Kinder und Jugendliche sind feste Bestandteile in den Stücken des Bad Windsheimer Freilandtheaters. Mittlerweile übernehmen sie sogar zentrale Rollen. Das war aber nicht immer so.
Während es in den Anfangsjahren des Freilandtheaters spezielle Kinderszenen gab, hat sich das mittlerweile „ziemlich aufgelöst. Die Kinder sind jetzt ein ganz wesentlicher Teil der Handlung“, erklärt Christian Laubert, künstlerischer Leiter des Theaters.
Ohne sie würde das aktuelle Stück „Der Sommergast“ nicht vorangehen: Im ersten Teil sind die Jugendlichen ständig zu sehen, haben eigene Szenen, „in denen sie ihre Story voranbringen“. Die Jüngeren gehen dann zur Pause, „abgespielt“ nennt man das. „Die Geschichte muss dann auch so laufen, dass es logisch ist, dass sie im zweiten Teil nicht mehr auftauchen“, erklärt Christian Laubert.
Wie alt ein Kind oder Jugendlicher sein sollte, um beim Freilandtheater mitzuwirken, ist individuell, erklärt der künstlerische Leiter. In der Regel sei acht Jahre ein ganz gutes Alter, um frühestens zu starten.
Gefragt, wie sie denn zum Freilandtheater gekommen sind, fallen die Antworten bei den Nachwuchs-Darstellern sehr unterschiedlich aus. Teils sind Geschwister oder andere Verwandte von ihnen ebenfalls im Ensemble. Teils vermittelten die Eltern und erzählten ihren Sprösslingen vom Freilandtheater. Andere wohnen in Bad Windsheim, hörten davon und probierten es einfach mal aus. Für die meisten von ihnen ist das diesjährige Stück „Der Sommergast“ aber nicht das erste.
„Ganz klar, die Kostüme sind super“, sagt Tim Ackermann auf die Frage, was den Reiz des Freilandtheaters ausmacht. „Sehr farbenfroh, das ist schon cool.“ Auch Freundschaften seien hier entstanden, erklärt Julia Sowa. Leo Hoops mag, dass man beim Theater „richtige, echte Gefühle“ ausdrücken kann. Alles werde mehrfach geprobt, „es ist nicht schlimm, wenn man mal einen Fehler macht“, erzählt zudem Luk Mattlener. „Schon allein durch die Kulisse des Freilandmuseums ist man wie in einer anderen Zeit“, findet außerdem Pauline Schwiersch. „Es ist wie in einem richtigen Dorf.“
Einige der Kinder ziehen das Sommerstück dem Winterwandeltheater vor. „Da ist man mehr gemeinsam und trifft sich immer hinter den Kulissen“, sagt Hannes Ackermann. Andersherum habe man im Winter feste Szenen mit anderen Spielenden und lerne sich so besser kennen.
Beim Theaterspielen haben die Kinder auch allerhand gelernt. „Nach einiger Zeit fällt einem das Schauspielen leichter“, sagt Pauline Schwiersch. „Man lernt, aus sich herauszukommen und sich mehr zu trauen. Am Anfang war das schwieriger.“ In der Schule falle ihr das Auswendiglernen schwer, sagt Julia Sowa. „Beim Theater ist es einfach.“
Außerdem lerne man jede Menge Menschen kennen. „Man übt, vor Leuten zu sprechen. Das hilft einem auch im Alltag ziemlich viel“, so Tim Ackermann. „Das erste Mal hatte ich Angst. Danach wurde daraus Spaß“, erzählt Godelinde von Hackewitz. Und eine ganze pragmatische Feststellung: „Manche Kleidung von früher ist bequemer als von heute“, sagt Svea Mattlener.
Auch von den Profis konnten sie eine Menge mitnehmen – beispielsweise, wie man eine Backpfeife so spielt, dass es möglichst echt wirkt, sagt Godelinde von Hackewitz, deren Tante, Luise Hagedise Bernburg, ebenfalls beim Theater mitwirkt. Ein bisschen neidisch sei sie da manchmal schon, wenn sie beobachte, wie ihre Tante manche Rolle spielt.
Schauspiel später mal zu ihrem Beruf werden zu lassen, das kann sich der Nachwuchs – zumindest derzeit – überwiegend nicht vorstellen. „Ich wollte früher mal Schauspielerin werden“, sagt Pauline Schwiersch. „Aber das ist schon ein harter Job. Es ist nicht so leicht, dass man da gut durchkommt.“
Für sie bleibe es ein Hobby, das sie gerne noch lange weiterführt. Ähnlich sieht es Tim Ackermann, wenngleich es für ihn freilich „der Wahnsinn“ wäre, das Schauspiel als Beruf auszuüben.