Mehr Schutz für die Wiesenbrüter im Altmühltal rückt näher | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 11.07.2024 15:34

Mehr Schutz für die Wiesenbrüter im Altmühltal rückt näher

Im Feuchtwiesengebiet Wiesmet an der Altmühl kommen viele Wiesenbrüter-Vogelarten vor, die in ganz Europa selten geworden sind. (Archivfoto: Fabian Hähnlein)
Im Feuchtwiesengebiet Wiesmet an der Altmühl kommen viele Wiesenbrüter-Vogelarten vor, die in ganz Europa selten geworden sind. (Archivfoto: Fabian Hähnlein)
Im Feuchtwiesengebiet Wiesmet an der Altmühl kommen viele Wiesenbrüter-Vogelarten vor, die in ganz Europa selten geworden sind. (Archivfoto: Fabian Hähnlein)

Nach dem Umweltausschuss hat sich auch der Kreisausschuss mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, dass der Landkreis Ansbach den erhöhten Eigenanteil für das Projekt chance. natur zum Schutz der Wiesenbrüter im Altmühltal übernimmt.

Die endgültige Entscheidung fällt im Kreistag. Der Ausschuss empfahl auch, zwei zusätzliche Mitarbeiter für die Umsetzungsphase im Stellenplan vorzusehen. Nötig wurde der Beschluss, weil der Nachbarlandkreis Weißenburg-Gunzenhausen aus dem Projekt ausgestiegen war. Die Gesamtfördersumme bis 2034 wurde mit 7,5 Millionen Euro kalkuliert. Zehn Prozent davon, also 750.000 Euro, muss der Landkreis übernehmen, 150.000 Euro mehr als in der bisherigen Konstellation. Dazu kommen Verwaltungskosten, die von der Förderung nicht abgedeckt sind, betonte Kreiskämmerin Elke Schmidt.

Störche sind nicht die Feinde

Neben dem Projektleiter und einer Teilzeit-Verwaltungskraft sollen für die Umsetzungsphase eine Fachkraft und eine weitere Teilzeit-Verwaltungskraft eingestellt werden.

Dr. Hermann Schröter unterstrich in der Aussprache zum Thema, dass die Freien Wähler das Projekt für bedeutsam halten. Er griff einen Leserbrief in der FLZ auf, in dem argumentiert worden war, dass die Bemühungen zum Schutz der Wiesenbrüter vergeblich sein würden, wenn nichts gegen die zunehmende Zahl von Störchen unternommen würde.

Stefanie Schwarz, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, wies dies zurück. Es gebe keinen Nachweis dafür, dass Störche Wiesenbrüter fressen. Viele Küken gingen vielmehr an Füchse und Greifvögel verloren. Der Storch sei ein „Bewegungsjäger“, so dass Wiesenbrüter in der Regel nicht in sein Beuteschema fallen würden. „Fachlich gesehen ist nicht der Storch das Problem“, ergänzte Landrat Dr. Jürgen Ludwig.

Das könnte Sie auch interessieren
Waldbegehung in Matzmannsdorf: Entdeckungsreise durch Natur und GeschichteHunde an die Leine: LBV ruft zum Schutz von Wiesenbrütern in der Region aufWechsel an der Spitze: Neustädter Landschaftspflegeverband hat eine neue ChefinDie „grüne Stimme” der CSU aus Herrieden ist noch immer zu hörenSchätze der Natur am Wegesrand: So bewahrt das Taubertal seine IdylleGegen den Mähtod: Münchsteinacher Kindergartenkinder begeben sich auf RehkitzsucheGegen den „Mäh-Wahn”: Trautskirchener Landschaftsgärtner startet besondere AktionMähroboter als Todesfalle für Igel: Stadtrat Ansbach beschließt NachtfahrverbotSchnelldorf: Die Firma Groninger & Co GmbH setzt konsequent auf KlimaneutralitätExpertentipps beim Jungbaumpflegekurs: Wie pflanze ich einen Streuobstbaum?Hier stehen jetzt Bäume: Kleine Frischekur für das Fischhausbad SchillingsfürstHerrieder Erfolgsmodell für die Umwelt: Naturschützer und Landwirte an einem TischIn Rothenburg ist die kommunale Wärmeplanung auf der ZielgeradenWie sauber ist die Haslach? Gemeinderat Burghaslach informiert sich vor OrtNestbau am Rathaus in Bad Windsheim: Darf der Storch bleiben?

Nachbarkreis ist draußen

Harald Domscheit (Grüne) bedankte sich dafür, dass das Projekt gegen alle Widerstände fortgesetzt wurde: „Ohne diese Hartnäckigkeit hätten wir diese Chance für die Natur nicht“. Fritz Zinnecker (Freie Wähler) fragte, ob es notwendig war, so lange um die „Gunst des Nachbarlandkreises zu buhlen“, wenn ein Großteil der Fläche im Landkreis Ansbach liegt. Eine einvernehmliche Lösung sei der nachdrückliche Wunsch des Bundesamts für Naturschutz gewesen, antwortete Stefanie Schwarz.

Rainer Erdel (FDP), der als einziger gegen die Empfehlung an den Kreistag stimmte, erkundigte sich danach, welche Aufgaben das zusätzliche Personal übernehmen wird. Die Erfahrung zeige, so Schwarz, dass man viel „Manpower“ brauche, „um die Akteure draußen zusammenzubringen“. Man benötige viel Kommunikation, um die Maßnahmen zu besprechen und die Leute zu erreichen. Das sei mit dem jetzigen Personal nicht zu leisten.

Zudem wollte Erdel wissen, ob das Problem am Ende des Projektzeitraums im Jahr 2034 gelöst sein werde. „Wir leben in einer Kulturlandschaft“, meinte Johannes Schneider (CSU) dazu. Der Mensch greife permanent ein und nutze die Landschaft – und das sei auch gut so. Daran werde sich auch in zehn Jahren nichts ändern. „Das ist unsere Aufgabe und deswegen stehen wir dahinter“, sagte er.

Tür für Partner bleibt offen

Unterdessen bereitet der Weißenburger Landrat Manuel Westphal sein seit Monaten angekündigtes Alternativprogramm zu chance.natur vor. Nach Informationen des Weißenburger Tagblatts hat er es bereits bei einem Workshop den führenden Köpfen der Kreispolitik vorgestellt. Bei einer Umweltausschusssitzung am 16. Juli soll die Öffentlichkeit informiert werden.

Möglicherweise will Westphal einen europäischen Fördertopf mit allerdings niedrigeren Zuschusssätzen nutzen. Drei Einzelgemeinden, darunter die Stadt Gunzenhausen, sollen sich dennoch dafür interessieren, sich dem Projekt chance. natur anzuschließen. Im Ansbacher Kreisausschuss erneuerte Stefan Horndasch (CSU) seine Aussage, dass man offen bleiben sollte, wenn sich Partner beteiligen wollen.


Thomas Schaller
Thomas Schaller
Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
north