Mit Gasbrenner und Schweißgerät im Freilicht-Atelier | FLZ.de

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Mit Gasbrenner und Schweißgerät im Freilicht-Atelier

Am Vormittag ist das Erhitzen des Stahls mit den Gasbrennern noch möglich, später wird es zu heiß. (Foto: Anne Mayr-Pattison)
Am Vormittag ist das Erhitzen des Stahls mit den Gasbrennern noch möglich, später wird es zu heiß. (Foto: Anne Mayr-Pattison)
Am Vormittag ist das Erhitzen des Stahls mit den Gasbrennern noch möglich, später wird es zu heiß. (Foto: Anne Mayr-Pattison)

Fast 30 Grad am späten Vormittag – und im Freilicht-Atelier von Thomas Röthel ist’s noch ein bisschen heißer. Denn hier wird geschweißt und mit dem elektrischen Schleifgerät gearbeitet. Und mit Gasbrennern: Eine Stahlstele wird erhitzt, bis das Material rot glüht, um dann gedreht zu werden.

Das Team um den Bildhauer aus Mitteldachstetten im Landkreis Ansbach fängt gegen acht Uhr am Morgen an. „Da ist es noch einigermaßen kühl, aber spätestens mittags müssen wir aufhören“, sagt Thomas Röthel. „Große Skulpturen sind im Sommer gar nicht möglich, denn am Schmiedefeuer mit Schutzkleidung wäre es viel zu warm – und bei Trockenheit wäre auch der Funkenflug zu gefährlich. Daher beschränken wir uns auf mittlere Formate, bei denen wir Gasbrenner verwenden statt des Schmiedefeuers.“

Anne Mayr-Pattison, die zu dem vierköpfigen Stahlkunst-Team gehört, setzt eine Schutzmaske auf und wirft das Schweißgerät an. Im Schatten bereitet sie mehrere miteinander verbundene Platten vor, in die Thomas Röthel schon die Schnitte für die nächste Drehung setzte.

Komplexe Drehung im Stahl

Mitten im Hof in der Sonne steht eine bereits fertige Skulptur, die der Bildhauer vor ein paar Tagen geschaffen hat. Röthel schraubt ein letztes stabilisierendes Brett ab und prüft, ob alles passt. Bestens, nur die schwarzen Schlacken müssen noch entfernt werden. Die komplexe Drehung mehrmals um die eigene Achse, das Entfalten und das Auffächern sind charakteristische Elemente im Werk des 53-Jährigen.

Wie auch die rauen Schnittkanten, die Thomas Röthel bei einem anderen Skulpturen-Typus in langen Stahlstücken entstehen ließ: mit dem von Hand geführten Schneidbrenner. Die zwei oder drei schmalen, erhitzten Teile wurden dann auseinandergezogen, wofür enorme Kräfte, Teleskoplader und riesige Hebel nötig waren. Die Rillen an den Trennungskanten sind mal tiefer und mal zarter, mal regelmäßig und mal unruhig: wie bei menschlichen Begegnungen, die tiefe oder zarte Spuren hinterlassen.

Acht dicke Schichten aufeinander

Bis zu sieben Meter hoch ragen die aufgeschnittenen Stahlbalken in den sommerblauen Himmel, während andere Werke kompakt am Boden ruhen: Hier wurden acht dicke, aufeinandergeschichtete Platten zum Glühen gebracht, bis sie in der enormen Hitze geschmeidig wurden und der Druck von oben den gesamten Körper formte. „Die Schichten reagieren aufeinander. Das ist etwas sehr Ursprüngliches – wie bei den Bergen, die irgendwann entstanden sind“, erklärt Röthel.

Große geschwungene Platten sind außerdem zu entdecken im Freilicht-Atelier am Ortsrand von Mitteldachstetten – hier zwei und dort drei übereinandergelegt in einer dynamischen Bewegung. Und Balanceakte aus Stahl, wie man sie vom Ansbacher Martin-Luther-Platz kennt.

Spaziergang im Freilicht-Atelier

Wer mag, kann vorbeikommen und herumspazieren im Grünen zwischen den Skulpturen, um sie sich anzusehen. Das Freilicht-Atelier und der Weg am kleinen Weiher entlang sind gut bestückt, obwohl zahlreiche Werke derzeit unterwegs sind: 20 Exemplare sind auf dem Gelände des Post Towers im Rheinauenpark in Bonn ausgestellt und zehn auf der Insel Sylt.

„Dass ich auch hier am Atelier immer Arbeiten zeige, hat in der Corona-Zeit begonnen“, erzählt Röthel. „Damals, als es keine Ausstellungen gab, kamen viele Leute vorbei, um sich umzuschauen. Und auch jetzt sind immer wieder Besucher hier.“

Eine Katze streicht vorbei, und Suhuan Park, ein Holzbildhauer im Team, schaltet das Schleifgerät ein, glättet eine Oberfläche. Stahlspäne sprühen. Wenig später ist es endgültig zu heiß. „Wir freuen uns auf den Herbst und den Winter“, sagt Thomas Röthel. „Im Winter können wir hier am besten arbeiten. Dann sind auch wieder die großen Formate dran.“


Lara Hausleitner
Lara Hausleitner
Redakteurin für Lokales und Kultur - und Reisende aus Leidenschaft.

"I have never written a word that did not come from my heart. I never shall."
Nellie Bly
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