Eine Trasse für die umstrittene Umgehungsstraße im Osten von Herriedens Kernstadt soll in den Flächennutzungsplan (FNP). Dafür hat sich eine knappe Mehrheit des Ratsgremiums ausgesprochen – und damit Bürgermeisterin Dorina Jechnerer sowie ihre Unterstützer von Bürgerforum und Grünen überstimmt. Eine weitere Gegenstimme kam aus der CSU-Fraktion.
Waren für diese Straße drei Alternativen zur Auswahl gestanden, so votierten zehn Ratsmitglieder von CSU, Fortschrittlichen Bürgern und Freien Wählern für die längste der vorgeschlagenen Varianten: Diese verläuft vom Kreisverkehr bei Roth in nördlicher Richtung durch das Tal zwischen Kienberg und Baugebiet Schrotfeld, dann an Hohenberg vorbei durch den Wald bis zur Auffahrt zur Autobahn 6. Dagegen sprachen sich die Rathauschefin und acht Stadträte – unter ihnen Johanna Serban von der CSU – aus. Zweiter Bürgermeister Andreas Baumgärtner (FW) und Aurelia Pelka (BFH) fehlten in der Sitzung entschuldigt.
Keine Mehrheit fanden hingegen die beiden kürzeren Varianten, die zwischen dem Schrotfeld und Hohenberg hindurch zur Nürnberger Straße beziehungsweise bei Schernberg zur Staatsstraße 2248 führen sollten. Als Hintergrund dafür betonte vor allem Max Heller (CSU), dass eine „Entlastungsstraße“ ihrem Namen gerecht werden müsse. Deshalb dürften die mit dem Bau verbundenen Vorteile für die einen Bürger nicht anderenorts zu zusätzlichen Belastungen der Menschen dort führen. Denn das ließe sich später nur schwerlich korrigieren, während es durchaus Möglichkeiten gebe, die schmerzlichen Eingriffe in die Natur mit geeigneten Ausgleichsmaßnahmen zu kompensieren.
Derweil argumentierten die Gegner der Ostumfahrung – insbesondere Franziska Wurzinger, Norbert Brumberger und Matthias Rank von den Grünen sowie Armin Jechnerer vom BFH – damit, dass eine solche Straße Schutzgebiete zerstören und das Naherholungsgebiet mit dem Zukunftswald am Kienberg beeinträchtigen würde. Zudem zeige das städtische Verkehrskonzept, dass die erwartete Fahrzeugfrequenz für eine Umgehung nicht reiche und deren entlastende Wirkung gering bleibe.
Folglich sprachen sie sich dafür aus, die Beeinträchtigungen der Menschen an den bestehenden Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen zu reduzieren. Dies ließe sich mit kostengünstigeren Maßnahmen im Sinne des Lärmschutzes umsetzen.
Solche Investitionen bewertete FW-Sprecher Christian Enz zwar als sinnvoll, sie schlössen „andere Lösungen“ aber nicht aus. Angesichts der absehbar langen Dauer bis zum Bau einer solchen Umgehungsstraße gelte es, jetzt die Vorbereitungen zu treffen, um später gerüstet zu sein.
Eingangs hatte Landschaftsplaner Sebastian Klebe die zur Diskussion stehenden Trassen vorgestellt. Demnach hat die jetzt gewählte Variante eine Länge von 3,7 Kilometern. Mit der Folge einer erheblichen Neuversiegelung müssten 2,6 Kilometer neu gebaut werden. Auch würde die weithin sichtbare Straße geschützte Gebiete durchschneiden – mit Auswirkungen auf seltene Arten. Indes reiche der Abstand zur Bebauung, um die Orientierungswerte einzuhalten.
Insgesamt hatte das Gremium über die Aufnahme von zehn Trassen für Entlastungsstraßen im Stadtgebiet in den FNP-Entwurf zu befinden. Wolfgang Strauß (CSU) und Manfred Niederauer (FOB) empfahlen, sie alle in den Plan einzutragen, um weitere Expertisen von den Fachbehörden zu erhalten. Jedoch konnten sie sich mit diesem Vorschlag nicht durchsetzen.
Schließlich lehnte der Rat weitere Straßen in den Altmühlauen ab. Hingegen sprach sich das Gremium für die Aufnahme einer Umfahrung von Höfstetten sowie einer Parallele zur Pfarrer-Speinle-Straße aus.
Nach der Sitzung erklärte Bürgermeisterin Jechnerer auf Anfrage der FLZ, der Beschluss für die Ostumfahrung sei für sie keine Niederlage, „sondern ein alarmierendes Signal“: Denn obwohl die Fakten vorlägen, eine mangelnde Verkehrswirksamkeit belegt und „der immense Eingriff in die Kulturlandschaft offensichtlich“ seien, halte eine knappe Mehrheit an dieser Trasse fest.
Deshalb sei es gut, dass nun die Öffentlichkeit und die Träger öffentlicher Belange nach dem Auslegungsbeschluss, den der Rat voraussichtlich Ende Juli fasse, gehört werden. Ob dann eine Aufnahme der Ostumfahrung tatsächlich in den FNP erfolge, müsse der Stadtrat im Rahmen der Abwägung diskutieren. Dabei werde es „von besonderer Relevanz sein, welche Bedeutung und welche Realisierungschancen das Staatliche Bauamt diesem Projekt einräumt“.