Im Gegensatz zur Weigenheimer Kommunalwahl 2026, bei der Rainer Mayer von allen Gemeindeteilen als einziger Kandidat für die Bürgermeisterwahl aufgestellt wurde und er der Wahl relativ entspannt entgegensehen kann, waren die Kommunalwahlen am 13. März 1966 in Reusch besonders spannend.
Reusch, heute ein Teilort Weigensheims im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, war damals – sechs Jahre vor dem Beginn der Gemeindegebietsreform – noch ein selbstständiges Dorf und brauchte als solches naturgemäß auch einen Bürgermeister. Bei der Kommunalwahl jedoch erhielten tatsächlich die beiden Kandidaten Hans Ehrmann und Andreas Busch exakt die gleiche Anzahl an Stimmen. Damit mussten sich die beiden Kontrahenten am 27. März 1966 einer Stichwahl stellen.
Gespannt warteten alle auf das Ergebnis – doch erneut gab es ein Stimmenpatt. Da weitere Wahlgänge in der entsprechenden Wahlordnung nicht vorgesehen waren und mutmaßlich wohl auch zu keinem anderen Ergebnis geführt hätten, wurde schließlich beschlossen, den künftigen Bürgermeister durch ein Losverfahren zu bestimmen.
Das besagte Los fiel dann auf Hans Ehrmann, der unter anderem auch lange Feuerwehrkommandant des Ortes war. Er wurde dazu auserkoren, das Schicksal der Gemeinde in den folgenden sechs Jahren mitzubestimmen.
Im Juli 1972 wurde Reusch dann im Zuge der umfassenden bayerischen Gebietsreform zusammen mit Geckenheim und Schloss Frankenberg in die Gemeinde Weigenheim eingegliedert. Somit war Hans Ehrmann der „Ausgeloste“ der letzte Bürgermeister der selbstständigen Gemeinde Reusch.
Die beiden Bürgermeisterkandidaten waren sich wegen des Losverfahrens übrigens keineswegs gram, wie man vermuten könnte; ihre Kinder – Gerhard Ehrmann und Christa Busch – heirateten später, so dass sie auch noch verwandt wurden.