Am Sonntag blühte die Flower-Power-Ära in der Musikkneipe „Weißes Roß“ in Immeldorf so schön und willkommen wie ein Krokus im Frühling auf. Das Konzert des US-Musikers Aaron Brooks besaß den Charme eines Events der 1970er Jahre.
Aaron Brooks selbst sieht sich und seine Musik nicht mittig in besagter Zeit platziert. Er rechnet sich der progressiv angehauchten Hardrock-Szene zu, doch zu seinem Auftritt im Tanzsaal der alten, fränkischen Kneipe kam er ohne Band und hatte seinem Programm ein wenig die Härte genommen, ging manchmal sogar in die weiche Freundlichkeit eines Cat Stevens über. So kam ein klein wenig die Stimmung eines Abends am Baggersee auf.
Rein optisch verkörpert Aaron Brooks die Hippie-Bewegung. Lange Haare, fantasievolle Kleidung in Rottönen und Schlaghose, großer schwarzer Hut. Das alles passt in diese Zeit. Seine Musik auch.
Fast ausschließlich Eigenes brachte er an diesem Sonntagabend ins Ohr der zahlreichen Gäste. Aaron Brooks Songs sind beeinflusst von den Beatles, David Bowie, Leonard Cohen, Led Zeppelin und anderen Musikgrößen der 1970er Jahre. Aaron Brooks bot sie schlicht und einfach dar, aber auch ausdrucksstark, mächtig in ihrem Aufbau, meist recht dunkel, passend zu seiner Bariton-Stimme.
Der außergewöhnliche Singer-Songwriter Aaron Brooks stammt aus Akron in Ohio, kam zum ersten Mal 2011 mit seiner international erfolgreichen Band „Simeon Soul Charger“ nach Deutschland und war seit damals in den großen Hallen und bekannten Festivals präsent, machte sich so einen Namen in der Szene. Zurzeit ist er als „tourender Amerikaner“ in ganz Europa aktiv.
Die Songs des Abends entstammen seinen Alben und den seiner Werke bei Simeon Soul Charger, vor allem aus seinem 2018 veröffentlichten Soloalbum „Homunculus“, mit dem er seinen Ruf als talentierter Künstler europaweit festigen konnte.
Auch seine aktuelle Single „Nobody knows (what it’s like to be someone else)“, die aktuell häufig bei verschiedenen Radiosendern läuft, war zu hören. Das musikalische Highlight des Auftritts war, wie Aaron Brooks den David-Bowie-Kulthit „Space Oddity“ interpretierte – nur mit Stimme und Gitarre. Dem Original stand das trotzdem in nichts nach.
Es war ein durchaus gelungener Abend, der die Anfangsschwierigkeiten des Konzerts in den Hintergrund rückte. Der Totalausfall der lokal vorhandenen Boxen, ein Wirt, der mitten während des laufenden Konzertes mit dem Teilumbau der Bühne begann, und ähnliche Störfaktoren wurden von dem leidenschaftlichen wie leidensfähigen Künstler, seinem engagierten Agenten und einigen spontanen Helfern elegant weggebügelt.
Wer das Konzert verpasst hatte, hat noch in diesem Jahr eine zweite Chance, Aaron Brooks in Immeldorf zu erleben. Er ist für das legendäre Immeldorf Open Air im August als Hauptact für den Freitagabend geplant.