Klopp „super-happy“: Viele Erkenntnisse beim Ruckel-Start | FLZ.de

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Veröffentlicht am 05.10.2026 04:25, aktualisiert am 05.10.2026 11:48

Klopp „super-happy“: Viele Erkenntnisse beim Ruckel-Start

Jürgen Klopp als Umarmer und Menschenfänger, wie nach dem Spiel mit Kapitän Florian Wirtz. (Foto: Christian Charisius/dpa)
Jürgen Klopp als Umarmer und Menschenfänger, wie nach dem Spiel mit Kapitän Florian Wirtz. (Foto: Christian Charisius/dpa)
Jürgen Klopp als Umarmer und Menschenfänger, wie nach dem Spiel mit Kapitän Florian Wirtz. (Foto: Christian Charisius/dpa)

Jürgen Klopp saß nach Mitternacht im zweiten Stock des Stadions von PAOK Saloniki und redete 20 Minuten lang wie ein Trainer, der mit seiner Mannschaft gerade Großes vollbracht hat. „Den ersten Schritt haben wir gemacht. Und als Fazit kann ich sagen: Damit bin ich super-happy.“ Punkt!

Hatte die Fußball-Nationalmannschaft zuvor da draußen auf dem Rasen nicht nur 0:0 gespielt? Und bei der missglückten Revanche gegen die Griechen wie beim 0:1 im Hinspiel erneut kein Tor erzielt? War der Ruckel-Start mit nur einem Sieg in vier Spielen unter dem neuen Bundestrainer inklusive des gefährdeten Einzugs ins Viertelfinale der Nations League tatsächlich dazu angetan, derart beseelt aufzutreten?

 

Aus Klopps Sicht, ja. Der DFB-Chefcoach beanspruchte auch am Ende seines ersten DFB-Lehrgangs mit seinem in zwei Kader aufgeteilten XXL-Aufgebot wortreich die Deutungshoheit ganz für sich. 

Positive Nacht-Ansprachen im Teamhotel

Im Teamhotel gab es in der Nacht ebenfalls noch zwei positiv geprägte Ansprachen des Bundestrainers und von Sportdirektor Rudi Völler, wie von Augenzeugen zu erfahren war. Und Klopps gute Laune passte auch noch zur strahlenden Spätsommersonne, als er sich nach wenig Schlaf am Tag danach mit der größten Reisegruppe auf den Heimflug nach Frankfurt begab.

„Ich hätte nicht gedacht, dass nach einer Woche mit dieser Gruppe so ein Fußball möglich ist“, schwärmte er vom Auftreten gerade seines besonders jungen und besonders frischen zweiten Kaders erst beim 2:0 gegen Serbien in München und dann auch besonders in der ersten Hälfte in Thessaloniki.

„Ein unglaubliches Fußballspiel“ hatte er da gesehen von seiner Elf um Kapitän Florian Wirtz und den sehr auffälligen Freiburger Linksaußen Derry Scherhant:  „In allen Bereichen top, richtig top.“ Bis auf den Bereich Torausbeute freilich. Ein Makel, der nicht nur Spielmacher Wirtz ziemlich nervte. „Wir haben am Ende einfach das scheiß Tor nicht gemacht.“ Denn das wunderbar herausgespielte des Frankfurter Angreifers Jonathan Burkardt kassierte der VAR ein. 

Sei's drum. Klopp hat bekommen, was er haben wollte. Einen echten Neubeginn. Er hat der Nationalmannschaft nach dem WM-Flop im Sommer neues Leben, neuen Spaß, neue Perspektiven eingehaucht. Es wird wieder viel gelacht und hart gearbeitet. Gerade die leuchtenden Augen in den Gesichtern der vielen Neulinge, die ihr Glück kaum fassen konnten, dokumentierten dies. 

„Wir haben vor ein paar Wochen gesagt, der deutsche Fußball ist im Keller. Wir haben kein Talent. Uns fehlt es hier, uns fehlt es da“, schilderte Klopp. Nichts da. Das Arbeitstier Klopp blickt freudig nach vorne, auch wenn es jetzt gleich wieder fünf Wochen warten muss bis zum zweiten Lehrgang im November.

DFB-Festplatte nicht mehr leer

„Ich habe in zwei Wochen mit 44 deutschen Fußballspielern zusammengearbeitet, denen fehlt ganz sicher kein Talent. Alle wollen hart arbeiten. Und wenn die Spieler beim nächsten Mal ankommen, wird die DFB-Nationalmannschafts-Fußball-Festplatte nicht leer sein. Wir müssen nicht bei null anfangen“, sagte er „sehr zufrieden“ in seinem Zwei-Wochen-Resümee.

Er will mit jedem Spieler ein Feedback-Gespräch führen. Im November aber wird vieles anders sein, gerade personell - und nicht weniger spannend. „Natürlich werden wir da nicht mit 44 Spielern rangehen. Es wird ein kleinerer Kader sein, das ist schon mal klar“, kündigte Klopp angesichts von dann nur zwei Partien an. Er sprach von „23, 24 Spielern“ für die abschließenden Spiele in der Gruppenphase der Nations League am 13. November in Belgrad gegen Serbien und drei Tage später in Berlin gegen die Niederlande.

Klopp hat nun „einen Pool“ von Spielern

Er könne nun aus „einem Pool“ von Akteuren wählen, die möglicherweise noch durch Spieler aus der U21 ergänzt werden könnten. Und Kandidaten, die sich in den kommenden Wochen durch „tolle Leistungen“ in ihren Vereinen empfehlen. „Wir haben jetzt ganz viele Alternativen auf Positionen“, sagte Happy-Klopp. Im Freiburger Philipp Treu entdeckte und präsentierte er auf Anhieb die Lösung auf der jahrelangen Problemposition rechter Verteidiger. Nur ein gutes Beispiel.

Trotzdem kommt jetzt erst die Streichliste - und dann müssen weitere Entscheidungen folgen. Klopp hat die Teamstruktur aufgebrochen, Sichtweisen im Team geweitet. Das ist wertvoll. Ihm geht es ums große Ganze, „um die Art und Weise, wie wir spielen“. Und nicht darum, „einzelne Spieler zu bewerten“. Genau da tut sich für den eloquenten und sehr bestimmend auftretenden Chefcoach schon jetzt ein Konfliktpunkt mit den Medien auf.

Spannende Personalfragen im November

Denn natürlich gibt es knifflige Fragen. Bedrängt der zweimal zu null spielende Torwart-Youngster Jonas Urbig auf dem langen Weg zur EM 2028 schon in der Gegenwart Marc-André ter Stegen als Nummer eins? Wie geht es weiter mit Kapitän Joshua Kimmich? Im Klopp-System gibt es formal nur einen echten Sechser. Und Kimmichs junger Vereinskollege Aleksandar Pavlovic präsentierte sich in Woche zwei als Chef im Mittelfeld. 

Wie passen Dinge zusammen im Klopp'schen 4-3-3-System, etwa dann, wenn zu Wirtz ein wieder fitter Jamal Musiala dazustößt. „Wusiala“-Time bei Klopp? Fragen für die Zukunft. In einem Monat geht es auch nicht mehr um weitere Erkenntnisse, sondern um gute Ergebnisse. Mit fünf Punkten liegt die DFB-Auswahl in Gruppe 2 hinter Holland und Griechenland (je 8) auf Platz drei. Zwei Siege müssen für Klopp das Ziel sein, um am Jahresende weiter „super-happy“ zu sein.

© dpa-infocom, dpa:261005-930-789739/2


Von dpa
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