Kunden in 26 Ländern: Wecubex feiert Jubiläum | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.04.2024 16:44

Kunden in 26 Ländern: Wecubex feiert Jubiläum

Oliver Schmidt (links) und Maxim Schlender geben die Befehle ein, im Hintergrund arbeitet fast mannlos eine neue, vollautomatische Blechbearbeitungsmaschine, die sich sogar ihr Material selbst holt. (Foto: Katrin Merklein)
Oliver Schmidt (links) und Maxim Schlender geben die Befehle ein, im Hintergrund arbeitet fast mannlos eine neue, vollautomatische Blechbearbeitungsmaschine, die sich sogar ihr Material selbst holt. (Foto: Katrin Merklein)
Oliver Schmidt (links) und Maxim Schlender geben die Befehle ein, im Hintergrund arbeitet fast mannlos eine neue, vollautomatische Blechbearbeitungsmaschine, die sich sogar ihr Material selbst holt. (Foto: Katrin Merklein)

Einmalhandschuhe, Kittel und Masken: Während der Corona-Pandemie wurden diese Utensilien in Kliniken noch mehr als zuvor schon gebraucht und mussten nach der Nutzung entsorgt werden. Unter anderem mit den Gestellen für die dafür verwendeten Müllsäcke hat die Burgbernheimer Firma Wecubex ein gutes Geschäft gemacht.

Die Produktion im Bereich Medizintechnik lief in der Pandemie auf Hochtouren. Vor etwa sechs Jahren ist Wecubex bereits in diese „stabile Branche“ eingestiegen, erklärt Betriebsleiter Stephan Reuther. „Corona hat uns das beste Betriebsergebnis unserer Firmengeschichte beschert.“ „Die Rohrtechnik“ – unter diesem Namen ist Wecubex bei Burgbernheimern seit jeher bekannt – stellt für Kliniken neben den Abfallgestellen auch Infusionsständer, rollbare Untersetzwagen für Beatmungsgeräte und sämtliche Teile für Krankenhausbetten her.

Das allein reichte freilich nicht. „Viele Sparten haben uns durch die Krise gebracht“, sagt Reuther. Das einzige, was Leuten lange Zeit in der Pandemie geblieben ist, um außer Haus zu gehen, war zeitweise der Einkauf im Supermarkt, fügt Geschäftsführer Rainer Bodendörfer an. Die gelochten Rohre von Wecubex halten die Böden der Regale in den meisten Supermärkten – das Markenzeichen der Firma. Als Baumärkte geschlossen waren, erweiterten die Einkaufsmärkte ihr Sortiment. Schwere Farbeimer beispielsweise brauchten verstärkte Regalsysteme. Die Burgbernheimer lieferten.

Erster Cobot-Roboter ist im Einsatz

In dieser Sparte drohte der Kunde selbst aber zum Konkurrenten zu werden. Schneller musste man werden, um Teile günstiger auf den Markt bringen zu können. Binnen Sekunden werden mittlerweile im Rohrbearbeitungszentrum der Firma auf einer automatisierten Lochstanz-anlage gelochte Ladenbauregalrohre für die „großen Discounter in ganz Europa“ gefertigt. In diesem Bereich ist der erste Mensch-Maschinen-Roboter, ein sogenannter Cobot-Roboter, im Einsatz. In der Industrie werde dies immer mehr zum Standard, erklärt Reuther. Allein hier beträgt der Jahresumsatz im Burgbernheimer Werk 20 Millionen Euro.

Das Lochverfahren ist ein Patent, das Leopold Osthoff, der die Rohrtechnik 1964 als erste Firma im Burgbernheimer Industriegebiet gegründet hatte, geschaffen hat. Angefangen hatte man damals mit Zaun- und Toranlagen, Freizeitmöbeln und Regalen, die Firma etablierte sich zum europäischen Marktführer als Zulieferer im Ladenbau.

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1971 stiegen die Firmen Röchling&Co und Wuppermann in den Betrieb ein, die Familie Osthoff vier Jahre später aus. Ab 1992 liefen die Geschäfte unter dem Namen Wuppermann Rohrtechnik weiter. Die Leverkusener Gruppe produzierte an acht Standorten in vier europäischen Ländern. Nach einer Umstrukturierung wurden Ende 2017 vier Unternehmen aus der Gruppe an den Frankfurter Finanzinvestor Lafayette verkauft, seitdem heißt die Rohrtechnik Wecubex.

