Nach Jahrzehnten, in denen es in Dürrwangen bei Kommunalwahlen stets nur einen Bewerber für das Amt des Bürgermeisters gegeben hatte, bekommt die Bevölkerung am 8. März nun eine echte Wahlmöglichkeit: Mit Jens Goth nominierte die Wählergruppe Markt Dürrwangen (WMD) einen Herausforderer für Amtsinhaber Jürgen Konsolke (CSU-Bürgerblock).
Das Interesse an der Nominierungsversammlung war groß. Insgesamt 118 Personen hatten sich in die Listen am Eingang eingetragen, 42 von ihnen waren berechtigt, über den Bürgermeisterkandidaten sowie die Aufstellung der Gemeinderatsliste abzustimmen. Die anderen waren Gäste. Von der Resonanz überwältigt zeigte sich Reiner Proff, amtierender Gemeinderat der WMD. Das Interesse an Politik scheine in der Gemeinde durchaus vorhanden zu sein.
Die WMD, die sich erst wenige Monate vor der Kommunalwahl 2020 neu gegründet hatte und damals bei der Aufstellung ihrer Liste aus Zeitgründen nur zwölf der maximal 28 Plätze füllen konnte, will diesmal ihre Möglichkeiten voll ausschöpfen. Er freue sich, so Proff, diesmal eine vollständige Bewerberliste für den Rat präsentieren zu können. Diese umfasst nach einer gesetzlichen Änderung allerdings statt der früher erlaubten 28 nur noch 14 Plätze – also genauso viele wie es Sitze im Rat gibt.
Die Wählergruppe will sich sieben der 14 Sitze im Kommunalparlament holen, wie Proff als Ziel ausgab, und zudem mit Jens Goth einen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen schicken. Damit könne man der Bevölkerung nach 60 Jahren beim Bürgermeistervotum wieder eine echte Wahl anbieten. In der allmählich zu Ende gehenden Amtsperiode ist die WMD mit drei Räten im Gremium vertreten, neben Proff sind dies noch Thomas Huber und Steffen Heyer.
Von den 42 Abstimmungsberechtigten befürworteten 38 eine Kandidatur von Jens Goth für das Amt des Bürgermeisters, wie Wahlleiter Franz-Josef Heller bekannt gab. Es gab bei der geheimen Wahl vier Nein-Stimmen. Goth nahm seine Nominierung an und dankte „für die Chance“. Zuvor hatte der 37-Jährige sich und seine inhaltlichen Ziele vorgestellt. Seit zwölf Jahren lebt Goth in Dürrwangen. Er ist Groß- und Außenhandelskaufmann, war zwölf Jahre bei der Bundeswehr und wechselte danach zum Landesamt für Finanzen. „Ich weiß, wie Verwaltung funktioniert“, sagte der Bewerber, der auch Kirchenpfleger in Dürrwangen ist. In dieser Funktion betreut er die Finanzen sowie die Gebäude der Kirchenstiftung, zu denen auch der Kindergarten gehört.
Dürrwangen habe ein großes Potenzial, so Goth, der betonte: Der Markt könne mehr, „und ich will mehr“. Zu den Herausforderungen zählte der 37-Jährige eine angespannte Finanzlage der Kommune. Zudem müsse die Infrastruktur erhalten und modernisiert werden. Nötig seien Zuzug und Gewerbeansiedlungen, um mehr Steuereinnahmen zu generieren und Arbeitsplätze zu schaffen.
Goth will sich zudem für ein attraktives Umfeld für Familien und Jugendliche einsetzen. Bei Projekten sollen staatliche Förderprogramme bestmöglich genutzt werden. Um die Gemeinschaft zu stärken, schlug der Kandidat ein Marktfest vor, bei dem alle Ortsteile eingebunden sein sollen. Wichtig sind Goth zudem der Erhalt der Infrastruktur in den Ortsteilen, kurze Dienstwege in der Verwaltung, eine offene Kommunikation sowie nachhaltige Energie- und Mobilitätskonzepte.
Bei der Nominierung der Gemeinderatskandidatinnen und -kandidaten stimmte die Versammlung zunächst in geheimer Wahl darüber ab, ob Jens Goth die Liste auf Platz eins anführen soll. Dies befürworteten 41 der 42 Stimmberechtigten. Eine Person votierte dagegen. Danach wurde, ebenfalls geheim, die Reihenfolge der Plätze zwei bis 14 festgelegt. Pro Person konnten bis zu drei Stimmen vergeben werden. Die Bewerberinnen und Bewerber hatten sich ebenfalls in der Versammlung vorgestellt.
Wahlleiter Franz-Josef Heller verkündete die jeweilige Anzahl der Stimmen und die sich daraus ergebende Reihung. Danach folgt dem Listenanführer Jens Goth auf Platz zwei Reiner Proff, danach Steffen Heyer, Thomas Huber, Sandra Strobel, Marco Volland, Christopher Haltmayer, Tanja Berger, Claudia Riedmüller, Bernd Harich, Tino Wessely, Tim Steegmüller, Tanja Proff und Jürgen Himmel. Die Plätze elf und zwölf wurden wegen Stimmengleichheit gelost. Als Ersatzkandidatin wurde Melissa Heyer gewählt.
Reiner Proff appellierte am Ende der Veranstaltung an die Anwesenden, ihr Wahlrecht am 8. März auch wahrzunehmen. Proff machte deutlich, dass es sich dabei um ein hohes Gut handele, das nicht überall auf der Welt selbstverständlich sei.