Ein röhrender Hirsch, mitten im Wald, zwischen zwei Bäumen. Oh Schreck, links aus dem Hinterhalt ist ja das Zielrohr eines Panzers auf ihn gerichtet. Oh, und rechts noch ein Panzer. Vorne Äste, das ist nichts Ungewöhnliches, aber weiter hinten, mitten im Bilde, eine Wüste. Der Betrachter vertieft sich wie von selbst.
Das ist kennzeichnend für die Kunst von Manfred Hönig. Wieder einmal hatte er am Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten teilgenommen und war stolz, von 603 Kunstschaffenden unter die Top 60 gekommen zu sein, die ausstellen dürfen. In früheren Jahren hatte er auch schon Anerkennungspreise gewonnen.
Sein Bild „Ein Nachmittag im Wald“, im Original 50 bis 100 Zentimeter groß, ist eines von rund 60 Werken, die noch bis 10. September im Kunsthaus Nürnberg in dieser Sonderausstellung zum Preis zu sehen sind. Manfred Hönig, geboren in Stuttgart, aufgewachsen in Nürnberg, ehemals Student der Physik und Philosophie, Psychologie und Kunstgeschichte in Erlangen, lebt seit 2020 in Birkenfeld, einem Ortsteil von Neustadt/Aisch.
Dort hat er sein Atelier gefunden, wie es passender für ihn nicht sein könnte: ein großzügiger Raum für seine bevorzugten Großformate und Ruhe im Schatten des ehemaligen Zisterzienserklosters. Dort malt der mit vielen Preisen ausgezeichnete Künstler, er ist auch Dozent und Autor für Maltechnik für Fachverlage und einen Künstlerfarbenhersteller.
Hönig hatte seine künstlerische Ausbildung bei verschiedenen Kunstmalern absolviert, war Gasthörer der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und brachte sich selbst sehr viel bei. Kein Wunder, dass in seinem Atelier alles zu finden ist: vom Stillleben bis zum Selbstporträt, von Landschaftsmalerei bis zum Akt. Es sind immer besondere Szenen, besondere Kompositionen.
Irgendwann geht jede Kultur den Bach runter.
Manfred Hönig ist ein Denker unter den Künstlern, der bestrebt ist, die Welt zu begreifen. „Ein zentrales Element in meinem Werk ist der stete Prozess von Veränderung, Wandel und Vergänglichkeit“, beschreibt er sein Wirken, das einen Anspruch hat: „Wer soll über das Leben und die Welt nachdenken, wenn nicht die Künstler?“ Seine Überzeugung: „Irgendwann geht jede Kultur den Bach runter.“ Konsum und Verschwendung, Geld und Wachstum ohne Grenzen seien für ihn Anzeichen einer völlig sinnentleerten Kultur.
Ausdruck fand dies in seiner inzwischen schon fast kultigen Darstellung der Autowracks. Auf seinen Reisen hat er so manche Rostlauben in Wüsten fotografiert, verschiedene Motive miteinander kombiniert und schafft so ausdrucksstarke Wirklichkeiten auf der Leinwand.
Bereits seit 40 Jahren malt der 62-Jährige. Nach seiner Einschätzung liegen das Gute und das Schlechte, das Schöne und das Hässliche stets nahe beinander. So sei auch die Idylle im Wald nur eine „Illusion aus vergangener Zeit“ – um wieder auf das Bild zurückzukommen, das derzeit in Nürnberg ausgestellt ist. Den amerikanischen Sherman-Panzer links im Bild hatte er in Illesheim gesehen (rechts ist ein russischer Panzer) und die Waldlandschaft stammte ebenfalls aus der Gegend.