Kampf um Sparer: Trade Republic wird vom Jäger zum Gejagten | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.04.2026 05:02

Kampf um Sparer: Trade Republic wird vom Jäger zum Gejagten

Der Online-Broker Trade Republic arbeitet rein App-basiert, hat aber die Bankenbranche schon aufgeschreckt. (Symbolfoto) (Foto: Fabian Sommer/dpa)
Der Online-Broker Trade Republic arbeitet rein App-basiert, hat aber die Bankenbranche schon aufgeschreckt. (Symbolfoto) (Foto: Fabian Sommer/dpa)
Der Online-Broker Trade Republic arbeitet rein App-basiert, hat aber die Bankenbranche schon aufgeschreckt. (Symbolfoto) (Foto: Fabian Sommer/dpa)

Noch vor zehn Jahren war für Bankkunden in Deutschland der Gang zur Filiale die Norm, um Überweisungen einzuwerfen, das Sparbuch zu aktualisieren oder sich bei einem Berater über Geldanlagen und Kredite zu informieren. Das ist Geschichte, heute findet der Kontakt zur Bank in der Regel digital statt. Die meisten Verbraucher nutzen laut einer Postbank-Studie eine Banking-App auf dem Smartphone (39 Prozent) oder Online-Banking am heimischen PC (33 Prozent). Der Bankschalter in der Filiale an der Ecke ist in die Hosentasche gewandert.

Zur Digitalisierung des Bankengeschäftes haben eine Reihe von Neobanken beigetragen, die sich von Anfang an auf das Smartphone-Banking spezialisiert haben. Dazu gehören N26, Scalable Capital, Trade Republic und die C24 Bank. Außerdem fasst der britische Herausforderer Revolut in Deutschland Fuß. Zuletzt hat aber vor allem Trade Republic für Schlagzeilen gesorgt. 

Bankenschreck Trade Republic wird wertvollstes Start-up

Der Berliner Online-Broker ist mit niedrigen Gebühren etwa für Aktienhandel, hohen Tagesgeldzinsen und kostenfreien Sparplänen für Indexfonds (ETFs) zu einer harten Konkurrenz für etablierte Banken geworden. Ende 2025 stieg Trade Republic mit einer Bewertung von 12,5 Milliarden Euro zum wertvollsten deutschen Start-up auf. Die vor allem bei jungen Menschen gefragte Firma wächst rasant: Binnen 18 Monaten habe man die Zahl der Kunden auf mehr als zehn Millionen verdoppelt, sagte Mitgründer Christian Hecker im Dezember.

Der Erfolg schreckt andere Banken auf. Die Sparkassen reagieren, wenn auch spät, und ermöglichen mit „S-Neo“ ab Mitte des Jahres den Handel von mehr als 21.000 Wertpapieren direkt in der App. Zunächst soll das digitale Wertpapierangebot den 19,8 Millionen Nutzern der Sparkassen-App zur Verfügung stehen.

Auch Comdirect buhlt mit einem neuen Trading-Angebot um junge Kunden. „Damit wir vom Wachstum im jungen Kundensegment stärker profitieren, haben wir ein preiswerteres und schlankeres Angebot entwickelt“, sagte Comdirect-Chefin Sabine Schoon-Renné dem „Handelsblatt“. Im „Pure Depot“ kostet ein Trade ein Euro - wie bei Trade Republic.

Scalable Capital zieht bei Zinsen davon

Damit wird Trade Republic immer mehr vom Jäger zum Gejagten, zuletzt auch bei den Zinsen. Im umkämpften deutschen Bankenmarkt ringen Geldhäuser mit Kampfkonditionen um Sparer, die - so die Hoffnung - einmal angelockt die Basis für lukrative weitere Geschäfte sein könnten. So erhöhte die Münchner Finanzplattform Scalable Capital jüngst die Tagesgeldzinsen für Bestands- wie Neukunden auf 2,5 Prozent und überholte den Rivalen Trade Republic. Dieser wirbt damit, den Einlagenzinssatz der Europäischen Zentralbank (EZB) stets an Kunden weiterzugeben - aktuell sind das 2,0 Prozent. „Zinsen sind das deutlichste Bekenntnis einer Bank an ihre Kunden“, sagte Erik Podzuweit, Gründer von Scalable Capital.

