Lentersheim: Umstrittene Recyclinganlage wird stillgelegt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.06.2024 13:17

Lentersheim: Umstrittene Recyclinganlage wird stillgelegt

Während die Anlage in Lentersheim ursprünglich ein Asphaltmischwerk war, rückte bald das Aufbereiten von Abfall in den Vordergrund. (Archivfoto: Jonas Volland)
Während die Anlage in Lentersheim ursprünglich ein Asphaltmischwerk war, rückte bald das Aufbereiten von Abfall in den Vordergrund. (Archivfoto: Jonas Volland)
Während die Anlage in Lentersheim ursprünglich ein Asphaltmischwerk war, rückte bald das Aufbereiten von Abfall in den Vordergrund. (Archivfoto: Jonas Volland)

Die umstrittene Abfallrecyclinganlage der VEA Umwelt in Lentersheim soll nun doch stillgelegt werden. Die Firma hatte entgegen ihrer früheren Ankündigung versucht, sie weiterzubetreiben. Das Landratsamt lehnt das aber ab. Zudem stellte sich heraus, dass während des Betriebes über Abwasser giftige Stoffe in den Mühlbach gelangt sein könnten.

Zwei gelbe Hochsilos prägten lange Jahre im Ehinger Gemeindeteil Lentersheim den Blick auf den Hesselberg. Ab den 1970ern wurde neben dem Dorf Asphalt gemischt, 1997 kamen dem Landratsamt Ansbach zufolge eine Lagerhalle sowie ein Prallbrecher zum Zerkleinern von Material dazu. Seitdem wurden dort verschiedene Bauabfälle aufbereitet, darunter auch potenziell wassergefährdende kohlenteerhaltige Bitumengemische – etwa Straßenaufbruch.

Auch weil Anwohner glauben, dass diese mitunter gefährlichen Stoffe nicht unter den nötigen Sicherheitsvorkehrungen behandelt wurden, wird seit Jahren über die Anlage gestritten. Eine Bürgerinitiative wurde gegründet, es laufen Gerichtsverfahren von Lentersheimern gegen den Freistaat Bayern.

Die Baufirmen hinter der VEA

Betrieben wird die Anlage in Lentersheim von der VEA Umwelt GmbH & Co. KG mit Sitz in Burgoberbach. Diese wurde laut Handelsregisterauszug aus der Firma „AMF Asphaltmischwerke Franken“ abgespalten, die wiederum das Asphaltmischwerk an der B13 in Burgoberbach betreibt. An der gleichen Adresse ist auch der Sitz der VEA. Als Kommanditisten sind im Handelsregister sowohl für die VEA als auch für die AMF die Firma „Ernst Hähnlein Bau“ (Feuchtwangen) und der Baukonzern „Leonhard Weiss“ (Satteldorf, Landkreis Schwäbisch Hall) eingetragen. Sie haben also Kapital in beide Firmen eingebracht und haften beschränkt.

Ende 2023 hätte dann eigentlich Ruhe einkehren sollen. Friedrich Steinacker, Bürgermeister von Ehingen, verkündete im Gemeinderat, dass die VEA eine Stilllegung ihres Betriebs bekannt gegeben hat und die Genehmigungen zum 31. Dezember 2023 zurückgibt. Zum gleichen Tag erlosch ohnehin die Erlaubnis, Abwasser in den Mühlbach einzuleiten – das tat die VEA bis dahin von ihrem Betriebsgelände aus über den gemeindlichen Kanal.

„Die Betriebsstilllegung erfolgt rein aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten“, heißt es in der Stilllegungsanzeige der VEA. Dokumenten zufolge, die der FLZ vorliegen, erklärte die Firma allerdings noch im Dezember intern dem Landratsamt, die Stilllegung wieder zurückzunehmen und in eine Betriebsruhe umwandeln zu wollen. Die VEA wollte demnach Teile der Anlage rückbauen und nach Ende der Betriebsruhe die Brecheranlage weiterbetreiben.

