Interessent für geschlossenen SB-Markt Zahn: 24-Stunden-Supermarkt für Lichtenau? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.02.2026 07:01

Interessent für geschlossenen SB-Markt Zahn: 24-Stunden-Supermarkt für Lichtenau?

So ähnlich könnte der Mini-Supermarkt aussehen. Das Foto zeigt die Ortkauf-Filiale in Weißbach (Hohenlohekreis). (Foto: Christoph Sarnowski)
So ähnlich könnte der Mini-Supermarkt aussehen. Das Foto zeigt die Ortkauf-Filiale in Weißbach (Hohenlohekreis). (Foto: Christoph Sarnowski)
So ähnlich könnte der Mini-Supermarkt aussehen. Das Foto zeigt die Ortkauf-Filiale in Weißbach (Hohenlohekreis). (Foto: Christoph Sarnowski)

Einen 24-Stunden-Supermarkt in Lichtenau, betrieben von der Firma Ortkauf aus Schwäbisch Hall, möchten die Grünen-Gemeinderäte Manfred Eschenbacher und Gisela Strößner im ehemaligen SB-Markt Zahn etablieren – möglichst schon ab Mitte des Jahres. In der Sitzung berieten die Gremiumsmitglieder über den Antrag. Dabei ging es heiß her.

Bürgermeister Markus Nehmer (SPD) wies darauf hin, dass er selbst im Frühjahr 2024 den Kontakt zwischen dem Betreiber von Tante-M – einem anderen 24-Stunden-Laden – und dem Inhaber des ehemaligen SB-Markts, Axel Zahn, hergestellt habe. „Ich bin bis zuletzt davon ausgegangen, dass sich Geschäftsbeziehungen entwickeln.” Dies war jedoch nicht der Fall. Den Grund kannte wiederum Grünen-Rat Eschenbacher. Das Konzept von Tante-M hätte einen Franchisenehmer erfordert, der das Geschäft mit eigenem geschäftlichen Risiko betreibt. Man hätte erst eine Interessentin oder einen Interessenten finden müssen.

Rund 2000 Produkte auf 150 Quadratmetern

Ortkauf hingegen würde den Laden selbst betreiben. Auf einer Verkaufsfläche von 150 Quadratmetern sollen rund 2000 Artikel angeboten werden. Die Kunden scannen die Produkte selbst und zahlen per Bank- oder Kundenkarte. An zwei Tagen in der Woche wäre Personal vor Ort.

Allerdings möchten die Beteiligten, dass der Mietvertrag zwischen Gebäudeinhaber Axel Zahn und der Gemeinde geschlossen wird. Zum einen könnten über die Kommune Fördergelder für den Umbau beantragt werden. Zum anderen wünscht sich Zahn explizit den Markt Lichtenau als Mietpartner. Man könne aber eine Regelung finden, damit die Gemeinde trotzdem nicht an einen langfristigen Mietvertrag gebunden wäre, hieß es.

Die Grünen beantragen, dass die Gemeinde Verhandlungen mit Ortkauf und Axel Zahn aufnimmt, Fördermittel beantragt und nach der Unterzeichnung der Verträge den Umbau vornimmt, um eine zeitnahe Eröffnung möglich zu machen. Die Kosten für die Ladeneinrichtung – Zugangssystem, Kameras, Selfscanning-Kasse, Regale und Kühleinrichtungen – würde Ortkauf übernehmen.

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Gibt es Fördergelder für das Konzept?

Der Umbau würde nach Schätzung von Eschenbacher rund 39.000 Euro kosten, bei einer Förderung von 80 Prozent bliebe für die Gemeinde ein Eigenanteil von circa 8000 Euro. Bei der Städtebauförderung sei eine Mietdauer von 25 Jahren Voraussetzung, außerdem wäre die Kommune für ein anderes Sanierungsprojekt erst einmal gesperrt, informierte Bauamtsleiter Christian Dietrich. Beim Leader-Programm der EU dauere eine Bewilligung aktuell sehr lange, ergänzte Bürgermeister Nehmer. Wenn Fördergelder nicht zeitnah generiert werden können, wäre es möglich, das Projekt auch ohne Unterstützung zu realisieren, merkte Eschenbacher an.

