Kantor der Dresdner Frauenkirche auf Orgelfahrt im Landkreis Ansbach | FLZ.de

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Veröffentlicht am 14.01.2025 14:41

Kantor der Dresdner Frauenkirche auf Orgelfahrt im Landkreis Ansbach

An der sanierten und erweiterten Steinmeyer-Orgel von Unterschwaningen: Matthias Grünert, Kantor der Frauenkirche Dresden. (Foto: Thomas Wirth)
An der sanierten und erweiterten Steinmeyer-Orgel von Unterschwaningen: Matthias Grünert, Kantor der Frauenkirche Dresden. (Foto: Thomas Wirth)
An der sanierten und erweiterten Steinmeyer-Orgel von Unterschwaningen: Matthias Grünert, Kantor der Frauenkirche Dresden. (Foto: Thomas Wirth)

Gut, dass es Heizstrahler an Orgeln gibt. Matthias Grünert hat sie am Wochenende gebraucht, um die Finger fürs Konzert warmzuhalten. Der Kantor der Dresdner Frauenkirche war auf Orgelfahrt im Landkreis Ansbach und im Ries. Von einer kalten Kirche ging es in die nächste. Seine Begeisterung für Orgeln bremste das nicht.

Unermüdlich ist Matthias Grünert unterwegs, um mit seinen Konzerten auf die Schönheit und Vielfalt von Orgeln aufmerksam zu machen. Das glückte bei dieser Neujahrsfahrt. Der Frauenkirchenkantor freute sich über den sehr guten Besuch und über einige Entdeckungen, die er für sich gemacht hat.

Dieses Mal standen Orgeln aus Oettingen von G. F. Steinmeyer & Co. im Mittelpunkt. Die Firma hatte einst Weltruhm. Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts verblasste er aber allmählich. Trotz aller handwerklichen Solidität verlor Steinmeyer den Anschluss in technischer und ästhetischer Hinsicht. 2001 stellte die Firma ihren Betrieb ein.

Auftakt in Unterschwaningen

Matthias Grünert, unterwegs mit Christiane Linke, die für die Organisation zuständig ist, und Claudia Bari, die ihm an den Orgeln assistierte, begann in der Dreifaltigkeitskirche von Unterschwaningen, ein Gotteshaus im Markgrafenstil. „Die Akustik ist schön dort. Die Kirche sieht bezaubernd aus. Man fühlt sich wohl in diesem Raum“, findet der Musiker.

Die Steinmeyer-Orgel dort stammt von 1953. Im vergangenen Jahr wurde sie von der Wassertrüdinger Firma Deininger & Renner saniert und erweitert. Sie erhielt dabei das Trompeten-Register aus der Laurentiusorgel der Nürnberger Lorenzkirche. Das Steinmeyer-Instrument von 1962 wurde 2005 durch einen Neubau der Firma Klais ersetzt. Die Trompete, die mittels Transmissionen im Bass, in Normallage und im Diskant, also dreifach verwendet werden kann, tut jetzt in Unterschwaningen ihren Dienst. Sie tut ihn sehr gut, gibt der Orgel weitere Farben und Kraft.

Klug sei die Disposition, sagt Grünert, freilich durch die Entstehungszeit neobarock geprägt. „Trotzdem ein klangschönes Instrument.“ Er führte Werke von Bach vor.

Reiche Disposition

Die Steinmeyer-Orgel der Wassertrüdinger Stadtkirche ist 14 Jahre jünger. Eine jüngere Schwester des Unterschwaninger Instruments mag Grünert sie nicht nennen. „Sie ist doch anders“, sagt er. „Schon ein bisschen herb und robust.“ Vor allem im Vergleich zum „feineren Charakter“ der Unterschwaninger Orgel. Aber sie ist reich disponiert, sodass Grünert Bachs „Dorische“ und die Schübler-Choräle angemessen darstellen konnte. „Schon gut, das Instrument“, resümierte er.

Begeistert war Grünert von der Orgel, die in St. Jakobus in Ehingen steht und von Deininger & Renner saniert wurde. „Klein und und fein“, sagt er über sie und schwärmt vom Terzregister im zweiten Manual. „Das hat Farbe reingebracht“. Farbe für italienischen Stücke.

Überraschung in Dorfkemmathen

Vollkommen überrascht hat ihn in Dorfkemmathen die Marienkirche mit ihrem eindrucksvollen Altar: „Ich war geplättet. Ich dachte: Das gibt es doch nicht. Mitten auf dem Land kommt man in eine so wunderschöne Kirche rein.“ Und auch die Walker-Orgel von 1994, die 2024 von Orgelbau Lutz aus Feuchtwangen überholt wurde, hat es dem Frauenkirchenkantor angetan. Er spielte auf ihr Barockes aus Thüringer Residenzen. „Sie ist so duftig intoniert. Das hat richtig geperlt im Raum und toll geklungen. Wirklich schön.“

Die Orgel der Dürrwanger Pfarrkirche Maria Immaculata stammt von 1982, also aus der Spätphase der Firma Steinmeyer, und hat wenig Klang-substanz. „Ich habe mich ein bisschen in meine Bayreuther Studentenzeit zurückversetzt gefühlt. Da waren auch viele Steinmeyer-Orgeln in den Übzellen“, erinnert sich Grünert. „Dafür bin ich in Feuchtwangen total entschädigt worden. Das ist eine Wahnsinnsorgel. Superfein intoniert. Da ist wirklich Kraft dahinter.“ Auf der symphonisch geprägten Link-Orgel von St. Ulrich und Afra spielte er Romantisches aus England. Grünert: „Da kann man die Briten ganz gut drauf zelebrieren.“

Für seinen Youtube-Kanal „OrgelFahrt“ hat der Dresdner Kantor zudem Videos aufgenommen – außer in Dürrwangen. Er wird sie nach und nach, eher in der Adventszeit, veröffentlichen. Vom 14. bis zum 16. Februar kehrt der Musiker, der in Neuendettelsau aufgewachsen ist, zu einer nächsten Orgelfahrt in die mittelfränkische Heimat zurück, dann unter anderem mit Konzerten in Bürglein, Neuendettelsau, Ansbach und Lehrberg.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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