Klimaresilienz in kleinen Schritten: So kommt der Neustädter Landkreis voran | FLZ.de

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Veröffentlicht am 25.12.2024 14:09

Klimaresilienz in kleinen Schritten: So kommt der Neustädter Landkreis voran

Vor Weihnachten wurde das vierte Stauwehr in einem sogenannten „grünen Graben” bei Gerhardshofen eingebaut. (Foto: Mona Heyn (WWA Ansbach))
Vor Weihnachten wurde das vierte Stauwehr in einem sogenannten „grünen Graben” bei Gerhardshofen eingebaut. (Foto: Mona Heyn (WWA Ansbach))
Vor Weihnachten wurde das vierte Stauwehr in einem sogenannten „grünen Graben” bei Gerhardshofen eingebaut. (Foto: Mona Heyn (WWA Ansbach))

Oft wird kritisiert, dass die Politik nur reagiert, anstatt eine neue Herausforderung schon anzugehen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Das Pilotprojekt „klimaresilienter Landkreis“, das im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim läuft, macht da Mut.

Die Initiative ging gemeinsam vom Landkreis und den Kommunen, dem Amt für ländliche Entwicklung (ALE) und dem Wasserwirtschaftsamt (WWA) aus, erläutert Heiko Moßhammer, der zuständige Abteilungsleiter beim WWA. Das Wasser spielt ja auch eine entscheidende Rolle beim Klimawandel – sei es in Form von Starkregen, die zu großen Schäden führen, sei es in Formen von Dürren, von denen der Landkreis in besonderem Maß betroffen ist. Seit 2003 nehmen die Grundwasserstände ab. Das regenreiche 2024 alleine reicht nicht, um das auszugleichen.

Pilotprojekt setzt auch kleine und schnelle Maßnahmen

Den einen Königsweg gibt es nicht, mit dem man alle künftig zu erwartenden Probleme löst. Das Pilotprojekt setzt deshalb auf viele kleine, dafür schnell und einfach umzusetzende Maßnahmen aus einem ganzen Instrumentenkasten. Auch wenn es sich im Einzelfall um kleinere Aktionen handelt, die sicher noch fortgesetzt werden müssen – bei der Zusammenschau ist die Landkreiskarte schon übersät von farbigen Symbolen für umgesetzte oder geplante Projekte.

Der Instrumentenkasten wurde im April in einer Broschüre vorgestellt, mitsamt Praxisbeispielen aus dem Landkreis und den jeweils gültigen Förderprogrammen.

Was ist seither geschehen? Das WWA pflanzte etwa 5000 Gehölze neu, vor allem an der Gollach, aber auch an Scheine, Bibart, Steinach oder Aisch. An der Rannach pflanzte der Landschaftspflegeverband. Der Freistaat fördert bei Gewässern 3. Ordnung außerdem die ökologische Entwicklung. Für eine unbürokratische Abwicklung haben die Gemeinde Gallmersgarten und das Wasserwirtschaftsamt das Förderverfahren auf den Prüfstand gestellt. Die Umsetzung startet im Frühjahr.

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Das Wasser soll nicht einfach wegfließen

Mehrere Ansätze dienen dazu, Wasser zurückzuhalten und möglicherweise als Brauchwasser zu verwenden. Sehr gefragt war in diesem Zusammenhang ein Förderprogramm des Landkreises, in dem nicht mehr benötigte Güllegruben als Wasserrückhalt und als Reservoir von Brauchwasser zum Beispiel fürs Gießen oder für die Feuerwehr dienen. Fast 30 dieser Gruben quer durch den Landkreis wurden umgenutzt, bei knapp 20 ist es geplant. Die gleiche Funktion können nicht mehr benötigte Teichkläranlagen erfüllen: Nach einem Workshop wurde so innerhalb von Wochen die Planung für Neuherberg (Ergersheim) geändert: Statt ihn aufzulassen, dient der Teich nun als Brauchwasserreservoir. Ähnliches soll in Kleinharbach (Uffenheim) geschehen.

Das gleiche Prinzip dient für Gräben entlang von Straßen und Wegen. Erste Beispiele in Ziegenbach (Oberscheinfeld), Freihaslach (Burghaslach) und Kleinharbach (Uffenheim) setzten die Straßenbaulastträger bereits um. Froh ist man beim Wasserwirtschaftsamt, dass mit der Firma Egger in Markt Bibart auch die Industrie mitzieht: Bei der Erweiterung des Unternehmens wird mehr Regen zurückgehalten als bisher. Mittels Aufbereitungsanlage kann das Wasser wieder verwendet werden. Um die Situation im Grundwasser zu entspannen, wird in Ipsheim untersucht, ob das Niederschlagswasser im Weinberg für eine Bewässerung ausreichend wäre.

Auch an Gesundheit der Menschen gedacht

Auch beim Einstauen von grünen Gräben mit Stauwehren, betrat man Neuland. Am vergangenen Freitag ging das vierte Stauwerk und erste im Sandsteinkeuper bei Gerhardshofen in Betrieb. Nachgewiesen wurde bereits, dass in den eingestauten Bereichen in allen Bodentiefen mehr Feuchtigkeit zu finden ist. Die TU München untersucht nun, ob auch die benachbarten Äcker davon profitieren. Bisher wird erst ein kleiner Teil des Wassers zurückgehalten.

Trinkwasserbrunnen in Neustadt und Bad Windsheim sollen ab dem kommenden Jahr für Erfrischung an heißen Tagen sorgen.

Zum Strauß an Maßnahmen gehört das Sturzflut-Risikomanagement, das Grundstücksbesitzenden genau zeigt, wie gefährdet die eigene Immobilie ist und wie man sie schützen kann. Es wird in Markt Erlbach, Diespeck, Dietersheim, Ipsheim und Trautskirchen erstellt, Sugenheim plant ähnliches.

Die einzige „Schwammregion” in Mittelfranken

Das ALE hat mit „boden:ständig“ eine Initiative gestartet, bei der Landwirte ihre Fläche so bewirtschaften, dass sie Wasser besser speichern können und der Boden dort bleibt, wo er hingehört. Oberscheinfeld, Diespeck, Obernzenn, Ergersheim und Neuhof beteiligen sich.

Der gesamte Südosten des Landkreises – genauer die Kommunalen Allianzen Aurach-Zenn und Neu-Stadt und Land – ist außerdem nun Schwammregion – die einzige in Mittelfranken. Regenwasser soll besser aufgenommen werden.

Im Landratsamt ist Barbara Fischer künftig für die Klimaanpassung im Landkreis und den „klimaresilienten Landkreis“ zuständig. Momentan absolviert sie ein Praktikum beim Wasserwirtschaftsamt.

Die Broschüre „Klimaresilienter Landkreis Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim: Gemeinsam zum Ziel“ ist auf der Homepage des Wasserwirtschaftsamtes Ansbach abrufbar.


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
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