Die Gemeinden Gutenstetten, Baudenbach, Münchsteinach und Uehlfeld wollen bei Pahres eine interkommunale Kläranlage bauen. So lautete bisher der Plan. Enorme Mehrkosten könnten das Uehlfelder Ratsgremium nun aber umdenken lassen. Statt am 18. Oktober einen endgültigen Maßnahmenbeschluss zu fassen, werden in Uehlfeld Alternativen geprüft.
„Es war unser Plan, welcher auch schon zu Zeiten meines Amtsvorgängers in die Wege geleitet wurde, unsere beiden Kläranlagen in Uehlfeld und Schornweisach aufzugeben und uns am Bau einer großen Kläranlage in Pahres zu beteiligen“, blickte Bürgermeister Detlef Genz in der Ratssitzung am Freitagabend zurück. Viele Szenarien waren geprüft worden – beispielsweise auch die Ertüchtigung der Bestandskläranlage, deren Genehmigung ausgelaufen ist, oder auch ein Neubau in Uehlfeld.
Ingenieur Uwe Härtfelder hatte die Kostenvergleichsrechnungen zu den verschiedenen Varianten in zwei Bürgerversammlungen präsentiert. Es kristallisierte sich die Lösung, das Abwasser aus Schornweisach nach Uehlfeld zu pumpen und beides gesammelt dann weiter nach Pahres zu schicken, laut Genz als wirtschaftlichste Lösung heraus. Vom Wasserwirtschaftsamt wurden gute Förderungen in Aussicht gestellt. Härtfelder hatte Kosten von rund 6,8 Millionen Euro in den Raum gestellt und Zuschüsse von 2,7 Millionen Euro.
„Auf dieser Grundlage wurden auch alle Beschlüsse im Rat gefasst“, so Genz jetzt in einer Stellungnahme. „Wie sich nun herausstellt, werden die Kosten für die Marktgemeinde aber deutlich höher werden, als es damals berechnet wurde.“ Schuld daran ist einmal mehr vor allem das geplante Wasserschutzgebiet. Dieses existiert zwar noch gar nicht, „aber es reicht aus, um es zugrundezulegen“, so Genz. Für Uehlfeld bedeutet das: „Es werden spezielle doppelwandige und mit einem Leckage-System ausgestattete und damit auch deutlich teurere Leitungen benötigt.“ Mehrkosten: locker 750.000 Euro.
Ursprünglich war man in der Marktgemeinde zudem davon ausgegangen, dass Uehlfeld 25 Prozent der Kosten des Pahreser Neubaus zu stemmen hat. „Aufgrund einer neuen Schmutzfrachtberechnung ergibt sich aber nun ein Wert von 36 Prozent, mit welchem sich die Gemeinde Uehlfeld an der Kläranlage beteiligen müsste“, erklärte Genz.
Legt man Kosten für die interkommunale Anlage von zehn Millionen Euro zugrunde, „ergibt sich auch hier eine Mehrbelastung im siebenstelligen Bereich. Rechnerisch haben wir somit jetzt schon Mehrkosten von zirka 50 Prozent gegenüber der ursprünglich geplanten Kostenberechnung und damit in meinen Augen eine neue Beschlussgrundlage.“
Hinzu komme: Die „erwartbaren Mehrkosten“, die sich bei den Ausschreibungen ergeben könnten, sind hier noch gar nicht eingepreist. Der Bürgermeister schätzt sie auf 20 bis 30 Prozent. „Da dies wieder Mehrkosten im siebenstelligen Bereich sein können, bin ich zu dem Entschluss gekommen: Wir müssen noch einmal in die Prüfung nach möglichen Alternativen gehen.“
Genz nannte die Sanierung der Uehlfelder Bestandsanlage – Ingenieur Volker Oley hatte hierfür Kosten von rund 2,5 bis drei Millionen Euro genannt. Auch der Anschluss an eine andere, bestehende Kläranlage – etwa Gerhardshofen – wird auf Machbarkeit und Kosten überprüft.
Steigt Uehlfeld also aus dem Projekt interkommunale Kläranlage Pahres aus? Diese Frage beantwortet Genz auf Nachfrage unserer Redaktion mit einem Jein. Ja, das könne durchaus passieren. Aber sollte die neuerliche Prüfung ergeben, dass Pahres die wirtschaftlichste Variante bleibt, wäre man weiterhin mit im Boot. Genz lobte nochmals explizit die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit seinen Bürgermeisterkollegen.
„Ich möchte noch einmal in aller Deutlichkeit sagen, dass die Beteiligung am Bau der Kläranlage in Pahres qualitativ und vermutlich auch was spätere Betriebskosten angeht, sicher ein Schritt in die richtige Richtung wäre“, betonte Genz. Ebenso dürfe man nicht außer Acht lassen, dass ein Rückbau der Uehlfelder Anlage „ein enormer Schritt nach vorne in Sachen Hochwasserschutz wäre. Aber man darf halt auch bei den ganzen Vorzügen die erwartbaren Kosten nicht außen vor lassen.“
Schließlich würden diese letztlich als Herstellungsbeiträge und/oder Gebühren auf die Bürger umgelegt. „Jeder einzelne Gemeinderat muss dann erklären können, warum wir unter Umständen etliche Millionen mehr auf die Bürger umlegen, wenn es doch deutlich günstiger gegangen wäre. Dem hier zu erwartenden Gerede kann man einzig mit guten und richtigen Argumenten entgegentreten“, so Genz. „Genau aus diesem Grund treten wir noch einmal in die Prüfung von unter Umständen Plan B oder Plan C ein, um nachher eine für alle gute Lösung zu finden.“
Denn: „Heute ist nur eines sicher: Nichts zu machen, ist definitiv keine Option, da unsere Kläranlage seit einigen Jahren keine Genehmigung mehr hat und wir schlicht etwas machen müssen.“ Die Prüfung werde schnellstmöglich angestoßen und soll in der nächsten Sitzung nochmals diskutiert werden. Die Zusammenkunft am 18. Oktober mit der Vorstellung des Pahres-Projekts und dem Maßnahmenbeschluss sagte Genz gleich ab. „Ich will jetzt auch hier keine Diskussion haben“, schob er einer Ratsdebatte einen Riegel vor.
In der Bürgerredezeit erinnerte Bürgermeister a.D. Werner Stöcker an die ersten Gespräche in Sachen Pahres-Kläranlage. Damals seien sich alle Bürgermeister einig gewesen, die Kosten für die Zuleitungen in einen Topf zu werfen und durch vier zu teilen. Das sei nun nicht mehr der Fall. „Jetzt sollen wir wieder bestraft werden, weil wir Wasser liefern“, echauffierte sich Stöcker mit Blick aufs mögliche Wasserschutzgebiet. „Es kann nicht sein, dass wir wieder die Loser sind.“
Zweiter Bürgermeister Gerhard Winkler (Grüne) klagte über die Ungerechtigkeit, dass Uehlfeld wegen des Wasserschutzgebiets stets habe mehr zahlen müssen und von der Staatsregierung damit alleine gelassen wurde. „Das gibt’s sonst nirgends, dass man ein Dorf zum Museumsdorf macht“, weil angesichts der Schutzeinschränkungen eine Entwicklung kaum mehr möglich sei. „Das ist eine Riesenschweinerei.“