Folgt man der Kreisstraße NEA 42 von Reusch aus in Richtung Frankenberg, dann findet es sich rechter Hand auf halber Strecke schräg gegenüber dem 1952 erbauten Mathildenhof in einer kleinen Talsenke: ein unscheinbares kleines Gebäude, das viele entweder gar nicht wahrnehmen oder für ein altes Trafohäuschen halten.
Doch dieses kleine Häuschen mit seinem dünnen, hohen Schornstein ist weit mehr, wie Otto Rückert beim Weigenheimer Geschichts- und Brauchtums-Stammtisch Weigenheim bei einem Vortrag deutlich machte. Es ist das Pumpenhaus – von den Reuschern liebevoll das „Pumphäusle“ genannt –, in dem vor langer Zeit die damals sehr moderne Anlage stand, die das Schloss Frankenberg mit dem so dringend benötigten Trinkwasser versorgte.
Otto Rückert vom Geschichts- und Brauchtums-Stammtisch Weigenheim hatte sich intensiv mit der Geschichte dieses Häuschens befasst, unzählige Urkunden und Flurpläne studiert sowie viele Ortsansässige befragt. Nun stellte er die Ergebnisse seiner Nachforschungen einem interessierten Kreis vor.
Als 1911 Reusch an den elektrischen Strom angeschlossen worden war, fasste Major und Rittergutsbesitzer Theodor Freiherr von Pöllnitz den kühnen Plan, eine moderne Pumpstation errichten zu lassen, um eine dauerhafte und zuverlässige Versorgung seines Schlosses mit den dazugehörigen Gebäuden zu haben. So heißt es im Pressebericht über den Abend. In den Jahren 1913/14 wurde der Plan des Freiherrn in die Tat umgesetzt – es ist davon auszugehen, dass der Seinsheimer Mauermeisterbetrieb Schmitt das Pumpenhaus auf einem mächtigen Muschelkalksockel an der Iffquelle errichtete. Das Pumpenhaus mit den Außenmaßen 4,50 mal 3,20 Meter war zwei Meter tief unterkellert und konnte gut 25 Kubikmeter frisches Quellwasser fassen.
So unauffällig das kleine Häuschen heute erscheint, für das Jahr 1913 war die Pumpstation eine technische Meisterleistung – über eine zwei Kilometer lange Gussrohrleitung pumpte sie frisches Wasser von der 316 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Iffquelle auf den Frankenberg, der über 110 Meter höher liegt. Mehr als 60 Jahre lang tat die Pumpstation gute Dienste, ehe am 1. September 1973 Frankenberg an die Fernwasserversorgung Franken angeschlossen wurde.
Ein Name ist engstens mit dem „Pumphäusle“ verbunden: Johann Georg Paulus. Er lebte in Reusch als Kleinbauer bis zu seinem Tod im Jahr 1970 und kümmerte sich bis ins hohe Alter um den Betrieb der Pumpe. Urkunden für 50-jährige treue Dienste bezeugen dies. Alle zwei Tage, wenn nötig auch öfter, ging er zu Fuß zum Pumphaus und schaltete die Technik ein. Vor dem Haus stand eine Bank, auf der er sich – erst wenn die Pumpe lief – seine sehr lange Pfeife stopfte und rauchte. Wenn die Pfeife ausging, wusste er, dass der Behälter oben am Frankenberg voll war. Eine Uhr brauchte er nicht.
Heute steht das verlassene Pumpenhäuschen allein auf weiter Flur. Und dennoch zieht der Charme des alten Gebäudes immer wieder Menschen an – viele Hochzeitspaare wählen diese ehrwürdige „Location“, wie das im Neudeutschen wohl heißt, als Kulisse für Hochzeitsfotos.
Gertraud Nöth, die Vorsitzende des Weigenheimer Geschichts- und Brauchtums-Stammtisches, hofft – so schließt der Bericht – dass das Schicksal und die Bedeutung des Reuscher Pumphäusles, das auf dem Grund von Schloss Frankenberg steht und heutzutage zum Besitz von Peter Löw gehört, durch den Vortrag wieder etwas mehr in den Fokus gerückt wurde und durch die fundierten Recherchen von Otto Rückert dem Vergessen entrissen werden können.