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Doch der Verzicht auf die Genehmigungen kann nicht zurückgenommen werden, das hat das Landratsamt während der laufenden Recherchen der FLZ entschieden. Die Genehmigungen für den Anlagenbetrieb erlöschen also zum 30. Juni. Um ihn weiterzuführen, sei ein neues Verfahren nötig. Auch die VEA erklärt: „Die Anlage wird derzeit nicht betrieben und soll stillgelegt werden.“ Was dort im Anschluss passieren soll, lässt die Firma offen.

Unabhängig von den formalen Fragen wäre ein Weiterbetrieb als Abfallrecyclinganlage auch aus einem anderen Grund problematisch: Das Wasserwirtschaftsamt sprach sich im Januar 2024 gegen eine neue Einleiterlaubnis für Abwasser aus dem Betrieb in den Mühlbach aus. Das geht aus behördeninternem Schriftverkehr hervor, der der FLZ vorliegt.

Als Grund wird unter anderem das Ergebnis einer Probe aus einem Straßenseitengraben neben der Anlage genannt. Ein Ingenieurbüro hatte sie im Juli 2023 im Auftrag der Bürgerinitiative genommen und untersuchen lassen.

Der Wert für polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) war in der Probe demnach um das 2,5-fache überschritten. PAK können jedoch laut dem Umweltbundesamt wassergefährdend und gesundheitsschädlich, zum Teil sogar krebserregend sein.

Fehlender Schutz und fehlender Antrag

Das Wasserwirtschaftsamt vermutet in dem Schriftverkehr, dass der Graben deshalb belastet sein könnte, weil die Aufbereitungsanlage Jahre lang „widerrechtlich“ ohne eine „zum Schutz des Gewässers vorgeschriebene Sedimentation betrieben wurde“. Es bestehe demnach ein „Verdacht auf Boden-/Gewässerverunreinigung“.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Behörden Fehler beim Betrieb der Anlage benennen. In einem Dokument aus dem Februar 2023 bemängelt das Landratsamt eine mobile Siebanlage auf dem Gelände, die 2016 beschafft worden war und mit der Abfälle behandelt wurden. Das Landratsamt untersagte damals den Betrieb des Siebs, es war demnach weder bei der Behörde angezeigt noch beantragt worden.

Belastung, aber bisher keine Boden-Nachweise

Das Landratsamt hat die Belastung im Graben gegenüber der FLZ bestätigt. Wie damit weiter verfahren wird, ließ die Behörde offen. „Das wasserrechtliche Verfahren zur Verlängerung der Einleitungserlaubnis der Gemeinde Ehingen ist derzeit noch nicht abgeschlossen.“ Nachweise über eine Bodenverunreinigung auf dem Betriebsgelände gebe es derweil bisher keine.

Die Firma selbst antwortete zwar durch ihre Anwälte ausführlich auf die Anfrage der FLZ. Sie machte aber zu den Problemen rund um das Abwasser keine Angaben. Allerdings betont sie: „Die Anlage verfügt über die für den Betrieb erforderlichen immissionsschutzrechtlichen Genehmigungen.“ Der Rückbau der Anlage hat derweil begonnen: Die gelben Silos sind bereits eingerissen.

Streit mit der Bürgerinitiative

Die Bürgerinitiative „Jetzt reicht’s - Keine Abfallbehandlungsanlage Lentersheim“ bemängelt ihrer Ansicht nach fehlende technische Standards der Anlage und fürchtet eine Verseuchung des Bodens und Grundwassers. Sie kritisiert Lärm und Staub, der beim Be- und Entladen von Lkw auf dem VEA-Gelände entstand. Auch werfen die Anwohner dem Landratsamt vor, sich nicht ernsthaft um ihre Sorgen zu kümmern. Erst nach unzähligen Mails und Anrufen wegen Verstößen habe die Behörde – aus Sicht der BI zu spät – reagiert. Das Landratsamt wiederum sagt, dass es jedem Verdacht nachgehe. Missstände auf der Anlage in der Vergangenheit seien zeitnah behoben worden.


Jonas Volland
Jonas Volland
Jahrgang 2001, fing direkt nach seinem Abitur bei der FLZ an, ist im Anschluss an sein Volontariat seit dem Jahreswechsel 2023 Redakteur in der Ansbacher Lokalredaktion. Fasziniert von bunten Geschichten und aufwendigeren Recherchen.
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