Lebensretter durch Stammzellenspende | FLZ.de

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Veröffentlicht am 31.03.2024 14:00

Lebensretter durch Stammzellenspende

Die Verbände an den Armen sind die sichtbaren Zeichen der Stammzellentnahme. Bis auf Kopfschmerzen und Erschöpfung geht es Felix Birmann direkt danach gut. (Foto: Timo Birmann)
Die Verbände an den Armen sind die sichtbaren Zeichen der Stammzellentnahme. Bis auf Kopfschmerzen und Erschöpfung geht es Felix Birmann direkt danach gut. (Foto: Timo Birmann)
Die Verbände an den Armen sind die sichtbaren Zeichen der Stammzellentnahme. Bis auf Kopfschmerzen und Erschöpfung geht es Felix Birmann direkt danach gut. (Foto: Timo Birmann)

„Sie kommen als Stammzellspender in Frage.“ Dieser Telefonanruf vor rund drei Monaten war erstmal ein kleiner Schock. „Damit rechnet man ja nicht“, sagt Felix Birmann. Im nächsten Moment aber war ihm klar: „Natürlich spende ich.“ Wie oft hat man schon die Chance, einem anderem Menschen das Leben zu retten?

Am Telefon ist dieselbe Frau, die er schon bei seiner Typisierung getroffen hat – ein Zufall. Sechs Jahre ist das her: Felix Birmann spielte zu der Zeit aktiv Football bei den „Rittern“, den Franken Knights. Bei einem Benefizspiel gegen die Plattling Black Hawks im Mai 2018 ließen sich fast 250 Menschen in die Knochenmark- und Stammzellspenderdatei Göttingen (KMSG) aufnehmen.

Erster Abstrich per Wattestäbchen

Dabei wird zunächst ein Wangenabstrich mit einem speziellen Wattestäbchen genommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Gewebemerkmale zu denen einer Patientin oder eines Patienten passen, liegen laut KMSG bei etwa 0,2 Prozent im ersten Jahr, insgesamt bei rund einem Prozent. „Das ist ja schon ziemlich selten“, sagt Birmann. „Ich kannte auch niemanden, der schon einmal gespendet hat.“ Und beinahe wäre in seinem Fall die Sache schiefgegangen. Denn bei der KMSG war die aktuelle Handynummer des 24-Jährigen, der derzeit in Schillingsfürst lebt, nicht hinterlegt.

Doch über seine Eltern kommt der Kontakt zustande. Und dann geht alles ganz schnell. „Die Spende war wohl ziemlich dringend.“ Zunächst sind weitere Blutuntersuchungen notwendig. Per Post erhält Felix Birmann die Kanülen, seine Freundin – medizinische Fachangestellte – zapft Blut, das wird per Kurier direkt in die Göttinger Klinik gebracht

In der letzten Runde ist die Einwilligung endgültig

. „Wenn alles in Ordnung ist, bekommt man innerhalb von sechs Monaten Bescheid, oder halt nicht.“ Schon zwei Wochen später klingelt wieder das Telefon: Alles passt. Weitere Voruntersuchungen sind notwendig. Dafür reist Birmann nach Göttingen. An der Uniklinik wird er durchgecheckt, und wieder eine Woche später bekommt er grünes Licht für die Spende. Dann wird es ernst. „Bis dahin wurde ich immer darauf hingewiesen, dass ich auch zurücktreten kann“, erzählt Birmann. Aber jetzt, für die letzte Runde, ist die Einwilligung endgültig.

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Vier Tage lang muss er sich nun täglich zweimal spritzen. Denn er hat sich gegen eine Knochenmarkentnahme und für eine periphere Stammzellenspende entschieden – das ist laut KMSG derzeit das häufigste Verfahren. Die Stammzellen werden aus dem Venenblut gewonnen. Dazu ist eine Vorbehandlung mit einem Medikament erforderlich, welches die Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut übertreten lässt.

Chemotherapie zerstört die bösartigen Zellen

„Ein Kribbeln im unteren Rücken, ein Pochen“ – der 24-Jährige merkt, dass sich was tut. Und zwar einiges: Vier Millionen Stammzellen pro Kilogramm Körpergewicht werden normalerweise gewonnen, bei ihm sind es zehn Millionen. Während sich bei Felix Birmann die Stammzellen vermehren, wird der Empfänger oder die Empfängerin ebenfalls auf den Eingriff vorbereitet: Meist zerstört eine hoch dosierte Chemotherapie die bösartigen Stammzellen, so dass die gesunden transplantiert werden können.

Nach zwei Jahren darf er Kontakt aufnehmen

Der Tag der Spende ist anstrengend für den Körper. Fast vier Stunden lang muss Felix Birmann absolut still liegen und wird an einen Zellseparator angeschlossen. Aus seiner Vene fließt das Blut hinein, per Zentrifuge wird es in seine Bestandteile zerlegt und fließt dann über die Vene des anderen Arms in den Körper zurück.

Birmann hat Kopfschmerzen, im Rücken pocht es weiter, dazu kommen immer wieder kleine Atemstocker. Doch schon am Tag danach geht es ihm besser. Und: „Das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, macht ohnehin allen Aufwand wett“, sagt er.

Wer seine Stammzellen bekommt, weiß Felix Birmann nicht. Erst nach zwei Jahren ist eine persönliche Kontaktaufnahme erlaubt. Er vermutet, dass die Person an Blutkrebs erkrankt ist. Und er hofft, dass die Transplantation erfolgreich ist. „Das weiß man ja vorher nicht.“ Bereits nach einem halben Jahr kann man anonym Informationen erhalten. „Den Tag habe ich mir schon im Kalender markiert.“

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