Kunst und heilende Kräuter im Ansbacher Hofgarten | FLZ.de

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Veröffentlicht am 02.08.2024 17:56

Kunst und heilende Kräuter im Ansbacher Hofgarten

Die österreichische Künstlerin Evalie Wagner hat sich für ihr Ansbacher Werk mit dem berühmten Kräuterbuch des Botanikers Leonhart Fuchs beschäftigt. (Foto: Lara Hausleitner)
Die österreichische Künstlerin Evalie Wagner hat sich für ihr Ansbacher Werk mit dem berühmten Kräuterbuch des Botanikers Leonhart Fuchs beschäftigt. (Foto: Lara Hausleitner)
Die österreichische Künstlerin Evalie Wagner hat sich für ihr Ansbacher Werk mit dem berühmten Kräuterbuch des Botanikers Leonhart Fuchs beschäftigt. (Foto: Lara Hausleitner)

Wilde Möhre, Wiesenkerbel und Gamander-Ehrenpreis, auch Männertreu oder Frauenbiss genannt: Pflanzen mit so ausdrucksstarken und teils sprechenden Namen sind im Ansbacher Hofgarten zu entdecken. Und derzeit auch im modernen Citrushaus im Fuchsgarten – als Teil einer Kunstinstallation von Evalie Wagner.

Die begehbare Installation ist überschrieben mit dem Titel „Herbolarium“: ein spätlateinischer Begriff, wie er in mittelalterlichen Schriften verwendet wurde als Bezeichnung für ein Herbarium, also eine Sammlung konservierter Pflanzen.

Die Abbildungen der Gewächse sind auf mattweiße, halbtransparente Stoffbahnen aufgedruckt, die von der Decke hängen und fast bis zum Boden reichen. Sanft bewegen sie sich im Lufthauch, der durch die weit geöffnete Tür des Citrushauses dringt. Zwischen den Stoffen schweben fächerartige Gebilde, an die getrocknete Kräuter gebunden sind. Evalie Wagner hat sie im Hofgarten gesammelt.

Blumen sprießen in Museumsräumen

In ihrem gesamten Werk beschäftigt sich die österreichische Künstlerin intensiv mit Pflanzen, knüpft sie zu Windspielen zusammen, lässt Girlanden von Decken wachsen und Blumen in Museumsräumen sprießen, gestaltet Litfaßsäulen mit gemalten grünen Blättern. Für ihre Ansbacher Arbeit, ein Kunstprojekt zum 300. Geburtstag des Hofgartens, hat sie sich mit dem berühmten „New Kreüterbuch“ des Botanikers und markgräflichen Arztes Leonhart Fuchs auseinandergesetzt.

Die in großem Format auf die dünnen Stoffbahnen gedruckten Pflanzen sind Darstellungen aus jenem Kräuterbuch, das Leonhart Fuchs im Jahr 1543 veröffentlichte. Mehr als 500 Heilpflanzen sind darin abgebildet und beschrieben; zudem wird der medizinische Nutzen erläutert, auf den etwa bei Augentrost oder Zahnwurz schon der Name hindeutet.

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In ihrer Installation kombiniert Evalie Wagner einige der historischen Zeichnungen mit den echten, getrockneten Pflanzen in matten Braun- und Gelbtönen. So hat sie einen ästhetisch-stillen Kunst-Raum geschaffen, der immer wieder den Blick freigibt nach draußen in den Fuchsgarten.

Mit Luft und Sonnenlicht in Verbindung

„Die feinen, farbig ausgeführten Zeichnungen werden in der Ausstellung im Citrushaus in den Fokus gerückt. Als großformatige Drucke schweben die Illustrationen wie Lesezeichen im Raum und verweben sich in der immersiven Kunstinstallation mit Luft und Sonnenlicht zu einem poetischen Tableau“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung. „Alle Abbildungen zeigen Wiesenpflanzen und verweisen so auf den Artenreichtum der wertvollen alten Wiesenflächen des Hofgartens. Die Installation gleicht so einem ungewöhnlichen Streifzug durch diese naturnahen Bereiche des Hofgartens und ist gleichzeitig eine Hommage an deren Vielfalt.“

Wer aus dem Citrushaus hinaus in den Fuchsgarten tritt, kann sich etliche der von Leonhart Fuchs, dem „Vater der Botanik“, beschriebenen Heilkräuter in den Beeten ansehen. Zum 500. Geburtstag des humanistischen Wissenschaftlers, der ab 1528 am Ansbacher Hof als Leibarzt von Georg dem Frommen wirkte, wurde der Kräutergarten im Jahr 2001 angelegt.

Dass sich der Mediziner und Botaniker ausgerechnet Ansbach als Zentrum seines Schaffens aussuchte, hatte zwei Gründe. Zum einen herrschte hier mit Markgraf Georg dem Frommen einer der frühesten fürstlichen Anhänger der Reformation in Deutschland, was dem überzeugten Protestanten Fuchs entgegenkam. Zum anderen hoffte der junge Forscher auf den Aufbau einer protestantischen Hochschule in Ansbach. Mehrere Jahre wartete er vergeblich auf diese Universität, ehe er 1535 aufgab und nach Tübingen zog. Dort war er dann bis zu seinem Tod im Alter von 65 Jahren als Professor der Medizin und Rektor tätig.

Gegen Husten und gegen Herzschmerz

Den Pflanzen und Pflänzchen in den Beeten im Fuchsgarten werden wirklich erstaunliche Heilkräfte zugeschrieben, die der bedeutende Botaniker in seinem Werk zusammengefasst hat. Demnach ist ein Kraut gewachsen gegen fast jegliche Unbill: gegen Husten, Schnupfen und Augenleiden, gegen Glatzköpfigkeit, Herzschmerz und Fußweh, aber auch gegen Nattern und Schlangen, Fliegen und Mücken.

Wegen der guten Besucherresonanz wurde die Präsentation der Kunstinstallation verlängert bis zum 1. September. Geöffnet ist das Citrushaus Montag bis Donnerstag von 7.30 Uhr bis 15.45 Uhr, Freitag von 7.30 Uhr bis 14.15 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 10 Uhr bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.


Lara Hausleitner
Lara Hausleitner
Redakteurin für Lokales und Kultur - und Reisende aus Leidenschaft.

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Nellie Bly
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