Karl Wiesinger ist mit Fischen aufgewachsen. Der gebürtige Dinkelsbühler (57) führt die 170-jährige Familientradition der Teichwirtschaft fort. Da steckt viel Arbeit dahinter. Nicht nur beim großen Abfischen.
Damit sich die empfindsamen Teichbewohner gut entwickeln, ist Karl Wiesinger sehr auf deren Wohlbefinden bedacht. Drei Sommer braucht ein Karpfen, um mit einem Gewicht von etwa 1,5 Kilo zum idealen Speisefisch zu werden, sagt der erfahrene Teichwirt.
Rund 83 Prozent der Fläche in Stadt und Landkreis Ansbach sind land- und forstwirtschaftlich genutzt (siehe Übersicht). Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe ist in den vergangenen Jahren weiter gesunken. Es gibt weniger, dafür größere Betriebe. Etwa 40 Betriebe bewirtschaften mehr als 200 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche.
Welche Schwierigkeiten Landwirte haben und warum der Erhalt ihrer Höfe so wichtig für unsere Gesellschaft ist, lesen Sie hier.
Mit etwa 800 zweisömmrigen Karpfen pro Hektar stehen einem Fisch, der zum Speisekarpfen heranwächst, mehr als zehn Kubikmeter Teichfläche zur Verfügung. Karpfen brauchen Platz. Die Teiche und Uferränder benötigen regelmäßige Pflege, erläutert Karl Wiesinger. Die Arbeiten begünstigen das Aufkommen der Naturnahrung für die Fischaufzucht, tragen zur guten Wasserqualität und zur Gesundheit der Fische bei. Regelmäßig setzt er Kalk ein, um den Teichboden zu desinfizieren und übermäßige Algenbildung zurückzudrängen, die anderen Wasserpflanzen Konkurrenz macht.
Die heranwachsenden Karpfen und die anderen Fische ernähren sich von den Kleinlebewesen am Boden des Teiches, wie Wasserflöhe, Würmer, Insektenlarven, Schnecken, Muscheln, aber auch von weichen Pflanzen. Mit der Naturnahrung können die Fische im wesentlichen ihren Eiweißbedarf decken.
Karl Wiesinger betreibt Karpfenteichwirtschaft im Haupterwerb – einer der wenigen im Landkreis Ansbach. In 36 Teichen mit insgesamt 50 Hektar Wasserfläche im Umkreis von Dinkelsbühl züchtet der familiengeführte Betrieb Karpfen, Schleihen, Hechte und Zander.
Die Fischerei spielte im Mittelalter im Dinkelsbühler Klosterleben eine große Rolle. Fisch ist auch heute noch eine traditionelle Fastenspeise. Wer sich gesund ernähren möchte, greift ebenfalls gerne zu Fisch.
Zusätzlich zu der im Teich vorhandenen Naturnahrung, die nicht das ganze Jahr gleich stark vorhanden ist, füttert Karl Wiesinger den Fischen ab Mai regelmäßig Getreide zu, damit sie im Sommerhalbjahr gut wachsen und sich vermehren.
Der Familienbetrieb erzeugt durch die Aufzucht und Vermarktung von heimischen Fischarten ein regionales Lebensmittel ganz im Sinne der gesunden Ernährung. Es ist leicht verdaulich und hat einen hohen Gehalt an Mineral- und Spurenelementen.
Auf kurzen Wegen gelangt die frische Ware an ihre Abnehmer. Fischereibetriebe, Anglervereine und
-verbände, Gaststätten und Privatleute bestellen bei den Wiesingers. An Weihnachten und Ostern, wenn Fisch besonders nachgefragt ist, gibt es auch einen Kleinverkauf direkt ab Hof.
Stammkundschaft und Mundpropaganda sorgen für Umsatz. „Regionale Speisefische sind gefragt wie nie“, sagt Teichwirt Wiesinger. Gestiegene Kosten für Futtermittel und Energie haben dazu geführt, dass das Festessen teurer geworden ist. „Heuer um etwa zehn Prozent“, so Karl Wiesinger.
Das Schlachten der Speisekarpfen übernimmt der Familienbetrieb selbst. Karl Wiesinger kann dabei auf die Unterstützung seiner Familie zählen. Beim großen Abfischen, wenn es zackig gehen muss, braucht es zusätzliche Helfer. Mengen an Fisch wollen gefangen, sortiert, verteilt und abtransportiert werden.
Und wie sind die Teiche durch den Hitzesommer 2022 gekommen? Erstaunlich gut, sagt Karl Wiesinger. Der Karpfen liebe die Wärme und komme bei Hitze auch mit weniger Sauerstoffgehalt des Wasser aus. Vom Frühjahr seien die Zuflussgräben in den Teichgebieten „noch gut gefüllt gewesen“, sonst wäre die Situation für seinen Fischzuchtbetrieb schwieriger geworden.
Bei hohen Temperaturen verdunste viel Wasser an den Teichen. Im September habe es dann aber zum Glück geregnet, merkt Karl Wiesinger an, und die Lage entspannte sich. Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt werden auch für die Teichwirtschaft zu einem immer wichtigeren Thema.
In Habachtstellung ist der Teichwirt außerdem wegen des Bibers. Wenn das Nagetier Röhren in die Ufer buddelt, kann es zu Dammbrüchen oder zum Auslaufen der Teiche kommen. In der Oberpfalz mache der Fischotter der Teichwirtschaft zunehmend Probleme, sagt Karl Wiesinger. Der Dinkelsbühler Teichwirt sorgt sich, dass auch seine Bestände zum gefundenen Fressen werden könnten, wenn sich das Raubtier weiter ausbreitet.