Den Antrag auf Einleitung eines Bauleitverfahrens für die Errichtung einer Freiflächen-Photovoltaikanlage nahe des Marktbergeler Ortsteils Ermetzhof lehnte der Gemeinderat nach längerer Diskussion mit sieben zu vier Stimmen ab. Zunächst will die Kommune nun ein Gesamtkonzept erstellen.
In ihm soll sowohl der verfügbare Platz für etwaige Freiflächen-Photovoltaikanlagen als auch weitere Rahmenbedingungen festgelegt werden sollen. Dieser Vorschlag fand wegen der weiteren zeitlichen Verzögerung nicht bei allen Ratsmitgliedern Anklang. Der Satz „das seit Jahren fehlende Konzept fällt uns nun auf die Füße“ war während der Sitzung mehrfach zu hören.
Bürgermeister Dr. Manfred Kern hatte eingangs dafür geworben, kein Bauleitverfahren einzuleiten und den Antrag für die Errichtung der Photovoltaikanlage abzulehnen. Hauptargument war, dass bei der Befürwortung schon die nächsten Interessenten in den Startlöchern stünden und bei Zustimmung die Ablehnung ähnlicher Vorhaben kaum möglich sei.
Zuspruch bekam Kern vom Ermetzhöfer Ortsteilsprecher Peter Dettke, der zum einen den Abstand zum Dorf, nach seinen Angaben rund 100 Meter, bemängelte. Zum anderen brachte Dettke die intakte Umwelt rund um den Ortsteil ins Spiel („Wir leben da oben in einem Naturparadies, das sollten wir erhalten“) und erinnerte an die landwirtschaftlichen Flächen, die dort für die Nutzung jahrelang verloren wären. Dettke hat als Ortsteilsprecher im Gemeinderat Rederecht in Belangen, die Ermetzhof betreffen, aber kein Stimmrecht.
Dagegen erinnerten mehrere Gemeinderäte an die notwendige Energiewende, die in Marktbergel in den vergangenen Jahren „komplett verschlafen wurde“ und verwiesen auf Umlandkommunen, die sowohl konzeptionell als auch in der Ausführung weit voraus seien. Nach einigem Für und Wider zeichnete sich ab, dass in der Marktgemeinde die fehlende Strategie bezüglich der Freiflächen-Photovoltaikanlagen das Haupthindernis ist.
Robert Kett von der Verwaltungsgemeinschaft Burgbernheim regte an, sich an anderen Kommunen zu orientieren, Eckpunkte zu setzen, die für die Marktgemeinde maßgeblich wären, und auf deren Basis künftig die notwendigen Entscheidungen zu treffen. Dort wären dann auch Fragen zu klären, die in der Diskussion aufgeworfen wurden: Beispielsweise, ob die Gemeinde nur eigene Flächen zur Verfügung stellen will oder ob derartige Anlagen im kommunalen Besitz mit entsprechender Bürgerbeteiligung zu errichten seien. Wo Einspeisungspunkte verfügbar sind. Wohin die Wertschöpfung solcher Anlagen fließen würde, und dergleichen mehr.
Weil „wir das alle gemeinsam verpennt haben“, so Aussagen in der Sitzung, drängte die Ratsrunde nun aber auf eine zügige Konzepterarbeitung. Manfred Kern wird sich in der Gemeinde Illesheim kundig machen und deren Vorgaben dann in einer der kommenden Sitzungen vorstellen.
Daraufhin sollen sich Arbeitskreise gründen, die sich um einzelne Fragen kümmern – damit auch hier eine zügige Bearbeitung unabhängig vom Turnus der Ratssitzungen, in denen dann die Ergebnisse zusammengeführt werden, gegeben ist.
Danach kann auch in Marktbergel die Energiewende kontrolliert Einzug halten. Die Mehrheit der Ratsrunde konnte sich mit diesem Vorgehen anfreunden.