Jazz-Stepptanz-Symbiose: Arnold-Fritscher-Quartett begeistert in Herrieden | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.03.2026 11:00

Jazz-Stepptanz-Symbiose: Arnold-Fritscher-Quartett begeistert in Herrieden

Arnold Fritscher, Winnie Neumann, Hari Dösel und Klaus Bleis (von links) begeisterten das Publikum in Herrieden. (Foto: Wolfgang Hauf)
Arnold Fritscher, Winnie Neumann, Hari Dösel und Klaus Bleis (von links) begeisterten das Publikum in Herrieden. (Foto: Wolfgang Hauf)
Arnold Fritscher, Winnie Neumann, Hari Dösel und Klaus Bleis (von links) begeisterten das Publikum in Herrieden. (Foto: Wolfgang Hauf)

Die Kleinkunstbühne Alte Seilerei Herrieden lud zu einem nicht alltäglichen Konzert ein. Es gastierte das Arnold-Fritscher-Quartett. Arnold Fritscher (Piano), Hari Dösel (Saxophon), Winnie Neumann (Kontrabass) sowie Schlagzeuger und Stepptänzer Klaus Bleis zeigten ihre Vielseitigkeit – von Swing über Latin und Blues bis zu Westcoast-Jazz.

Den Frühling mit erfrischender Musik zu begrüßen, etwas Schöneres könne man sich doch wohl kaum vorstellen, meinte Norbert Brumberger, der das Publikum in der Zehntscheune im Namen der Kleinkunstbühne begrüßte.

Perfekt aufeinander abgestimmt

Gleich beim ersten Stück „Memories Of Tomorrow“ von Keith Jarrett überzeugte das Quartett durch angenehme Lautstärke und die perfekte Abstimmung aufeinander. Bei Fritschers Eigenkomposition „Dancing Flea“ ließ das Saxophon den Floh vor dem geistigen Auge vorbeihüpfen. Einen ganz ruhigen Kontrapunkt hingegen setzte die Ballade „Bea” mit ihrem Dreiviertel-Takt.

Bei Charlie Parkers „Yardbird Suite“ durfte dann Klaus Bleis erstmals seine Stepptanz-Künste demonstrieren. Bei den irrsinnig schnellen Bewegungen, die immer akkurat im Rhythmus waren, vermisste man das Schlagzeug gar nicht. Mit gekonnt improvisierten Fill-Ins riss Bleis das Publikum zu Beifallsstürmen hin. Bei Benny Goodmans „On The Sunny Side Of The Street“ zeigte Bleis eine vorgegebene Choreografie, in die sogar ein Schuhplattler ironisch integriert war.

Duke Ellington in Latin-Style

Der Stepptanz ist hierzulande vor allem durch Fred Astaire bekannt geworden. Figurmäßig erinnert Klaus Bleis sogar etwas an ihn. Der Lehrer von Bleis war allerdings der afroamerikanische Stepptänzer Carnell Lyons aus Kansas City in Missouri, der in den 1950er Jahren im Rahmen einer Tournee nach Deutschland kam und bis zu seinem Tod 1992 in Berlin lebte und wirkte. Lyons hat Bleis so gut ausgebildet, dass dieser im September 2025 in New York sogar mit zwei Awards der American Tap Dance Foundation ausgezeichnet wurde.

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Für die folgenden Stücke tauschte Bleis die Tanzschuhe aber wieder mit den Drumsticks. Spritzig führte das Altsaxophon durch „Up Jumped Spring“ von Freddie Hubbard. Und Duke Ellingtons „Don’t Get Around Much Anymore“ im Latin-Style zu hören, kam fast einer Weltpremiere gleich. Mit Fritschers Eigenkomposition „Black Cat Blues“ zu Ehren seiner Nachbarskatze Blacky endete der erste Teil des Abends.

Teil zwei wurde mit „Stolen Moments“ von Oliver Nelson eröffnet. Das auch als Bigband-Arrangement bekannte Stück lässt dabei viel Raum für Soli, den die Bandmitglieder ausgiebig und musikalisch vom Feinsten nutzten. „Recorda Me“ überzeugte wieder mit Latin-Rhythmen. Bei „Easter Walk“, einem Blues aus der Feder von Hari Dösel, konnten sich die Zuhörerinnen und Zuhörer schon einmal auf das Suchen von Ostereiern einstellen.

Ohne Zugabe ging es nicht

Bei Miles Davis’ „All Blues“ durfte dann Bleis wieder seine Künste als Stepptänzer zeigen. Phänomenal, wie er das Tempo hielt, wie er laut und leise Nuancen erklingen ließ. Solo präsentierte er dann mit erstaunlicher Leichtigkeit den „Kansas City Rhythm“ und den „Paddle and Roll“. Es folgte in klassischer Bandbesetzung „Ken On The Ladder“. Diese Eigenkomposition Fritschers ist eine rührende Reminiszenz an den Hausmeister seiner Studentenwohnung in den USA, der in fröhlicher Stimmung auf der Leiter die Glühbirne auswechselt. In der äußerst getragenen Ballade „A Child Is Born“ ließ die Band Freude und Glück, aber auch Besinnlichkeit und Ruhe erklingen. Cole Porters „It’s Alright With Me“ bildete den flotten Schluss.

Das Publikum forderte vehement eine Zugabe, die es selbstverständlich gab. So fröhlich und abwechslungsreich wie der Frühling endete ein wunderbarer Abend.

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