Kommt der Hochwasserschutz am „Nadelöhr“ der Sulzach in Feuchtwangen? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.01.2025 12:00

Kommt der Hochwasserschutz am „Nadelöhr“ der Sulzach in Feuchtwangen?

Immer wieder steigt der Pegel der Sulzach in Feuchtwangen: Als ein Grund dafür gilt, dass im Flussbett liegendes Gehölz – so wie hier am Molkereisteg – den Abfluss der Wassermassen bremst. (Foto: Peter Zumach)
Immer wieder steigt der Pegel der Sulzach in Feuchtwangen: Als ein Grund dafür gilt, dass im Flussbett liegendes Gehölz – so wie hier am Molkereisteg – den Abfluss der Wassermassen bremst. (Foto: Peter Zumach)
Immer wieder steigt der Pegel der Sulzach in Feuchtwangen: Als ein Grund dafür gilt, dass im Flussbett liegendes Gehölz – so wie hier am Molkereisteg – den Abfluss der Wassermassen bremst. (Foto: Peter Zumach)

Aufgrund von Regen auf gefrorenem Boden und Schneeschmelze ist die Sulzach in Feuchtwangen dieser Tage – zumindest stellenweise – über ihre Ufer getreten. Weil künftig aber auch wieder gravierendere Ereignisse absehbar seien, fordert Hermann Ebert als Anwohner der Ringstraße, „den Hochwasserschutz endlich anzugreifen“, um dafür gerüstet zu sein.

Feuchtwangen bezeichnet der 71-Jährige als „Nadelöhr“ und verweist auf das große Einzugsgebiet am Oberlauf. Der gesamte Niederschlag von dort sammle sich in der Sulzach, um dann durch deren schmales Bett in der Stadt zu fließen. Und dabei bremse umgestürztes Gehölz im teils zugewachsenen Bett das Wasser – vor allem zwischen Unterer Torstraße und Molkereisteg. Unweit von diesem hat flussaufwärts zudem ein Biber seinen Damm gebaut.

Um die Situation zu verbessern, sei es notwendig, dass die Gehölze aus dem Flussbett entfernt und der Schlamm vom Grund beseitigt werden, betont der Rentner. Auch sollte die „Wanne“, in der die Sulzach in Feuchtwangen verläuft, für mehr Stauraum vergrößert werden, damit der Pegel so niedrig wie möglich bleibt. Als weitere, mögliche Maßnahme wertet Ebert, eine größere Rückhaltung oberhalb der Stadt bei Leiperzell anzulegen.

Polter bei Leiperzell wäre nicht groß genug

Eine solche Lösung bezeichnet auch Bürgermeister Patrick Ruh als „interessante Sache“. Gegebenenfalls ließe sich dort ein Feldweg erhöht als Damm anlegen.

Hingegen erklärt Abteilungsleiter Dr. Michael Weber vom Wasserwirtschaftsamt, Leiperzell sei für eine Rückhaltung „kein geeigneter Standort“: Um für Hochwasser-Situationen, die statistisch nur alle 100 Jahre vorkommen und HQ100 genannt werden, gewappnet zu sein, wäre ein Polter mit einem Volumen von mehreren Hunderttausend oder sogar einer Million Kubikmetern nötig. Das aber lasse sich dort nicht erreichen. Und der Freistaat baue Schutzanlagen nur für HQ100 – nicht für weniger, aber auch nicht für mehr.

Um die Mulde des Flusses in der Stadt zu vergrößern, gelte es indes, den Erhalt des Gehölzsaums mit dem Naturschutz abzustimmen. Denn ohne Bewuchs an den Ufern würde sich in den Sommern die Temperatur des Wassers erhöhen – mit gravierenden Folgen für die Lebewesen und Pflanzen in der Sulzach.

Positive Maßnahme an der Stadtmühle

Während die Schlammauflage im Flussbett „gar nicht so hoch“ sei, befürwortet Weber, das Altholz aus dem Wasser zu entfernen. Denn dies habe sehr wohl einen Einfluss auf die Fließgeschwindigkeit. Allerdings werde „bei einem größeren Wasseraufkommen die Gehölzpflege nicht ausreichen“.

Nachdem für die Entbuschung die Stadt zuständig ist, kündigt Rathauschef Ruh an, „wir können das gerne wieder machen“, damit der Bewuchs bis zum Molkereisteg das Wasser nicht mehr drosselt. Und: „Wir sind dabei, einen zusätzlichen Gärtner einzustellen.“ Dann habe der Bauhof auch wieder mehr Kapazität.

Zugleich erinnert der Bürgermeister an positive Effekte nach den Eingriffen vor wenigen Jahren: Damals wurden bei der Stadtmühle Massen von Schlamm aus der Sulzach abgesaugt. Ebenso ließ die Stadt das Flussbett von umgeknickten Bäumen und Totholz befreien.

Aktiv bei Wasserrückhaltung

Ebenso sei die Stadt in Sachen Wasserrückhaltung an den Zuläufen im Bereich des Sulzach-Oberlaufs aktiv. Als ein Beispiel dafür nennt Ruh die Hochwasserschutzmaßnahme in Dorfgütingen, die der Bau- und Verkehrsausschuss im Sommer des Vorjahres befürwortet hat. Den Planungen des beauftragten Ingenieurbüros zufolge wird dort eine Nebenstraße zur B25, die bisher schon als Damm dient, um bis zu zwei Meter erhöht.

Ziel dieses mit 900.000 Euro veranschlagten Eingriffs ist es, das bei Starkregen vom Hang im Mühlgraben strömende Wasser aufzuhalten und maximal einen Kubikmeter pro Sekunde kontrolliert abfließen zu lassen. Schon im Ausschuss damals hatte es geheißen, dies diene dem Schutz Dorfgütingens und entlaste zugleich Feuchtwangens Kernstadt. Eine weitere Hochwasserschutzmaßnahme werde in Aichau geplant.

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