Für die Steuerberaterin Michaela Schwab hat sich ein Traum erfüllt. Gemeinsam mit ihrem Mann Martin bewirtschaftet sie einen Hof in Zandt in der Gemeinde Lichtenau. In den letzten Jahren haben die beiden die Direktvermarktung immer weiter ausgebaut.
„Guten Morgen, Ladys“, ruft die temperamentvolle 27-Jährige. Sie öffnet die Luke des Hühnerstalls. Ein Huhn nach dem anderen hüpft über eine Hühnerleiter vom umgerüsteten Anhänger auf den Boden. Einige schlagen ein paar Mal kräftig mit den Flügeln und flattern auf die Wiese. Samstagmorgen, acht Uhr.
Neben den rund 130 Hennen sind fünf Hähne im Freilaufgehege. Und die zwei Ziegen Pauli und Hans-Dieter. Sie beschützen die Hühner vor Habichten. „Die Hühner gehören mir“, erzählt Michaela Schwab. Sie lächelt, während sie sich umschaut. Ihr leuchtend grünes Shirt trägt den Aufdruck „Schwabs Hofgaggerli“.
Rund 83 Prozent der Fläche in Stadt und Landkreis Ansbach sind land- und forstwirtschaftlich genutzt. Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe ist in den vergangenen Jahren weiter gesunken. Es gibt weniger, dafür größere Betriebe. Etwa 40 Betriebe bewirtschaften mehr als 200 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche.
Welche Schwierigkeiten Landwirte haben und warum der Erhalt ihrer Höfe so wichtig für unsere Gesellschaft ist, lesen Sie hier.
Michaela Schwab lebt und arbeitet gemeinsam mit ihrem Mann Martin in Zandt. Er ist Landwirtschaftsmeister und hat den Hof 2010 von seinen Eltern übernommen. Zwischen Kuhstall und Scheune haben die beiden vor zwei Jahren ihr Haus gebaut. Die Hofstelle ist zwischen Wald und Feld, abseits vom Ortskern.
Michaela Schwab hat jede Menge frischen Wind in Stall und Hof gebracht. Ihre Leidenschaft: die Direktvermarktung. Vier Tage die Woche arbeitet sie im Büro als Steuerberaterin. An den Freitagen und Wochenenden schlüpft sie in die Rolle der Landwirtin.
Sie übernahm die Hühner von ihrer Schwiegermutter. Von der alten Hofstelle im Dorf zogen sie neben den Kuhstall. Die 27-Jährige stockte auf. Von rund 20 auf 70 Hühner. Die Eier bewahrt sie für den Verkauf in einem Kühlschrank auf, den sie direkt am Stall festschraubte.
„Nach dem zweiten Tag war der aber immer leer“, erinnert sie sich. Sie bat ihre Schwiegermutter, ihr weitere Legehennen vom Züchter zu holen. Noch mal 50. „Etz spinnst aber scho, hat sie dann zu mir gesagt.“ Die Hühner haben einen mobilen Stall und wechseln immer wieder die Wiese.
Mit dem Fahrrad kommt Martin Schwab zum Hühnerstall gefahren. Er hat Hunger. Die Kühe sind gemolken, das Jungvieh versorgt. Jetzt frühstücken die Schwabs. Sie treffen sich im Haus. Die Erdbeermarmelade ist selbst gemacht, der Schinken stammt vom eigenen Rind. Die Küche ist in Salbeigrün gehalten. Landhausstil. An der Wand hängt eine Leinwand, zwei Hühner sind darauf gemalt.
„Da ist kein Platz mehr“, ruft Martin, als er den Kühlschrank öffnet. Es türmen sich die Kartons. „Nur noch deine Eier stehen hier drin“, spottet er in Richtung seiner Frau. Ein weiterer Kühlschrank tut not, da sind sich die beiden einig.
Am Anfang ging es nur um die Eier. Dann kam frische Milch dazu. Fünfmal im Jahr verkaufen sie inzwischen Rindfleisch vom eigenen Jungvieh. Der Andrang ist sehr groß.
Den Kühlschrank am Stall tauschten sie bald gegen ein Holzhäuschen. Darin verkaufen sie inzwischen auch Nudeln und Eierlikör aus den ihren Eiern, produziert werden diese in Gottmannsdorf, einem Ortsteil von Heilsbronn.
Seit Ende letzten Jahres gibt es bei den Schwabs Käse aus der eigenen Milch. Dafür kommt eine mobile Käserei und verarbeitet die Milch direkt am Hof. Ist der Käse in den Formen, wird er vom Hof gefahren. Nach fünf Wochen im Reiferaum holen die Schwabs ihren Käse wieder ab. In der Holzhütte liegt dann Käse mit dem Namen wie „Die furchtlose Sissi“, benannt nach den Kühen im Stall.
