Auf den Wiesen im oberen und mittleren Altmühltal brüten viele seltene Vogelarten wie Kiebitze und Brachvögel. Das Projekt chance. natur soll dafür sorgen, dass das trotz großer Herausforderungen so bleibt.
Zum Auftakt übergaben am Montag der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber und Ministerialdirektor Dr. Jochen Gebauer vom Bundesumweltministerium in Röttenbach, einem Ortsteil von Leutershausen (Landkreis Ansbach), den Fördermittelbescheid über 6,57 Millionen Euro an Landrat Dr. Jürgen Ludwig.
Nach der Begrüßung durch Projektleiter Dietmar Herold sprach Landrat Ludwig von einem „bundesweit beachteten Projekt“. Der Landkreis Ansbach ist mittlerweile einziger Träger des Projekts. Dessen breiter, vernetzter Ansatz sei nötig. Nur gemeinsam mit der Landwirtschaft und weiteren Beteiligten sei ein Erfolg möglich.
Die Anfänge liegen bereits ein Jahrzehnt zurück und neben der Planung wurde auch schon mit dem Wassermanagement begonnen sowie das Projektbüro in Ornbau eingerichtet. In der nun begonnen zweiten Phase steht im Lauf von zehn Jahren die Umsetzung von Maßnahmen im Zentrum. Gefördert wird das Projekt vom Bundes- und vom Landesumweltministerium, vom Bundesamt für Naturschutz und vom Bayerischen Naturschutzfonds.
Umweltminister Glauber stellte das Projekt in einen größeren Zusammenhang. Es gehe nicht nur um die Wiesenbrüter, sondern um die Herausforderung, den Lebensraum Fluss im trockenen Franken zu schützen.
Sechs Bausteine sind dabei zentral: Der Schutz der Gelege, die Wasserrückhaltung, die Nutzung von Brachland, die Besucherlenkung, die Nutzung von Wiesen und Weiden sowie der Arten- und Biotopschutz. „Naturschutz muss erklärt werden“, betonte der Minister.
Ministerialdirektor Jochen Gebauer meinte, das Projekt chance. natur biete auch die Möglichkeit, neue Wertschöpfungsquellen in der Region zu finden. Trotz der langen Projektdauer von einem Jahrzehnt, die unter anderem nötig sei, um den Landwirten Planungssicherheit zu geben, müsse man schon jetzt an die Zeit danach denken. Das Gemeinschaftsprojekt mit seinen behutsamen Maßnahmen habe „Laborcharakter“.
Bei einer kurzen Exkursion in das Projektgebiet konnte die Teilnehmer einen Blick auf das Projektgebiet werfen. Dabei unterstrichen BBV-Kreisobmann Reinhold Meyer, der Vorsitzende des Landschaftspflegeverbands Gerhard Wägemann sowie der Vorsitzende des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV) Dr. Norbert Schäffer ihre Unterstützung für das Projekt.
Es wirft einen ganzheitlichen Blick auf das Altmühltal mit allen Funktionen und Lebensräumen für Menschen, Pflanzen und Tiere. Die Wiesenbrüter zu schützen bedeute, die charakteristische Kulturlandschaft mit offenen, nassen, vielfältigen und ungestörten Wiesen sowie die Arten- und Biotopvielfalt im Spannungsfeld zwischen Nutzungsaufgabe und Intensivierung zu bewahren, schreibt das Projektteam. Dabei will man die naturschutzfachlichen, ökonomischen und sozialen Aspekte in Einklang bringen sowie Boden, Gewässer, Grundwasser und Klima schützen. Angestrebt werden nachhaltige Lösungen, die sich im besten Fall selbst tragen.
Neben Jägern, Anglern, Landwirten, Behörden und Naturschützern sind auch die Bürger und Besucher gefragt, die das Gebiet zur Erholung besuchen. Sie werden zum Beispiel gebeten, auf den Wegen zu bleiben und Hunde an die Leine zu nehmen.