Intendant Eckart Böhmer hat für die Kaspar-Hauser-Festspiele 2024 in Ansbach das Motto „Menschwerdung“ gewählt: ein ebenso spannendes wie brisantes Thema etwa mit Blick auf die Künstliche Intelligenz, die KI. Auf dem Programm stehen neben Vorträgen und Workshops auch Ausstellungen, besondere Stadtführungen, ein Konzert und ein Theaterstück.
Zu erleben sind die Festspiele, die im Zwei-Jahres-Turnus stattfinden und stets ein internationales Publikum nach Ansbach locken, vom 28. Juli bis zum 4. August. Zu den Höhepunkten gehört das von Böhmer geschriebene und inszenierte Theaterstück „Die besten Menschen“. Hier begegnet der gereifte Kaspar Hauser am Lebensende in einer Art Rückschau dem gerade erst in der Welt angekommenen „Kind Europas“.
Heiner Bomhard spielt den etwas älteren Hauser, und die Tänzerin Heike Eichenseher schlüpft in die Rolle des jungen Findlings. „Die Stückidee ist unter anderem inspiriert durch die Skulptur des zweifachen Kaspar Hauser in der Ansbacher Platenstraße“, erklärte Eckart Böhmer, der die Festspiele seit 1998 als Intendant konzipiert und leitet.
In den zahlreichen Vorträgen widmen sich die Referenten zum Beispiel Kaspar Hauser im Zusammenhang mit dem „Mysterium des Herzens“, mit der Apokalypse des Johannes oder auch mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen der Gegenwart.
Franz Schuberts „Schwanengesang“ erklingt in einem Konzert mit dem Duo Chagall, ehe Eckart Böhmer das Schwanenmotiv „im Leben und Wesen Kaspar Hausers“ erläutert. Und bei einem Schreibspaziergang durch Ansbach treffen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf mehrere Frauen, die für Kaspar Hauser eine wichtige Rolle spielten.
Im Tagungszentrum Onoldia, wo die meisten Veranstaltungen der Festwoche stattfinden, wird ein Zyklus mit Ölgemälden von Andrea Schumacher zum „Schwanengesang“ zu sehen sein, während im Kunsthaus Reitbahn 3 eine Ausstellung zum übergeordneten Thema „Menschwerdung“ geplant ist. Hierzu wird es eine Ausschreibung für Künstlerinnen und Künstler aus der Region und darüber hinaus geben.
Zu Eckart Böhmers Bedauern wird das neue Kaspar-Hauser-Zentrum an der Ecke von Pfarrstraße und Montgelasplatz nicht bis zu den Festspielen fertig. Auch Baustellen-Führungen sind nicht planbar, da unklar ist, ob im Sommer größere Gruppen die Räume betreten können oder ob gerade Arbeiten im Gange sind.
Stattdessen wird das Projekt im Rahmen einer umfassenden Präsentation im Onoldiasaal vorgestellt. Interessierte können sich so über das künftige Zentrum mit Hotel, Bio-Gastronomie, Seminarräumen, einem Kaspar-Hauser-Archiv, einem Ort des Gedenkens in Hausers Sterbezimmer und einer Praxis für Notfallpädagogik informieren.
„Es ist ein anspruchsvolles und außergewöhnliches Programm“, fasste der Intendant mit Blick auf die Festspiele zusammen. Was angemessen sei, weil „außergewöhnliche Zeiten außergewöhnliche Konzepte“ benötigten. „Kultur kann Antworten geben“, meint Böhmer dazu. „Antworten auf die Frage, wo es hingehen soll.“
Wo es etwa im Zusammenhang mit der KI hingehen soll, die nach Böhmers Überzeugung Kräfte entwickeln wird, denen der Mensch nicht gewachsen bleibt. Kaspar Hauser sei aus philosophischer, psychologischer und pädagogischer Sicht eine „symbolhafte Figur“ für solche großen Menschheitsfragen.
Kulturreferentin Nadja Wilhelm betonte, dass die Kaspar-Hauser-Festspiele mit ihrem Publikum aus ganz Europa „ein Aushängeschild“ für Ansbach seien. Traditionelles wie die bewährten Stadtführungen oder auch Eurythmie würden mit „neuen Impulsen“ verbunden.
In verschiedenen Kultureinrichtungen liegen Broschüren mit den Terminen aus.