Trotz des regnerischen Wetters haben sich am Samstagnachmittag etwa 170 Menschen zur Kundgebung am „Tag des Rassismus“ auf dem Marktplatz versammelt. Pünktlich um 17 Uhr eröffnete die Gruppe „Trommeln für alle“ von der Flüchtlingshilfe Rothenburg die Veranstaltung mit einer Einlage.
Die Moderation der Veranstaltung übernahmen Secil Herrscher und Terhas Klenk vom Migrationsbeirat. Herrscher als Vorsitzende des Beirates erinnerte an Artikel eins des Deutschen Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
„Wir sind heute hier, um unsere Demokratie zu schützen. Wir stehen hier nicht für Autoritarismus und Totalitarismus.“ Es sei mit der Menschenwürde nicht vereinbar, dass Geflüchtete, Asylbewerberinnen und Asylbewerber sowie Menschen mit Duldung seit dem 9. Februar keinen Zugang mehr zu Sprachkursen hätten. Es sei auch nicht hinnehmbar, dass Anlaufstellen für Menschen, die Diskriminierung erfahren haben, verschwinden. „Wenn wir Ungerechtigkeit ignorieren, könnte es uns morgen selbst betreffen.“
Oberbürgermeister Dr. Markus Naser betonte, dass Rothenburg ein Ort der Vielfalt sei, an dem Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Lebensgeschichte friedlich zusammenleben. „Diese Vielfalt ist unsere Stärke. Wir tolerieren Rassismus nicht, sondern wir widersprechen ihm und wir setzen ein positives Gegenmodell.“ Mit der Kundgebung zeige die Stadt, dass hier Rassismus keine Chance habe, sondern alle Menschen willkommen seien und respektiert würden.
Theresia Hitz vom Kolping-Bildungszentrum stellte Vladimir Cubrilo aus Serbien vor, der aktuell einen Sprachkurs besucht. „Er ist mit seiner Familie hier, er arbeitet hier und seine Kinder besuchen hier die Schule. Für die Menschen, die zu uns kommen, ist die Möglichkeit der sprachlichen Teilhabe nicht verhandelbar.“
Gabriele Müllender trat für die Fair-Trade-Steuerungsgruppe ans Mikrofon: „Wir setzen uns hier in der Stadt für faire Arbeitsbedingungen und Lieferketten weltweit ein.“ Auch der faire zwischenmenschliche Umgang mache das Leben lebens- und liebenswert und könne Vieles erleichtern. Dass Menschen oft „unsagbar lange” auf einen Arzttermin oder auf psychotherapeutische Behandlung warten müssten, sei eine klare Benachteiligung.
Für die Gruppierung „Omas gegen Rechts” ergriff Susanna Hirsch das Wort und warnte vor der bedrohlichen Zunahme von Faschismus, Rassismus, Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit.
Eine Gruppe Jugendlicher des Reichsstadt-Gymnasiums mit Oana-Rebecca Clej, Jo Düll, Lilly Feike, Katharina Planner, Anastasia Herrscher und Lisa Freitag wandte sich mit einem klaren Bekenntnis zum Schutz der Menschenwürde vor allem an die vielen jungen Kundgebungsteilnehmerinnen und -teilnehmer. Auch an den Schulen der Stadt dürfe es keinen Platz für Ausgrenzung und Respektlosigkeit geben.
Pfarrerin Dorothea Bezzel nahm in ihrem Grußwort der Rothenburger Kirchengemeinden Bezug auf das sogenannte „Hungertuch aus Haiti“. Dieses weise auf die neue Welt Gottes hin, in der es keine Ausgrenzung mehr gebe. „Gottes Welt ist bunt und alle christlichen Kirchen seien sich in diesem Punkt einig: „Rassismus ist Sünde.“ Musikalisch umrahmt wurde die Aktion neben der Trommelgruppe von Philipp Schiffers, Thomas Greil und „Krowd“.