Auch ausländische Banken drängen in den hiesigen Markt. So wirbt die spanische BBVA Sparer mit befristeten drei Prozent Zinsen aufs Girokonto und die US-Großbank J.P. Morgan will mit ihrer Digitalbank „Chase“ Privatkunden in Deutschland gewinnen. Der Markteintritt des Wall-Street-Riesen von einem neuen Büro in Berlin aus wird in der hiesigen Bankenwelt gespannt verfolgt.

Tagesgeldzinsen von drei Prozent und mehr

Der Geldratgeber Finanztip beobachtet bei Tagesgeld steigende Aktionszinsen für Neukunden. „Banken nutzen die aktuelle Phase, um sich mit befristeten Angeboten neue Einlagen zu sichern.“ Grund sei, dass Banken wegen der Inflationsgefahr mit dem Iran-Krieg immer weniger an Zinssenkungen der EZB glaubten.

Auch laut dem Vergleichsportal Verivox nimmt der Konkurrenzkampf der Banken Fahrt auf. Zuletzt boten demnach 18 Banken neuen Kunden einen Tagesgeldzins von mindestens drei Prozent - das ist mehr, als Sparer bei Banken selbst für jahrelange Festgelder bekommen. Manche Banken bieten allerdings die hohen Zinsen nur für wenige Monate an. Danach sinkt der Zinssatz wieder deutlich. Bis zum nächsten Mal.

Smartphonebank Revolut drängt nach Deutschland

Auch Europas führende Digitalbank Revolut hat es auf Deutschland abgesehen. Revolut hat 2025 mit mehr als 800.000 neuen Kunden das stärkste Jahr seit dem Markteintritt verzeichnet und inzwischen rund drei Millionen Kunden.

Damit fasst Revolut zunehmend Fuß in Deutschland, wo sich der Konkurrent gegen N26 und Trade Republic lange schwertat. „Ziel ist es, mittelfristig die Größenordnung der führenden Direktbanken zu erreichen“, kündigte Revolut an. Das wäre die ING mit rund zehn Millionen Privatkunden. 

Druck auf Neobroker von der EU

Welche Neobank langfristig die Nase vorn haben wird, wird aber auch davon abhängen, wie gut sie mit dem bevorstehenden EU-weiten Verbot des Geschäftsmodells PFOF klarkommen. PFOF steht für „Payment for Order Flow“ (etwa: „Bezahlung für den Kundenstrom“). 

Dabei schickt ein Broker eine Aktienbestellung nicht an eine große öffentliche Börse, sondern an einen speziellen Partner, den Market Maker wie Lang & Schwarz oder die Baader Bank. Dieser bedankt sich mit einer kleinen Provision, die meist nur ein paar Cent pro Handel beträgt. Für Endkunden heißt das, dass der Aktienkurs ein Hauch schlechter ausfallen kann als im traditionellen Handel. Dafür werden kaum Gebühren fällig.

Die EU meint, dass es bei diesem Modell zu einem Interessenkonflikt kommt, weil der Broker eine Order im Zweifelsfall nicht dorthin schickt, wo er den besten Preis bekommt, sondern wo er die höchste Provision kassiert. Das Verbot von PFOF durch die EU tritt nach einer Übergangsfrist ab 1. Juli in Deutschland in Kraft. Broker dürfen dann keine Provisionen mehr von Handelsplätzen für die Weiterleitung von Kundenorders erhalten, was zu höheren Gebühren bei Aktienaufträgen führen könnte. Für Digitalbanken brechen damit neue Zeiten an: Nun sind sie es, die sich auf eine Umwälzung einstellen müssen.

© dpa-infocom, dpa:260403-930-901955/1


Von dpa
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