Bisher sorgte Wasser in der Form von Hochwasser oder Starkregen noch nicht für größere Schäden in Ippesheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim). Dennoch sind auch die Keller an Iff- und Ensbach schon häufiger überflutet gewesen. Die Gemeinde frage sich deshalb, ob und was sie tun könne, um die Betroffenen zu schützen. Die Antwort kam von den Experten des Ansbacher Wasserwirtschaftsamts.
Der für den Landkreis zuständige Abteilungsleiter Heiko Moßhammer und sein Mann für Wasserbau und Gewässerentwicklung, Thomas Vorholzer, erläuterten in der Gemeinderatssitzung, was man tun kann und was es für Förderungen gibt.
Die schlechte Nachricht vorweg: In Ippesheim sind kaum Förderungen für konkrete Maßnahmen zu erwarten. Das Positive: Die Fachleute gaben sehr offen ihre Einschätzungen preis – ohne sich auf dem sicheren Boden sündhaft teurer Gutachten zu bewegen.
Die Hochwasserbereiche an Flüssen und Bächen lassen sich an Gewässern erster und zweiter Ordnung gut an den Hochwassergefahrenkarten ablesen. In Ippesheim handelt es sich aber um Gewässer dritter Ordnung, für welche die Gemeinde zuständig ist. Moßhammer: „Wir haben versucht, die Gefahr abzuschätzen: Der Brühlweg und die Molkereistraße wären im Extremfall wohl betroffen.“
Zu den Sturzfluten als zweite Gefahr durch das Wasser gibt es im Umweltatlas ebenfalls Karten für ganz Bayern: Auch hier stehen der Brühlweg und die Molkereistraße im Fokus. Wichtig sei, den Abfluss sicherzustellen, also das Bachbett zu räumen und Sediment zu entfernen. Genau das hat der Markt am Iffbach vor. Die zweite Maßnahme sei, außerhalb der Bebauung so viel Wasser wie möglich zurückzuhalten. Das erfüllt gleich noch einen zweiten Zweck: Schließlich soll das Wasser im trockenen Landkreis nicht einfach davon fließen, sondern möglichst zur Grundwasserneubildung beitragen.
Außen, wo er Platz habe, kann auch der Biber aus Sicht des Wasserwirtschaftsamtes gerne Wasser anstauen, in sicherheitsrelevanten Bereichen dagegen muss er weichen.
Der Markt kann ein integrales Hochwasserschutzkonzept für etwa 15.000 Euro für Ippesheim erstellen lassen und würde dafür auch eine hohe Förderung, insgesamt drei Viertel der Kosten, erhalten. Allerdings werden die Maßnahmen, die dort empfohlen werden, nur dann gefördert, wenn sie wirtschaftlich sind.
„Das klingt in dem Zusammenhang vielleicht befremdlich“, so Vorholzer – aber es wird abgeschätzt, ob der mögliche Schaden höher ist als die Kosten. Dabei wird pauschal der Schaden an einem Einfamilienhaus mit 90.000 Euro angesetzt, bei Mehrfamilienhäusern und öffentlichen Bauten ein bisschen höher. „Unsere erste Abschätzung: Für Ippesheim gäbe es keine wirtschaftliche Lösung für einen technischen Hochwasserschutz“, so Vorholzer.
Was könnte die Gemeinde aber tun, um auch ohne Förderung die Situation zu verbessern? Dabei kamen Moßhammer und Vorholzer auf das Gollhöfer Brücklein zu sprechen, einen betonierten Flurweg über den Iffbach, vor dem sich bei vergangenen Hochwassern schon das Wasser gestaut hat, wie der Bürgermeister mit einer alten Aufnahme schon zur Einstimmung in das Thema deutlich gemacht hatte.
Dahinter könnte man Rückstaufläche schaffen – entweder in einer kleineren Variante, bei der auf einer Fläche von gut 14.000 Quadratmetern knapp 500 Kubikmeter zurückgehalten würden oder, wenn man den Weg noch um einen Meter erhöht, auf einer Fläche von gut 30.000 Quadratmetern ein Volumen von fast 28.000 Kubikmetern.
Beides reicht nicht, um ein 100-jährliches Hochwasser, ein HQ100, zu verhindern, deshalb gibt es keine Förderung. Denn Bayern unterstützt nur Maßnahmen gegen ein HQ100 finanziell. Aber sowohl die Experten als auch die Räte konnten sich vorstellen, dass so die Situation verbessert würde. „Da wären keine sehr hochwertigen Böden betroffen“, urteilte zumindest der dritte Bürgermeister Bernhard Wolf.
Für die Umsetzung wäre eine wasserrechtliche Genehmigung des Wasserwirtschaftsamtes nötig. Seine Behörde, so Moßhammer, betrachte dabei insbesondere die ökologische Durchgängigkeit, aber auch die Standsicherheit des Straßendamms. Schließlich sei der nicht als Hochwasserdamm errichtet worden und wenn er am Schluss breche, werde aus dem vermeintlichen Hochwasserschutz eine zusätzliche Gefahr. Die Kosten für diese Maßnahme schätzte Moßhammer dann doch ganz vorsichtig: „Ich sag mal: Für 10.000 Euro wird man’s nicht bekommen, aber 300.000 Euro wird’s auch nicht kosten.“
Gemeinderätin Christina Alt fragte nach, warum die Räumung des Iff-Bachbetts erst im September erfolgen darf. Das ist eine Vorgabe des Unteren Naturschutzes. „Es ist schwer zu argumentieren, dass die Maßnahme dringlich ist, wenn zuvor 25 Jahre lang nichts passiert ist“, gab Moßhammer zu Bedenken.
Die Gemeinde allein wird’s nicht richten können, war das Resümee der Wasserwirtschaftsamtsvertreter. Zusätzlich ist Eigeninitiative in den betroffenen Straßen gefragt: Ein Anlieger des Brühlwegs habe sein Haus bereits in eine Betonwanne gebaut, sagte der Bürgermeister. Die Behörde will noch Material für die Hausbesitzer und Hausbesitzerinnen senden, in denen mögliche Maßnahmen vorgestellt werden.