Viele junge Leute wollen in der Gemeinde Hemmersheim künftig Verantwortung übernehmen. Das Durchschnittsalter beträgt nicht ganz 39 Jahre, das deutlich jüngste im gesamten Landkreis (Kreisdurchschnitt liegt bei knapp 45 Jahre).
Mit Karl Ballmann geht ein langgedienter Bürgermeister in den kommunalpolitischen Ruhestand. Mit ihm hören aber auch sechs Gemeinderäte auf. Nur Manuel Lehner (Wählergemeinschaft Gülchsheim) kandidiert erneut, ebenso wie Alexander Derrer (Liste Lipprichhausen), der aber nur für das Amt des Bürgermeisters. 22 der 32 Nominierten waren 2020 nicht am Start – eine ziemlich hohe Neulingsquote von nicht ganz 70 Prozent.
Es sind vier Listen am Start mit insgesamt 32 Nominierten, darunter sind 20 Männer und zwölf Frauen, das bedeutet eine Frauenquote von 37,5 Prozent; die Frauenquote aller Ratslisten im Landkreis beträgt 31 Prozent.
Zum Vergleich: Vor sechs Jahren waren es die gleichen vier Listen mit 30 Nominierten, darunter 24 Männer und sechs Frauen. Die Frauenquote lag damals bei 20 Prozent (etwas deutlich unter dem Landkreisdurchschnitt aller Listen von 27,7). Das Durchschnittsalter der Kandidierenden betrug 2020 knapp 44 Jahre.
In drei der vier Ortsteile wurde Alexander Derrer nominiert. Da er sich in seinem Wohnort Lipprichhausen zuerst nominieren lassen wollte, hatte sich der 52-Jährige in Gülchsheim bei der Nominierungsversammlung nicht zur Wahl gestellt.
Seit er in Lipprichhausen zuhause ist, engagiert er sich im Ort. Er sei angesprochen worden, ob das Bürgermeisteramt etwas für ihn wäre. Als Gemeinderat hat er nun bald sechs Jahre Erfahrung gesammelt, das Bürgermeisteramt hat für ihn etwas Reizvolles. „In Hemmersheim kann man viel machen, viel bewegen“, sagt er gegenüber der Redaktion. Er freut sich, dass viele junge Menschen kandidieren und hofft, dass in das bisherige reine Männergremium Frauen gewählt werden.
Für und um das Amt hat er sich viele Gedanken gemacht. Derrer möchte das Wir-Gefühl stärken, die Ortsteile miteinander vernetzen. Dem 52-Jährigen schweben zum Beispiel gemeinsame Veranstaltungen vor. Die ortsübergreifende Jugendfeuerwehr sieht er als tolles Beispiel an.
Ganz wichtig für ihn sind Transparenz und Kommunikation. Die Entscheidungen im Rat müssten für alle nachvollziehbar sein. Alles soll publik gemacht werden, um die Leute mitzunehmen.
Nutzen will er die Kompetenzen vor Ort, zum Beispiel bei den Themen Hochwasserschutz, Abwasser oder ökologische Maßnahmen. Dafür könnte er sich als Fan von Work-Shops solche vorstellen. Leute miz Fachwissen könnten in Arbeitsgruppen zusammenkommen. Außerhalb der Amtsstunden und Bürgerversammlungen stellt er sich abwechselnd in den Ortsteilen monatliche Sprechstunden mit den örtlichen Gemeinderäten vor.
Zum anderen steht die Gemeinde vor der Herausforderung einer zukunftssicheren Abwasserentsorgung. Dabei müsse die Finanzierung für jeden tragbar sein. Mit Blick auf die Finanzen der Gemeinde spricht er von einer strategischen Steuerung, denn „wir wollen ja handlungsfähig bleiben“.
Denn erhalten werden müsse auch die Infrastruktur. Wasserleitungen, Kanäle, Straßen – da werde viel Geld benötigt. Dazu soll eine Prioritätenliste erarbeitet werden.
Auch denkt er an den Aufbau eines kommunalen Bauhofs, wobei eine interkommunale Lösung ideal wäre. Ebenso wichtig ist für ihn die Innenentwicklung. Auch um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, zum Beispiel wegen des Schwerlastverkehrs, und um die Lebensqualität der Menschen gilt es sich zu kümmern.
Entspannung findet der Bürgermeisterkandidat mit seiner Familie. Und dann hat der Imker ja noch seine Bienen.