Mit dem kalendarischen Herbstanfang werden die Tage deutlich kürzer. Das veränderte Licht und sinkende Temperaturen beeinflussen auch unseren Alltag. Fünf Behauptungen über typische Herbstbeschwerden – und was dahintersteckt.
Frühe Dunkelheit kann müde machen. Entscheidend ist dabei nicht nur, dass es früher dunkel wird, sondern auch die geringere Tageslichtmenge. Sie beeinflusst die innere Uhr, die den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert, wie Forscher im „Journal of Physiological Anthropology“ berichteten. Nachts schüttet der Körper demnach mehr Melatonin aus, ein Hormon, das an der Regulation des Schlafs beteiligt ist. Helles künstliches Licht am Abend kann die innere Uhr dagegen nach hinten verschieben und das Einschlafen erschweren.
Wie stark Licht wirkt, hängt vor allem von Zeitpunkt, Dauer und Intensität der Lichtexposition ab. Eine Studie mit schwedischen Büroangestellten zeigte im Jahresverlauf Veränderungen bei der aufgenommenen Tageslichtmenge sowie bei den Tagesverläufen von Melatonin und Cortisol. Das Stresshormon Cortisol folgt einem ausgeprägten Tagesrhythmus und spielt unter anderem rund um das Aufwachen eine Rolle.
Die Ergebnisse lassen sich zwar nicht unmittelbar auf das weiter südlich gelegene Deutschland übertragen, zeigen aber: Tageslicht gibt der inneren Uhr wichtige Orientierung. Müdigkeit kann bei weniger Tageslicht früher einsetzen – und bei hellem Abendlicht später.
Im Winter steigt das Gewicht vieler Menschen im Durchschnitt leicht, so eine Studie. In der US-Untersuchung an 195 Erwachsenen nahm das Gewicht zwischen Thanksgiving Ende November und dem Jahreswechsel im Schnitt um 0,37 Kilogramm zu. Im weiteren Winter lag es durchschnittlich sogar 0,48 Kilogramm über dem Wert vom frühen Herbst.
Dies sei deutlich weniger als die häufig genannten zwei bis drei Kilogramm, schrieb das Team im renommierten „New England Journal of Medicine“. Allerdings handelte es sich um Durchschnittswerte: Viele Menschen nahmen in der Studie zu, manche aber ab.
Auch Gewichtsdaten aus sieben Ländern, darunter Deutschland, zeigen einer Studie zufolge jahreszeitliche Schwankungen. Die niedrigsten Werte wurden im Sommer, die höchsten tendenziell in den kälteren Monaten gemessen.
Eine weitere Studie über mehr als 20 Jahre zeigte bei den Teilnehmern das höchste Gewicht im Winter und das niedrigste im Sommer. Diese Daten belegen jedoch nicht, dass die Jahreszeit selbst die Ursache ist. Wahrscheinlicher sei ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, schreibt das Team im „European Journal of Clinical Nutrition“: Im Winter bewegen sich viele Menschen weniger, essen möglicherweise energiereicher, feiern häufiger und verbringen mehr Zeit in Innenräumen. Winterspeck ist daher möglich - aber kein unvermeidbarer biologischer Vorgang.
Wenn die Tage kürzer werden, kann bei manchen Menschen ab Herbst ein Winterblues beginnen. Eine Studie mit Menschen, die an einer Winterdepression litten, zeigte: Die Beschwerden nahmen ab September zu und erreichten im Januar und Februar ihren Höhepunkt. Veränderungen bei Schlaf, Appetit und Energie traten dabei häufig früher auf als die Stimmungsschwankungen.
Wichtig: An der Studie nahmen nur Menschen mit einer Winterdepression teil. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht auf eine vorübergehende Herbstmüdigkeit oder ein Stimmungstief übertragen.
Für eine saisonale Depression gibt es zwar wissenschaftliche Hinweise. Einen allgemeinen Stimmungsabfall in der Bevölkerung während der Herbst- und Wintermonate belegt die Forschung jedoch nicht. Eine systematische Auswertung von 41 Studien konnte keinen regelmäßigen jahreszeitlichen Wechsel hin zu schlechterer Stimmung und mehr psychischen Beschwerden bestätigen.
Vitamin D ist wichtig für Knochen, Muskeln und verschiedene Körperfunktionen. Der Körper bildet es mit Hilfe von UV-B-Strahlung in der Haut. In Deutschland ist diese Bildung im Winter wegen der geringeren Sonnenintensität und der kürzeren Tage erschwert. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Mensch automatisch einen Vitamin-D-Mangel entwickelt.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Vitamin-D-Präparate vor allem jenen Menschen, die sich nur selten im Freien aufhalten oder ein erhöhtes Mangelrisiko haben. Dazu zählen unter anderem ältere und wenig mobile Menschen, Säuglinge sowie Menschen mit dunkler Haut. Für gesunde Erwachsene ist eine pauschale Einnahme demnach nicht grundsätzlich ratsam.
Ob ein Präparat nötig ist, hängt vom individuellen Risiko und gegebenenfalls vom jeweiligen Vitamin-D-Spiegel ab. Die medizinische Fachgesellschaft Endocrine Society empfiehlt in ihren Richtlinien gesunden Erwachsenen unter 75 Jahren keine regelmäßige Einnahme von Vitamin D allein zur Vorbeugung von Krankheiten.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt sogar vor hohen Einzelmengen, die in größeren Abständen eingenommen werden. Wer zu einer Risikogruppe gehört oder einen Vitamin-D-Mangel vermutet, sollte die Einnahme mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.
Beim Heizen wird die Luft in Innenräumen erwärmt. Dadurch sinkt die relative Luftfeuchtigkeit, sofern nicht Feuchtigkeit zugeführt wird. Trockene Luft kann die Schleimhäute reizen und die natürliche Reinigungsfunktion der Atemwege beeinträchtigen. Diese soll dem Körper helfen, Schleim, Partikel und Krankheitserreger abzutransportieren.
In einer Studie mit Mäusen schwächte trockene Luft zudem die Abwehr von Grippeviren. Untersuchungen mit künstlich erzeugten Husten-Aerosolen deuteten außerdem darauf hin, dass diese Viren bei niedriger Luftfeuchte länger infektiös bleiben. Trockene Heizungsluft kann die Übertragung von Atemwegsviren demnach unter bestimmten Bedingungen begünstigen. Die Ergebnisse aus Tierversuchen und künstlichen Aerosolen lassen sich jedoch nicht unmittelbar auf alle Situationen in Innenräumen übertragen.
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