Jungem Ägypter droht die Abschiebung: Sein Schicksal hängt an einem Stück Papier | FLZ.de

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Veröffentlicht am 21.09.2024 08:00

Jungem Ägypter droht die Abschiebung: Sein Schicksal hängt an einem Stück Papier

Esam Alhadad ist seit 2017 im Dinkelsbühler Autohaus Wüst & Weigand beschäftigt. Nach seiner Ausbildung wurde er als fest Angestellter Nutzfahrzeuge-Mechatroniker übernommen. (Foto: Martina Haas)
Esam Alhadad ist seit 2017 im Dinkelsbühler Autohaus Wüst & Weigand beschäftigt. Nach seiner Ausbildung wurde er als fest Angestellter Nutzfahrzeuge-Mechatroniker übernommen. (Foto: Martina Haas)
Esam Alhadad ist seit 2017 im Dinkelsbühler Autohaus Wüst & Weigand beschäftigt. Nach seiner Ausbildung wurde er als fest Angestellter Nutzfahrzeuge-Mechatroniker übernommen. (Foto: Martina Haas)

„Esam Alhadad ist ein Teil unserer Betriebsfamilie. Wir brauchen ihn. Nicht nur als Fachkraft.“ Das sagt Tobias Mader, Serviceleiter beim Dinkelsbühler Autohaus Wüst & Weigand, der sich ebenso wie der Helferkreis Geflüchtete für den jungen Mann einsetzt. Denn ihm droht schon bald die Abschiebung. Weil ihm die ägyptische Botschaft keinen Pass ausstellt.

Der 25-Jährige lebt seit 25. Oktober 2014 in Deutschland. Der in Ägypten Geborene kam damals als unbegleiteter Minderjähriger nach eineinhalbjähriger Flucht in die Bundesrepublik. Er wurde in Wilburgstetten untergebracht, fasste in Mittelfranken Fuß und begann 2017 eine Ausbildung als Mechatroniker im Autohaus Wüst & Weigand. Esam Alhadad hat alle Anforderungen dieser anspruchsvollen Lehre gut gemeistert. Dazu gehören auch gute Sprachkenntnisse mit vielen Fachbegriffen. Anschließend wurde der frisch gebackene Mechatroniker ziemlich schnell unbefristet im Betrieb übernommen.

In all den Jahren stand ihm Claudia Schilling vom Helferkreis Geflüchtete Wilburgstetten als Integrationspatin bei. Sie ist ebenso wie Monika Hoenen, die hauptamtlich als Flüchtlingsintegrationsberaterin gearbeitet hat und fast zehn Jahre ehrenamtliche Koordinatorin des Helferkreises in Dinkelsbühl war, besorgt über Alhadads gegenwärtige Situation. Denn sein Schicksal hängt an einem Stück Papier, einem Pass.

Vielfache Vorsprache bei der Botschaft

Die rechtliche Situation sieht so aus: Von den Ausländerbehörden ist Esam Alhadad nur geduldet. Sein Asylantrag wurde in letzter Instanz abgelehnt. Da er inzwischen aber eine Ausbildung und einen festen Arbeitsplatz hat, ermöglichte ihm das Chancenaufenthaltsgesetz des Bundes, dauerhaft hier zu bleiben – allerdings nur unter der Voraussetzung, seine Identität nachzuweisen, wofür ein Pass notwendig wäre. Und das gelang ihm bislang nicht, trotz vielfacher und dokumentierter Vorsprachen beim ägyptischen Konsulat und bei der ägyptischen Botschaft in Berlin. „Das ist alles im Sande verlaufen“, berichtet Schilling über die erfolglosen Versuche.

Die Bemühungen wurden akribisch dokumentiert, ein ganzer Ordner ist damit gefüllt. Aber die für eine Entscheidung zuständigen deutschen Stellen hätten das nicht beachtet, weil sie auf einem Ausweispapier beharrten, beschreibt Schilling die Situation aus ihrer Sicht. Man habe dem 25-Jährigen stets geraten, nach Kairo zu fliegen, um sich dort einen Pass ausstellen zu lassen.

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Als Minderjähriger aus Ägypten geflohen

Aber genau davor fürchtet sich Esam Alhadad. Aus Ägypten ist er als Minderjähriger aus Angst geflohen. Dafür habe es gewichtige Gründe und Erlebnisse gegeben. Angst hat er noch heute, nach einer Rückkehr nach Ägypten dort im Gefängnis zu landen. Und: „Esam Alhadad ist überzeugt, nicht mehr nach Deutschland ausreisen zu dürfen, wenn er nach Ägypten fliegt, um sich einen Pass zu besorgen“, sagt Schilling.

Von den deutschen Behörden wird auch eine Geburtsurkunde nicht anerkannt, die sich der junge Mann über eine Agentur in Ägypten beschafft hat. Auch ein Foto seiner Eltern mit der Geburtsurkunde reichte nicht als Identitätsnachweis. Schilling und Hoenen können die rigide Haltung der deutschen Behörden bei einem so gut integrierten und bemühten Mann jedenfalls nicht nachvollziehen.

Auch Tobias Mader vom Dinkelsbühler Autohaus hat dafür kein Verständnis. Neben der menschlichen Komponente, die der gesamten Betriebsfamilie zu schaffen mache, gehe es auch darum, dass mit Esam Alhadad ein junger Mann ausgebildet worden sei, den der Betrieb händeringend brauche. Die Politik müsse das umsetzen, was sie in den Medien immer sage: Dass Deutschland Zuwanderung brauche, auch um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, es verschlankte Prozesse gebe und dass man auch Fachkräfte integrieren müsse. Und gerade im Nutzfahrzeuge-Bereich sei es schwer, Fachkräfte mit der nötigen Qualifikation zu finden

Hoffnung ruht auf der Härtefallkommission

Weil alle Bemühungen bisher an den bürokratischen Hürden gescheitert sind, ruhen jetzt die Hoffnungen auf der Härtefallkommission in Bayern, die sich seit 2006 solcher Fälle annimmt. Mit der Schaffung der Härtefallkommission in Bayern verfolgte der Gesetzgeber das Ziel, Einzelschicksale unter Beachtung humanitärer und gesellschaftspolitischer Belange zu beurteilen, heißt es auf der Internetseite dieses Gremiums. Einen Anspruch darauf, dass es sich mit einem konkreten Fall befasst, gibt es allerdings nicht.

Auch der Bayerische Innenminister Dr. Joachim Herrmann wurde zwischenzeitlich über den Fall Alhadad informiert. Herrmann war vor rund einer Woche bei einer Veranstaltung der Dinkelsbühler JU in der Stadt. Ihm wurde am Rande des Termins unter anderem von Tobias Mader der Ordner mit Alhadads Bemühungen, seine Identität zu klären, überreicht.

In den Unterlagen war auch eine Unterschriftensammlung aus der Belegschaft aller Wüst & Weigand-Filialen, nicht nur der in Dinkelsbühl. „Der größte Wunsch von uns allen ist, dass Esam Alhadad bleiben darf“, sagt Mader.

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