Seit Ende 2024 hat der SB-Markt Zahn in Lichtenau nicht mehr geöffnet. (Foto: Andrea Walke)
Seit Ende 2024 hat der SB-Markt Zahn in Lichtenau nicht mehr geöffnet. (Foto: Andrea Walke)

24-Stunden-Dorfladen im alten SB-Markt Lichtenau: Pläne der Gemeinderatsfraktion

Bürgermeisterkandidat Manfred Eschenbacher (Grüne) und seine Fraktionskollegin Gisela Strößner wollen das Projekt im ehemaligen SB-Markt Zahn umsetzen.
02.02.2026 09:00
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Der Vorschlag der Grünen löste bei den Gemeinderäten sehr unterschiedliche Reaktionen aus. Nehmers Parteikollegin Sandra Ramos zweifelte an der Rechtssicherheit der geplanten Untervermietung und auch an deren Nutzen: „Ich verstehe nicht, warum die Gemeinde zwischengeschaltet wird.” Außerdem befürchtete sie, dass ein Ortkauf die Integration eines großen Supermarkts in das geplante Neubaugebiet Am Eichelberg zum Scheitern bringen könnte, weil der Markt Lichtenau vielleicht nicht mehr als unterversorgt eingestuft werde. Dies könnte die Grundstücksverhandlungen mit dem Freistaat Bayern tatsächlich erschweren, sprang ihr Bürgermeister Nehmer zur Seite.

Christian Keil (SPD) bezeichnete es als unrealistisch, dass der Laden so rasch verwirklicht werden kann, wie von den Grünen angepeilt. Die Situation in Baden-Württemberg, wo Ortkauf bereits mehrere Filialen eröffnet hat, habe mit der Lage in Lichtenau „Null zu tun”.

Die Gelegenheit beim Schopf packen

Ramos kritisierte außerdem scharf, dass die Öffentlichkeit noch vor der Vorstellung im Ratsgremium in einem FLZ-Artikel von dem Projekt erfahren hat. Eschenbacher konterte, dass über das geplante Neubaugebiet ebenfalls schon öffentlich informiert wurde, obwohl nicht garantiert sei, dass die Grundstücksverhandlungen erfolgreich verlaufen. Sein Team müsse sich nicht rechtfertigen, wenn es ein Projekt vorstelle, „das spruchreif ist”.

Manfred Willer (CSU) sprach sich dafür aus, notfalls auf eine Förderung zu verzichten. Besonders viel Zuspruch gab es aber von der Unparteiischen Wählergemeinschaft (UWG). „Wir vergeben so viele Sachen – 30.000 bis 40.000 Euro sind doch Peanuts“, befand Erwin Czech. Besonders gefalle ihm, dass regionale Lieferanten eingebunden werden sollen. „Ich finde die Idee sehr gut, die sollten wir verfolgen – auch ohne Förderung.“

Sein Fraktionskollege Roland Treiber dankte den Grünen für ihre Vorarbeit. „Wir können uns nicht auf den Verbrauchermarkt Am Eichelberg verlassen. Wir müssen die Gelegenheit beim Schopf packen.“

Die älteren Leute im Blick haben

Zweiter Bürgermeister und UWG-Gemeinderat Friedrich Bauer betonte: „Wir brauchen das für unsere Bevölkerung ganz dringend.” Er wies darauf hin, dass sich bei anderen Dorfläden im Umkreis, wie dem Bruckberger Tante-Enso-Markt, die Gemeinde stets aktiv eingebracht hat. So ein Geschäft sei „keine Konkurrenz zu einem Supermarkt, der weit weg ist” meinte er mit Blick auf das Projekt Am Eichelberg. „Wir müssen auch an unsere älteren Leute denken, die nicht mehr mit dem Auto rausfahren können.“

„Ich finde die Idee an sich eine super Geschichte“, bekundete Markus Nehmer. Allerdings sei vor einigen Tagen ein weiterer Anbieter auf ihn zugekommen, der sich etwas Ähnliches vorstellen könne und die Umbaukosten aus eigener Tasche übernehmen würde. Johanna Irg (UWG) bemerkte, gegen einen Mitbewerber sei nichts einzuwenden, aber „wir sollten dranbleiben, damit nicht in einem Jahr wieder nichts passiert ist”. Schließlich lenkte auch Sandra Ramos ein: „Ich wollte klarstellen, dass ich nicht dagegen bin.” Sie habe nur Sorge, dass das Projekt am Eichelberg platzen könnte, wiederholte sie.

Letztendlich wurde die Verwaltung auf einstimmigen Beschluss des Gemeinderats beauftragt, sämtliche Punkte des Grünen-Antrags zu diskutieren und die Ergebnisse im Gemeinderat vorzustellen.


Andrea Walke
Andrea Walke
... ist Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach und seit Dezember 2012 bei der FLZ. Sie fühlt sich in Rathäusern genauso wohl wie in Gerichtssälen und trifft am liebsten Menschen, die eine interessante Geschichte zu erzählen haben. Seit 2017 betreut sie redaktionell die Aktion "FLZ-Leser helfen".
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