Krautfest in Heglau: Ein Tag für die fränkische Delikatesse | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 14.09.2023 15:05

Krautfest in Heglau: Ein Tag für die fränkische Delikatesse

So mag der Mittelfranke sein Sauerkraut am liebsten: mit leckeren Bratwürsten. Am Sonntag feiert Heglau Krautfest. (Foto: Manfred Blendinger)
So mag der Mittelfranke sein Sauerkraut am liebsten: mit leckeren Bratwürsten. Am Sonntag feiert Heglau Krautfest. (Foto: Manfred Blendinger)
So mag der Mittelfranke sein Sauerkraut am liebsten: mit leckeren Bratwürsten. Am Sonntag feiert Heglau Krautfest. (Foto: Manfred Blendinger)

Der dritte Sonntag im September ist dem Sauerkraut gewidmet. Der Merkendorfer Ortsteil Heglau feiert am 17. September das 21. Krautfest, das in der Vergangenheit bis zu 10.000 Besucher angelockt hat.

Das ganze Dorf ist an diesem Tag auf den Beinen, um die Gäste zu begrüßen und zu bewirten. Der sonst so beschauliche Ort Heglau ist beim Krautfest im Ausnahmezustand.

Im Mittelpunkt des Heglauer Krautfestes von 10 bis 17 Uhr steht natürlich das Kraut, das aufgrund des sandigen Keuper-Bodens in der Region bestens wächst. Entsprechend ausgerichtet ist das Angebot an Essen, das sich um Kraut in allen Variationen dreht. Aber auch Kaffee und Kuchen werden serviert.

Der Krauthof Reuter, der inzwischen als Merkendorfer Kraut GmbH firmiert, lädt zum Tag der offenen Tür ein und gewährt einen Blick hinter die Kulissen der Sauerkrautherstellung. Außerdem werden Krauthobel vorgeführt.

Eine weitere Attraktion verspricht der Kunstgewerbemarkt zu werden. Auch ein Bauernmarkt wird aufgebaut sein. Auf die Kinder wartet ein eigenes Programm.

Seit Jahrhunderten geschätzt

Die goldenen Zeiten der Krautstadt Merkendorf im 18. Jahrhundert sind zwar vorbei, doch der Markenname steht bis heute für beste Qualität. Die Merkendorfer Krautbauern belieferten damals nahezu alle Märkte zwischen Ansbach und Weißenburg. Das sorgte für Wohlstand.

Das Einsäuern von Kraut, das in anderen Regionen Deutschlands Weißkohl oder Kabis genannt wird, war bereits zu Zeiten des Arztes Hippokrates im 4. Jahrhundert vor Christus bekannt. Chinesen, Tataren, Römer und Griechen kannten und schätzten den Überlieferungen nach das Sauerkraut. Umstritten ist bis heute, welches Volk das Sauerkraut zum ersten Mal auf seinen Speiseplan setzte. In Deutschland nahmen sich als erste die Mönche der Sauerkrautbereitung an. Um das Kraut, das sie in den Klostergärten anbauten, für die Wintermonate und Fastenzeit haltbar zu machen. Bei den Seeleuten galt Kraut als „Medizin“ gegen Skorbut.

Ein eigenes Krautlied und ein Theaterstück stehen symbolisch für die Bedeutung des Gewächses in Merkendorf. Das Heimatstück hat Lehrer Fritz Candidus verfasst, 1951 wurde es uraufgeführt. Zur Erinnerung an die Tradition wurde 1991 vor dem historischen Rathaus ein Krautbrunnen aufgestellt, der eine Krautbäuerin und einen Krautbauern darstellt. Die Bronzearbeit hat die Ansbacher Künstlerin Luise Kressel-Ofzky gestaltet.

Einen großen Krautbauern hat die Stadt noch

Jürgen Reuter, der den Familienbetrieb in der zweiten Generation leitet, ist der letzte verbliebene große Krautbauer in der Stadt, er pflanzt jährlich 50.000 Kohlköpfe auf einer Fläche von zwei Hektar an. Rund 20 verschiedene Sorten vom Weißkraut über das Blaukraut und den Wirsing bis zum Spitzkohl kommen zum Einsatz. Die verschiedenen Sorten sorgen auch dafür, dass von Mitte Juni bis Ende Oktober geerntet werden kann.

Reuter legt größten Wert auf traditionellen Anbau. Das ist mit sehr viel Handarbeit verbunden. Die Familie lieferte ursprünglich an eine Sauerkrautfabrik, die 1989 ihren Betrieb einstellte. Ab diesem Zeitpunkt startete die Familie Reuter mit dem eigenen Betrieb die Vermarktung der geschützten Marke „Merkendorfer Kraut“ und „Merkendorfer Sauerkraut“.

Veranstalter des Krautfestes in Heglau sind die Dorfgemeinschaft sowie die Feuerwehr Heglau. Die Eröffnung darf Krautkönigin Paula I. vornehmen. Sie hat sich für den Sonntag noch weitere Königs-Kolleginnen aus der Region eingeladen.

north