identifiziert sich laut Hassel stark mit dem Gebäude: Einer sorgt dafür, dass es davor schön blüht, das Dach des Anbaus wurde neu gedeckt, darunter kann man grillen und beieinander sitzen.

Mehrere Jahre stand schon ein Gerüst, um das Dach neu zu decken. Das Warten auf eine Dorferneuerung und Auflagen des Denkmalschutzes führten schließlich dazu, dass es unverrichteter Dinge wieder abgebaut wurde.

Auch jetzt ist der Verwaltungsrat erst am Anfang seiner Überlegungen. Einerseits kann sich eine Stiftung als Bauherr vielleicht viele Auflagen sparen, die das Bauen verteuern, andererseits ist unklar, ob man dennoch Möglichkeiten hat, an Zuschüsse zu kommen. Klar ist für Stephanie Hassel dagegen eins: „Alle hier würden mit anpacken.“

Erst lange nach dem Start der Stiftung erbaut

Aber nicht nur die Zukunft des Hauses ist noch ungeklärt – auch die Vergangenheit birgt noch offene Fragen. Der Namensgeber der Stiftung wurde als Johann Leonhard Schemm 1815 geboren, als uneheliches Kind einer „Dienstmagd aus Dottenheim“. Später heiratete die Mutter den „angeblichen Impraegnator“ Johann Christoph Dornberger, einen Bauernsohn aus Ezelheim.

Johann Leonhard war jahrzehntelang Bürgermeister von Ezelheim und verfasste kurz nach dem Tod seiner Frau das Testament, in dem er die Einzelheiten seiner Stiftung genau festlegte: Dank der Verpachtung von etwa 15 Hektar Ackerland sollte der Stiftungsstock aufgestockt werden, bis er zur Erbauung eines Kindergartens ausreichte.

Das erklärt, warum das Gebäude erst 23 Jahre nach seinem Tod entstand. Im Obergeschoss des Hauses mit den hohen Decken wohnten die Kindergärtnerinnen. Bis wann die Einrichtung bestand, gehört zu den Dingen, auf die es bisher zum Teil widersprüchliche Antworten gibt.


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
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