Deutlich tiefer in ihre Taschen greifen müssen Eltern, deren Nachwuchs die Feuchtwanger Kindergärten besucht: Der Stadtrat hat jetzt entschieden, ab September die Beiträge für die kommunalen Tagesstätten in Breitenau und Mosbach anzuheben. Zugleich ist geplant, dass die Träger der anderen Einrichtungen ihre Elternbeiträge entsprechend anpassen.
Angesichts erheblicher Defizite hatten die Träger ursprünglich die Notwendigkeit noch höherer Elternbeiträge errechnet gehabt. Doch wie es in der Sondersitzung jetzt hieß, haben sich die beiden großen Kirchengemeinden und die Lebenshilfe mit den Vertretern der Fraktionen inzwischen auf eine Kompromisslösung verständigt. Demnach haben die Träger ihr Einverständnis signalisiert, die an sich nötige Anpassung der Beiträge zu reduzieren. Im Gegenzug zahlt ihnen die Stadt für 2025 einen höheren freiwilligen Defizitausgleich.
Bisher sind für eine drei- bis vierstündige Betreuung von Kindern im Alter ab drei Jahren in Regelgruppen noch 95 Euro im Monat fällig. Indes müssen die Eltern nach aktueller Beschlusslage ab Herbst 110 Euro dafür entrichten. Für längere Betreuungszeiten werden in Zwei-Stunden-Schritten jeweils 20 Euro mehr verlangt. Für unter Dreijährige, die drei bis vier Stunden lang Krippengruppen besuchen, fallen statt bisher 155 Euro ab September 170 Euro an. Die Staffelung der Beiträge für längere Betreuungszeiten liegt bei 25 Euro für jeweils zwei Stunden mehr.
Laut der ursprünglichen Kalkulation der Träger wären in Regelgruppen eigentlich 145 Euro für drei bis vier Stunden mit einer Staffelung in 25-Euro-Schritten nötig gewesen. Die Beiträge für drei bis vier Stunden in Krippengruppen hatten die Träger zuerst mit 205 Euro – bei einer Staffelung von 25 Euro – angesetzt.
Der Beschluss zur Anhebung der Elternbeiträge war zwar schon auf der Tagesordnung der Ratssitzung zwei Wochen zuvor gestanden. Nachdem aber die Elternbeiräte noch kurz zuvor Stellungnahmen eingereicht hatten, sollten auch diese in die Beratung einfließen. Folglich wurde das Thema vertagt und ein weiteres Gespräch in der vergangenen Woche anberaumt. Um angesichts der Anmeldefristen jedoch zügig Klarheit zu schaffen, hatte Bürgermeister Patrick Ruh für die Entscheidung zu der Sondersitzung jetzt eingeladen.
In dieser begründete Hauptamtsleiter Walter Wiegner die hohen Defizite mit den gestiegenen Betriebskosten. Diese seien allen Trägern insbesondere wegen erheblich höherer Personalausgaben entstanden: Während die Mitarbeitenden mehr Geld erhielten, sei der staatliche Anteil der Betriebskostenförderung nicht im Umfang der Kostensteigerungen angehoben worden. Diese Finanzierungslücke müsse „zumindest teilweise über höhere Beiträge abgedeckt werden“. Zugleich versicherte Wiegner, das Geld der Eltern werde ausschließlich zur Deckung der Defizite und nicht zur Finanzierung von Baukosten verwendet.
Zur Veranschaulichung nannte der Hauptamtsleiter die Vorjahreszahlen für den Kindergarten in Mosbach: Dort summierten sich alle Ausgaben 2024 auf nicht ganz 585.000 Euro. Die staatlichen Zuweisungen betrugen knapp 224.000 Euro, der kommunale Anteil lag bei 187.600 Euro. Derweil beliefen sich die Elternbeiträge auf 37.430 Euro, was laut Wiegner einem Anteil von 6,4 Prozent an den Ausgaben entspricht.
Bürgermeister Patrick Ruh würdigte die Stellungnahmen der Elternbeiräte als „sehr sachlich“. Sie hätten bei der Anhebung der Beiträge „zu einer nennenswerten Anpassung geführt, auch wenn es teurer wird“. Und: „Der höhere Defizitausgleich erlaubt es den Trägern, zu einer neuen Entscheidung zu kommen.“
Indes kritisierte Hans Schmeißer (CSU) die „erhebliche Steigerung“ und fragte nach Alternativen. Die Erhöhung der Beiträge sei „ärgerlich“, „unerfreulich“ und „nicht schön“, aber unumgänglich, meinten Thomas Heidecker (UBF), Jürgen Kiderlen (CSU) sowie Michael Nowakowitsch (WwW). Und Dr. Marko Hedler („Wir“/Grüne) empfahl künftige Anpassungen in kürzeren Intervallen. Danach fasste das Gremium seinen Beschluss gegen eine Stimme.
Trägerin der Kindergärten in Mosbach und Breitenau ist die Stadt Feuchtwangen. Die Trägerschaft für die Einrichtungen im Wannenbad, an Sandweg und Wohlgemuthstraße sowie für den späteren Neubau im Röschenhof liegt bei der evangelischen Kirche, während die katholische Gemeinde für das „Schwalbennest“ zuständig ist. Das KIM am Bleichwasen betreibt die Lebenshilfe.