164 der rund 800 Mitarbeiter der Firma sind im Burgbernheimer Werk beschäftigt, das einen Umsatz von 60 Millionen Euro im Jahr macht. Ein Großteil stammt aus der Stadt und der näheren Umgebung, einige arbeiten hier gar schon in zweiter Generation. Darauf und, dass man bislang auf den Einsatz von Leiharbeitern verzichten kann, ist Bodendörfer stolz. Der Facharbeitermangel sei zwar zu spüren, alle Stellen können aktuell aber besetzt werden, auch, weil die Firma selbst ausbilde. Es dauere einfach etwas länger, bis man „den geeigneten Mitarbeiter“ findet. Gerade im Bereich Schweißen sei es schwierig.

Neben dem Lochen von Rohren bedient die Firma eine weitere Sparte: Die Blechbearbeitung durch Laserschweißen, Abkanten und Schweißen. 2023 investierte Wecubex zwei Millionen Euro in vollautomatische und höchst moderne Blechbearbeitungsmaschinen. In Verbindung mit einem Hochregallager ist eine fast mannlose Fertigung möglich. Das Bedienen erfolgt über Tablets. Gerade für jüngere, computerbegeisterte Mitarbeiter ist dies ein sehr beliebter Arbeitsplatz, erklärt Bodendörfer, der seit 2008 Geschäftsführer des Unternehmens ist, bei einem Rundgang durch den Betrieb.

Hochkomplexe Edelstahl-Komponenten

Ein weiteres Standbein baute sich die Firma durch den Kauf eines Edelstahlrohrwerks auf, welches in Burgbernheim integriert wurde. Mit dem eigens produzierten Edelstahlrohr in Verbindung mit der Blechfertigung bedient Wecubex hochkomplexe Edelstahl-Komponenten für die Nahrungsmittelindustrie und viele andere Branchen und ist einer der größten Blechdienstleister im deutschsprachigen Raum.

Der Betrieb fertigt mittlerweile viele Teile, die jeder täglich sieht oder in Gebrauch hat. Stücke für Tankeinfüllstutzen gehören dazu. Die bezeichnet Bodendörfer allerdings bereits als Auslaufmodell, die Richtung E-Mobilität ist vorgegeben. Teile für E-Ladesäulen gehören ebenso längst ins Sortiment. Handtuchwärmer, Apothekerschränke, Klappsitze für Sprinter, zahnmedizinische Waschanlagen, Dialysegeräte, Verpackungs- und Abfüllmaschinen, Backöfen, Kühltheken: Überall finden sich Bauteile von Wecubex.

18.000 Tonnen Stahlrohr werden im Jahr in Burgbernheim verarbeitet, 7000 Tonnen Blech. Gerade in der wirtschaftlich zurückhaltenden Lage profitiere die Firma vom Kundenmix – und man könne „fast keine negativen Auswirkungen“ spüren, so Bodendörfer. Rund 250 Kunden in 26 Ländern bedient die Firma.

Prestige darf dabei nicht fehlen. Die Fassade des „King Abdulaziz Center for World Culture“ in Dhahran, Saudi-Arabien, hat Wecubex gefertigt. Das wie riesige Kieselsteine in der Wüste aussehende Gebäude wurde mit rund 1000 Tonnen Edelstahlrohr verkleidet. National Geographic hat die Herstellung unter anderem im Werk in Burgbernheim mit Kameras begleitet. Derzeit arbeitet die Firma an der Verkleidung für ein Einkaufscenter in Southampton (England) – und für das Projekt Stuttgart 21 wird gerade die Verkleidung für die Lichtkuppeln gefertigt.

Das weitere Wachstum der Firma und die Sicherung des Standorts Burgbernheim seien laut Bodendörfer gewährleistet. Diese Erfolgsgeschichte wird heuer mit einem Mitarbeiterfest im Sommer zum 60-jährigen Bestehen des Unternehmens gefeiert.


Katrin Merklein
Katrin Merklein
Redakteurin
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