Es wurde nochmals ausgiebig, kontrovers und sachlich im Gemeinderat Simmershofen beraten, ob die neue Bürgermeisterin oder der neue Bürgermeister hauptamtlich fungieren soll. Letztlich wurde mit 6:3 Stimmen beschlossen, dass ab 1. Mai 2026 dieses Amt als Beamtin oder Beamter auf Zeit ausgeübt werden soll.
Schon vor einer Woche hatte das Gremium im Beisein von Ivonne Geißdörfer, Geschäftsleiterin bei der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Uffenheim, die die Anwesenden mit Zahlen und Fakten versorgt hatte, eifrig diskutiert. Letztlich war die Entscheidung jedoch vertagt worden, damit die Räte noch einmal alles abwägen konnten. Es gab ferner Dialoge mit den Bürgerinnen und Bürgern. Nun jedoch galt es, einen Beschluss zu fassen, wie es einige andere Kommunen bereits taten, in denen der amtierende Bürgermeister bisher ehrenamtlich fungierte.
Gegen eine Änderung sprachen sich letztlich Rainer Düll, Josef Himberger und Armin Kamleiter aus. Himberger hatte vor der Abstimmung schon deutlich gemacht, dass es ihm um die Kosten gehe, die entstehen, wenn der Bürgermeister hauptamtlich tätig ist. Dies müsse man auch nach außen „verkaufen”. Er sah nicht die Gemeinde, sondern die große Politik in der Pflicht, vorzugeben, dass alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister hauptamtlich tätig sein sollen. Diese hätten immer mehr Aufgaben zu übernehmen und auch die Bevölkerung erwarte immer mehr Dienstleistungen von der eigenen Verwaltung. .
Himberger merkte zudem an, dass man den Bauhof bereits auf zwei Mitarbeiter aufgestockt habe. Auch dies koste Geld. Stellvertretender Bürgermeister Ernst Kilian, der das Thema Hauptamtlichkeit bereits in der Oktobersitzung auf den Tisch gebracht hatte und sich damals und nun erneut dafür stark machte, wies allerdings darauf hin, dass es viel teurer käme, wenn man alle Arbeiten, die momentan die Bauhof-Kräfte erledigten, an Firmen vergeben würde. Letztlich kämen die Kosten für diese Mitarbeiter also locker wieder rein.
Für einen hauptamtlichen Bürgermeister spricht für Kilian auch die große Fläche der Gemeinde, die bei 34,20 Quadratkilometern liegt. Allen Ortsteilen gleichermaßen gerecht zu werden und die damit verbundenen Aufgaben zu erledigen, seien für einen Ehrenamtlichen auf Dauer nicht möglich. Die Besoldungsgruppe (A 13) sei schon ein Brocken, räumte er ein. Aber das sei nun einmal so festgelegt.
Somit, so Kilian, kommen auf die Gemeinde zwar jährliche Mehrkosten von rund 50.000 Euro (verglichen mit der ehrenamtlichen Tätigkeit) zu. Doch angesichts der wachsenden Anforderungen müsse sich jeder hinterfragen, ob er oder sie die Aufgabe als ehrenamtlicher Bürgermeister tatsächlich noch übernehmen würde. Was die Mehrkosten betrifft, so müsse der nächste Gemeinderat, für den Kilian nicht mehr kandidiert, überlegen, wie man einen Teil dieses Geldes wieder hereinbekomme.
Rainer Düll hätte sich gewünscht, dass man das Thema eher behandelt hätte, dann wäre es auch für ihn eine andere Entscheidung gewesen. Zudem merkte er an, dass es dann eventuell auch für andere interessant gewesen wäre, für das Amt zu kandidieren. „Deshalb habe ich Bedenken.”
So ganz unkommentiert wollte Bürgermeister Florian Hirsch das nicht stehen lassen. „Wenn jemand Interesse am Bürgermeisteramt hat, hätte er schon zur vergangenen Sitzung kommen können oder zu dieser.” Weiter erklärte Hirsch, der sich wieder um das Amt bewerben wird: „Mir geht es nicht ums Geld.” Aber als Hauptamtlicher könne man sich mehr auf die Arbeit konzentrieren. Nicht nur der Bürgermeister, auch der Gemeinderat habe viel Verantwortung und opfere viel Zeit, betonte er.
Die Hauptamtlichkeit biete die Chance, zeitlich ein halbwegs normales Leben zu führen. „Mit einer 38-Stunden-Woche fällt sicher nicht der Hammer. Es kann aber nicht sein, dass 60 bis 70 Stunden-Wochen die Regel sind „ Hier gehe es nicht um seine Person, sondern das betreffe jeden, der das Amt ab 2026 innehabe.
Die Sprache kam auch auf das Amt des zweiten Bürgermeisters. Die Aufgaben, die Ernst Kilian in dieser Position übernimmt, könnten die meisten gar nicht leisten, stellte Rainer Kellermann fest. Wenn Landwirte diese Aufgabe tätigen, müssten sie dafür was aufgeben, sagte Oliver Ott. „Was passiert eigentlich, wenn sich niemand findet, der zweiten Bürgermeister machen will?”, lautete eine Frage aus dem Gremium an Ivonne Geißdörfer. Im Falle einer nötigen Vertretung müsste man jemanden aus dem Gemeinderat bestimmen, erklärte sie.
Zu Wort meldete sich mit Rainer Wagner auch einer der Bauhofmitarbeiter, der ebenfalls für Hauptamtlichkeit plädierte. Wenn diese gegeben sei, könnte der Bürgermeister mehr Kontrollaufgaben übernehmen und ihn und seinen Kollegen entlasten. Zudem sei er leichter erreichbar.
Am Ende der Sitzung bedankte sich Florian Hirsch für die Entscheidung der Mehrheit. „Ich bin dankbar dafür, egal, wer im nächsten Jahr das Amt übernimmt.”