Kampfabstimmung bei Ansbachs SPD: Michael Jakob ist Oberbürgermeister-Kandidat | FLZ.de

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Veröffentlicht am 18.10.2025 22:12

Kampfabstimmung bei Ansbachs SPD: Michael Jakob ist Oberbürgermeister-Kandidat

Es gibt Blumen: Ansbachs SPD-Vorsitzende Kathrin Pollack wendet sich dem erfolgreichen Michael Jakob (links) und dem unterlegenen Frank Reisner zu. (Foto: Oliver Herbst)
Es gibt Blumen: Ansbachs SPD-Vorsitzende Kathrin Pollack wendet sich dem erfolgreichen Michael Jakob (links) und dem unterlegenen Frank Reisner zu. (Foto: Oliver Herbst)
Es gibt Blumen: Ansbachs SPD-Vorsitzende Kathrin Pollack wendet sich dem erfolgreichen Michael Jakob (links) und dem unterlegenen Frank Reisner zu. (Foto: Oliver Herbst)

Die Ansbacher SPD startet mit einem Knalleffekt in den Wahlkampf. Beim Rennen ums kommunale Spitzenamt in der Stadt setzte sich mit Michael Jakob (46) ein Polit-Neueinsteiger durch: Er ist Oberbürgermeisterkandidat. In geheimer Wahl siegte er klar gegen den langjährigen Stadtrat Frank Reisner (52).

Michael Jakob ist laut seinen Angaben Trauredner, Moderator, Keynotespeaker (Hauptredner), Coach, Autor und Auftragstexter. Er erhielt in der Aufstellungsversammlung im Ortsteil Meinhardswinden 23 von 39 abgegebenen Stimmen. Auf den gelernten Groß- und Außenhandelskaufmann und Industriemechaniker Frank Reisner entfielen in der Kampfabstimmung 16.

Michael Rehbogen fragte Michael Jakob für den SPD-Bezirksverband Mittelfranken, ob er die Wahl annimmt. Erleichtert antwortete er: „Ich wär blöd, wenn ich jetzt Nein sagen würde.” Gefasst wünschte ihm Frank Reisner „gutes Gelingen”. Nach der Versammlung war unter den Mitgliedern viel Zuspruch, aber auch Kritik hörbar.

Die AfD als der große Gegner

Zu Beginn hatte Ansbachs SPD-Vorsitzende Kathrin Pollack erläutert, wie es zu zwei Bewerbern gekommen war. Sie ist Generalsekretärin ihrer Partei in Bayern. Ansbachs geschäftsführender SPD-Vorstand habe vorgeschlagen, auf eine OB-Kandidatin oder einen Kandidaten zu verzichten.

„Wir waren der Meinung, dass es wichtig wäre, wir würden unsere Kräfte bündeln und als Demokraten zusammenstehen und vor allen Dingen unseren großen Gegner, die Antidemokraten der AfD, bekämpfen.” Der Gesamtvorstand allerdings habe letztlich mit fünf zu vier Stimmen entschieden, eine Person zu benennen.

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Stark in Rathäusern in Bayern

Bis dato habe sich da Frank Reisner bereit erklärt, in die Wahl zu gehen. Der Vorstand sprach sich laut den Worten der Vorsitzenden mit ebenfalls fünf zu vier Stimmen für ihn als Bewerber aus. Kurz darauf habe sich Michael Jakob gemeldet, und ein Unterstützerkreis habe sich gebildet.

Der SPD-Fraktionschef im Stadtrat, Martin Porzner, bezeichnete Michael Jakob als Wunschkandidaten von Fraktion und geschäftsführendem Vorstand. Er habe das Talent, „andere Wählerschichten auch für die SPD, vor allem jüngere, anzusprechen”.

Frank Reisner selbst erwähnte vor allem seine Vita in der SPD, darunter zwei Jahre als Ansbacher Vorsitzender, sein Wirken im Stadtrat seit 2015 und die starke Position seiner Partei in bayerischen Rathäusern, als „klar zweitstärkste Kraft”.

An Ralf Felbers Sieg erinnert

Der 52-Jährige erinnerte an den Sieg Ralf Felbers in der OB-Wahl 1990. Damals habe auch niemand mit dem Sieg des damaligen Sozialdemokraten gerechnet, der, 18 Jahre im Amt, „die Stadt nach vorne gebracht hat”. Wie Frank Reisner betonte, hat er keine Berührungsängste und kann gut auf Menschen zugehen.

Er erinnerte an seinen Einsatz „nach wochenlanger, fast monatelanger vergeblicher Suche der Stadtverwaltung” nach einem Grundstück für die Grundschule Ansbach-Schalkhausen. „Nach guten und langen Gesprächen mit Eigentümern konnte ich Zweifel ausräumen” und den Neubau in trockene Tücher bringen.

Michael Jakob ist für seine Poetry-Slams bekannt, also für Wettbewerbe mit eigenen Texten auf der Bühne. Er hatte deshalb einen Poetry-Slam-Text dabei. „Stellt euch vor, die Ansbacher SPD ginge mit einem OB-Kandidaten ins Rennen, der so ein bisschen anders ist” als die Personen der anderen Gruppierungen, die sich bewerben, sagte er.

Für lustige oder freche Clips

Der 46-Jährige ging auf seinen Bekanntheitsgrad durch seine Präsenz auf der Bühne seit 1998 ein, aber auch auf sein politisches Interesse seit frühester Kindheit. Als Diplom-Kaufmann habe er „sogar Ahnung von Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft”.

Er stimmte die SPD auf einen Wahlkampf im Internet ein, vor allem über soziale Medien. Mit kurzen, „vielleicht auch noch” lustigen oder frechen Clips will er vor allem die Nichtwählerinnen und Nichtwähler erreichen. Die Erstwählerinnen und Erstwähler hat er ebenfalls im Blick. Seinen Hauptjob habe er bereits im März aufgegeben.

Der Blick auf den Quereinstieg

Lebhaft lief die Aussprache ab. Norbert Dumler zum Beispiel nannte Michael Jakob „eine talentierte Nachwuchskraft”. Er schlug ihm gar vor, von seiner OB-Kandidatur zurückzutreten, aber auf die Stadtratsliste zu gehen. Frank Reisner dagegen ist für ihn „nicht der beste Redner vielleicht, aber er ist der Mann der Tat”.

Benjamin Kießling etwa blickte auf die Wahl der SPD-Bundesvorsitzenden 2019 zurück. Saskia Esken und Dr. Norbert Walter-Borjans setzten sich hier durch. Er meinte, „dass Quereinsteiger, dass neue Gesichter, neue Köpfe, nur weil sie neu sind, deswegen per se nichts Schlechtes sind”, sondern im Gegenteil einer Partei guttun können.

Für den Fall, dass man ihn nicht als OB-Kandidaten nominiert, kündigte Frank Reisner für den Wahlkampf an: „Ich bin präsent.” Anlass war eine Frage aus der Versammlung heraus. Für Michael Jakob dagegen „gibt's nur diese eine Sache hier”. Er würde sich andernfalls aus dem Wahlkampf heraushalten.

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