Immer mehr Mediziner beklagen einen Mangel an Medikamenten. Die Kliniken des Kreises Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und der Klinikverbund ANregiomed tauschen sich eng mit den angebundenen Apotheken aus, damit die Patienten nichts von Engpässen zu spüren bekommen.
„Leider sind auch wir von dem Engpass nicht verschont, allerdings besteht bei uns noch keine Gefahr eines akuten Versorgungsproblems“, erklärt Benjamin Maier, Sprecher der Kliniken des Landkreises Neustadt/Aisch-Bad Windsheim.
Antibiotika als Tabletten und Saft, Hustensäfte und Plasmaproteine seien die Medikamente, an denen es derzeit mangelt. Glücklicherweise sind nicht alle Antibiotikagruppen von dem Lieferengpass betroffen, „aktuell haben wir Ausweichmöglichkeiten“, so Maier.
Gleiches gilt für Hustensäfte. Bei den Plasmaproteinen seien die Hersteller stark auf Blutplasmaspenden angewiesen. Durch Blutspenden könne jeder Einzelne einen Beitrag zur Verbesserung der Versorgungssituation leisten, regt Benjamin Maier an.
Damit die Patientinnen und Patienten die Engpässe nicht zu spüren bekommen, tauscht sich die Ärzteschaft des Landkreises Neustadt/Aisch-Bad Windsheim intensiv mit der Apotheke der Kliniken aus. Wöchentlich wird eine Übersicht über die aktuellen Lieferengpässe erstellt. So könne direkt reagiert und nach Alternativen gesucht werden.
Beim Klinikverbund ANregiomed federt man die Engpässe ab, indem Hersteller und Packungsgrößen gewechselt oder die Bestellmengen gekürzt werden. Grund zur Sorge seitens der Patientinnen und Patienten gibt es jedoch nicht. „Die Versorgung mit Medikamenten in unseren Klinken ist zum momentanen Zeitpunkt sichergestellt“, betont Rainer Seeger, Pressesprecher bei ANregiomed.
Der Klinikverbund bezieht sämtliche Medikamente, die die Kliniken benötigen, über die Reichsstadt-Apotheke in Rothenburg. Durch stetige Rücksprache mit diesem externen Partner gelingt es laut Seeger „gegenwärtig, der Situation Herr zu bleiben und echte Versorgungslücken zu vermeiden“. Diese Absprachen und der Wechsel zu anderen Präparaten sind es, die die Menschen, die im medizinischen Bereich tätig sind, aufstöhnen lassen.
„Allein bei den Ärztinnen und Ärzten hat sich der Beratungsaufwand vervielfacht“, erklärt Benedikt Stegmann, der Inhaber der Rothenburger Reichsstadt-Apotheke. Auch wenn der Wechsel zu anderen Medikamenten möglich sei, müssten die Patienten neu aufgeklärt werden. „Das dauert 90 Sekunden bis zehn Minuten. Das wirkt sich auf den Arbeitstag durchaus aus“, sagte Stegmann.
Auch in seiner Apotheke sei der Bedarf nach Beratung gestiegen. Zusätzlich evaluieren seine Mitarbeitenden stündlich den Markt, um Lieferengpässe rechtzeitig zu erkennen und knappe Medikamente zu bestellen.
Wirft man einen Blick auf die Versorgung mit Medikamenten, müsse man grundsätzlich zwischen Kliniken und Apotheken differenzieren. Die rund 18.000 Apotheken, die es aktuell in Deutschland gibt, bestellen ihre Medikamente nach Bedarf. „Wir haben einen Vorrat an gängigen Medikamenten, der etwa drei Wochen ausreicht“, erklärt der Apotheken-Chef.
Mehr einzulagern ergebe keinen Sinn, da jede Apotheke sich in der Regel innerhalb von fünf Stunden Medikamente liefern lassen kann. „Wenn es Lieferengpässe gibt, wie Anfang des Jahres beim Fiebersaft für Kinder, bekommen wir das unmittelbar beziehungsweise spätestens nach drei Wochen zu spüren.“
Warum die Lieferengpässe überhaupt zustande kommen? Ein Grund dafür ist der Rohstoffmangel. „Das müssen noch nicht einmal Hilfsstoffe sein, die für die Herstellung von Tabletten notwendig sind. Das kann schlicht und einfach auch Papier sein. Denn ohne Beipackzettel werden die Medikamente nicht ausgeliefert“, erklärt Apotheker Stegmann.
Eine weitere Ursache liege in der Verlagerung der Produktion ins Ausland, um Kosten zu sparen. „In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Hersteller in Deutschland massiv zurückgegangen. Unser Markt ist für die Pharmaindustrie uninteressant geworden. Die Kassen zahlen zu wenig für die Medikamente“, sagt Benedikt Stegmann.
Trotz allem kommen die Versorgungsengpässe nicht bei den rund 1900 niedergelassenen Kliniken hierzulande an. Denn diese kalkulieren schon lange im Voraus genau, welche Bedarfe sie haben. Auf Basis der Kalkulationen werden die benötigten Mengen bei pharmazeutischen Großhändlern bestellt. Die liefern die Medikamente dann zuverlässig.
„Durch Rahmenverträge, die über einen Einkaufsverbund geschlossen wurden, sind einzelne Pharmaunternehmen zur Lieferung verpflichtet“, erklärt ANregiomend-Sprecher Rainer Seeger. Anders herum haben so auch die Medikamentenhersteller die Gewissheit, dass ihre Produkte abgenommen werden.