Welche Philosophie steckt dahinter? „Mir ist es wichtig, viele eigene Produkte auf dem Teller zu haben“, erklärt Michaela. In ihrem Garten neben dem Haus wachsen Tomate, Kürbis und Zucchini. Milch, Eier und Co. bekommen sie von ihren Tieren. „Diesen Luxus möchten wir weitergeben.“
Damit sind die Schwabs nicht allein. Rund 220 Direktvermarkter gibt es in Stadt und Landkreis Ansbach, teilt das Landratsamt mit. Viele davon verkaufen in kleinen Hütten. Andere haben einen Hofladen, Verkaufsautomaten oder kleine Stände.
Was den Schwabs auch am Herzen liegt: Die Leute sollen auf den Hof kommen, sich umsehen, die Tiere streicheln. „Es ist wichtig, die Tore zu öffnen. Wir sind nicht so, wie es oft dargestellt wird.“ Seit einiger Zeit kann man deshalb bei den Schwabs auch campen. Auf einer Wiese hinter dem Hof schlagen Urlauber auf der Durchreise ihre Zelte auf. Michaela und Martin Schwab zeigen ihnen gerne den Hof oder lassen sie melken. Auf der Online-Plattform Instagram teilen die beiden auch den Alltag in der Landwirtschaft. Die Storys und Posts bereitet Michaela Schwab am liebsten im Hühnerstall zu. „Da hab ich meine Ruhe“, sagt sie.
Die 27-Jährige schnappt sich ein Ei aus dem Eimer. Nach dem Frühstück ist Eierputzen angesagt. Das macht sie in einem kleinen Raum neben dem Kuhstall. Ein Ei in der linken, ein pinkes, flauschiges Tuch in der rechten Hand: So wischt sie ein Ei nach dem anderen sauber.
„Mit Wasser darf ich das nicht machen“, erklärt sie. Hygienevorschriften. Wenn Schmutz mit dem Lappen nicht abgeht, darf sie die Eier nicht verkaufen. „Die sind dann für uns“, sagt sie und greift nach dem Nächsten. Ob es bei den Schwabs häufig Eier gibt? „Manchmal müssen wir schauen, dass wir überhaupt welche haben. Ostern bricht da schon mal die Krise aus.“ Da wollen alle Kunden die frischen Eier.
Martin und Michaela Schwab kümmern sich um rund 90 Kühe. Etwa 70 davon melken sie jeden Tag. Am Hof leben außerdem drei Schweine, zwei Ziegen und zwei Schafe. Katzen und eine Hündin gehören auch dazu. Um die rund 130 Hühner und fünf Hähne sorgt sich Michaela. Sie ist auch maßgeblich für die Direktvermarktung verantwortlich. Um den Ackerbau kümmert sich Martin. Sie bewirtschaften rund 35 Hektar Grünland und knapp 40 Hektar Ackerland. Martins Mutter unterstützt die beiden. Außerdem gehören Praktikanten und Auszubildende zum Team.
Mit einem Kreidestift schreibt Michaela Schwab das Haltbarkeitsdatum der Eier auf eine Tafel. 28 Tage dürfen sie laut Gesetz aufgehoben werden. Jeden Tag ein neues Datum. Belastet fühlt sich die 27-Jährige durch die Vorgaben nicht. „Die wollen das ja fördern, deshalb trifft es uns nicht so schlimm“, sagt sie.
Auf Märkten gelten strengere Regeln. Und Markttage kosten viel Zeit. „Rund drei Tage ist man damit beschäftigt“, fasst Martin Schwab zusammen. Sie müssen die Produkte wiegen und abpacken. Am Markttag selbst brauchen sie jemanden, der am Hof die Tiere versorgt. „Man macht da schon einen guten Umsatz“, so Martin. Öfter als zwei-, dreimal im Jahr werden sie es wohl trotzdem nicht machen.
Bald möchte Michaela Schwab Nudeln selbst herstellen. Eine Edelstahlküche neben dem Kuhstall ist schon in Planung. Das Paar überlegt, die Holzhütte mit einem gemauerten Häuschen zu ersetzen. Dort soll es auch eine Tiefkühltruhe für gefrorenes Rindfleisch zum Grillen geben.
Drei Schachteln der geputzten Eier schnappt sich Michaela Schwab. Sie füllt den Kühlschrank im Häuschen auf. Links und rechts stehen Kühlschränke mit Glastüren. Als Verkaufsfläche dienen alte Holztische. In der Mitte steht eine Kasse, die Bezahlung läuft auf Vertrauensbasis.
Als sie durch die Kühlschranktür guckt, ruft sie: „Gerade haben doch nur drei gefehlt!“ In der kurzen Zeit muss sich ein Kunde hereingeschlichen haben. „Tatsächlich“, stellt sie mit einem Blick in die Kasse fest. Ein paar Münzen klappern in der Box. Die Direktvermarktung läuft gut. „Ich hätte im Traum nicht gedacht, dass es so gut geht“, sagt sie.