An historischen Gebäuden gibt es ja immer Sanierungsbedarf. Das ist bei den großen Gebäuden nicht anders als bei den kleineren Modellen, aus denen die Szenerie der Dinkelsbühler Heimatkrippe gebaut wird. Jedes Jahr sieht die etwas anders aus, wenn die Häuschen aus ihrem Depot geholt werden.
Die Modelle der markantesten Gebäude der Dinkelsbühler Altstadt haben eine stattliche Größe, die erst so richtig deutlich wird, wenn man sie im Keller des Pfarrbüros – ordentlich in Regalen gestapelt – sieht. Im riesigen Kirchenschiff des Münsters wirken sie nämlich viel kleiner.
Der Baumeister der Dinkelsbühler Heimatkrippe war Dr. Dionys Stiefenhofer, ab 1920 Stadtpfarrer im Münster. Weil eine von Christoph von Schmid beschriebene Krippe nicht mehr existierte, als Stiefenhofer seinen Dienst in der katholischen Pfarrei antrat, entschloss er sich, das zu ändern. Das biblische Geschehen sollte aber nicht in den Nahen Osten verlegt werden, sondern vor die Kulisse der Heimatstadt. Für die Fertigung der Gebäude und Details begeisterte der Pfarrer einheimische Handwerker und Künstler, die zumeist ehrenamtlich am Aufbau der Krippe mitwirkten. Viele Dinkelsbühler spendeten, um die Materialkosten für das ambitionierte Projekt decken zu können.
Die Gebäudeminiaturen sind noch weitgehend original erhalten, wie Ernest Forster erklärt. Er ist der Sprecher des Krippenteams, also der modernen Baumeister, die für den Auf- und Abbau der Anlage verantwortlich sind. Forster kümmert sich auch während des gesamten Jahres um das bauliche Erbe Stiefenhofers.
So ist das Dach des Stalls, in dem Jesus Geburt dargestellt wird, mit richtigen Dachziegeln gedeckt. „Die wurden damals in Wilburgstetten bei der Firma Salat gebrannt“, sagt Forster. Entsprechend schwer ist das Gebäude. Forster spricht von 200 Kilogramm, die der Stall wiegt. Um es aus dem Keller ins Münster zu bringen, sind mehrere Helfer notwendig, die mit Umsicht an die heikle Aufgabe gehen müssen. „Wenn die Ziegel brechen würden, wäre es fast unmöglich, sie zu ersetzen“, ist Forster überzeugt. Für den Umzug der Anlage braucht das Team einen Tag.
Damit die Gebäude der Stiefenhofer’schen Zeit gut in Schuss bleiben, frischt Forster Problemzonen auf. Und er überlegt sich auch immer wieder Modernisierungsmaßnahmen. So hat Hans Augsburger, der Elektriker im Team, zuletzt die Balkone mit LED-Leuchten ausgestattet.
Natürlich muss in den Miniaturen auch geputzt werden, damit alles glänzt, wenn die Krippe vor und nach Weihnachten im Münster von Tausenden Menschen aus aller Welt bestaunt wird.
Zu sehen ist die Heimatkrippe bis Lichtmess, 2. Februar, täglich zu den Öffnungszeiten des Münsters St. Georg zwischen 9 und 17 Uhr.