Ins Freilandtheater „hineingeboren“ | FLZ.de

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Veröffentlicht am 11.07.2025 13:32

Ins Freilandtheater „hineingeboren“

Charlotte Hornauers große Leidenschaft ist die Tuba. Sie spielt das Instrument regelmäßig in den Stücken des Freilandtheaters. (Foto: Silas Hutzler)
Charlotte Hornauers große Leidenschaft ist die Tuba. Sie spielt das Instrument regelmäßig in den Stücken des Freilandtheaters. (Foto: Silas Hutzler)
Charlotte Hornauers große Leidenschaft ist die Tuba. Sie spielt das Instrument regelmäßig in den Stücken des Freilandtheaters. (Foto: Silas Hutzler)

Ein Leben ohne das Freilandtheater in Bad Windsheim kennt Charlotte Hornauer nicht. Die 21-Jährige ist die Tochter des künstlerischen Leiters Christian Laubert und Produktionsleiterin Karin Hornauer. Mittlerweile wirkt sie mit voller Kraft hinter und vor den Kulissen mit. Doch das Theater ist nicht ihre einzige Leidenschaft.

„Ich wurde ins Freilandtheater rein geboren“, sagt Charlotte Hornauer, die in Ansbach aufgewachsen ist. Eine Woche vor der Premiere des ersten Stückes „Das fliegend Schweyn“ kam sie auf die Welt. Bei den Proben war sie über die Jahre oft mit dabei – „früher bei Papa auf den Schultern“. Selbst das Laufen lernte Charlotte Hornauer im Museum, das seit jeher als Spielstätte des Theaters dient. Im Jahr 2010 wirkte sie erstmals in einem Stück des Freilandtheaters selbst mit.

„Man lernt, bewusst Pausen zu machen”

„Da war immer etwas los“, beschreibt die 21-Jährige ihr Aufwachsen. „Ganz, ganz früher hab ich meine Mitschüler beneidet, wenn deren Eltern heim kamen und nicht mehr gearbeitet haben. Das geht beim Theater nicht.“ Selbst im Urlaub habe ihr Vater an Stücken gefeilt. „Aber es hat auch etwas Schönes, weil es immer kreativ ist. Das habe ich ein wenig übernommen. Man lernt dann eine andere Art von Disziplin – nämlich bewusst Pausen zu machen.“

Das Freilandtheater biete eine „besondere Atmosphäre, es ist sehr familiär und auf Zusammenhalt bedacht“, findet Hornauer. Das sei ihrem Vater bei der Gründung wichtig gewesen. Konkurrenzkampf – wie er manchmal an anderen Häusern herrscht – habe er nicht gewollt. „Frei nach dem Motto: Jeder darf Theater machen.“

In die Technik eingefuchst

Durch die Corona-Pandemie eröffneten sich für Hornauer weitere Zeitfenster. Seitdem und bis heute kümmert sich die 21-Jährige um die Social-Media-Präsenz des Theaters. Teils half sie auch schon in der Regieassistenz und in der Inspizienz, also beim reibungslosen Ablauf der Vorstellung, mit. Richtig eingefuchst hat sich Hornauer während der Pandemie in die Technik. „Da sieht man, was man geschafft hat, wenn endlich alle Lampen hängen.“

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Doch sie hat noch eine zweite Leidenschaft: die Musik. Hornauer besuchte ein musisches Gymnasium, das Carolinum in Ansbach. Seit der fünften Klasse spielt sie Tuba. Dass Frauen zu diesem Instrument greifen, sei eine Seltenheit. Liebe auf den ersten Blick war das damals bei ihr. Recht schnell wirkte sie in verschiedenen Orchestern der Schule mit. „Das hat mich am Anfang viele Nerven gekostet, aber auch super schnell weiter gebracht.“

Drei Spielzeiten bei Joana Mallwitz

Um das Jahr 2021 herum gab es eine Ausschreibung für die Junge Staatsphilharmonie in Nürnberg, die von Joana Mallwitz gegründet worden war. Sie ist Hornauers „Lieblingsdirigentin“. Die 21-Jährige bewarb sich, wurde genommen und spielte insgesamt drei Spielzeiten mit. „Das war das erste richtige Symphonieorchester für mich. Da hab ich richtig Blut geleckt. Das hat so Spaß gemacht, weil auch alle anderen das so ernst genommen haben.“

2023 ging es für Charlotte Hornauer für fünf Wochen nach Melbourne in Australien. Möglich wurde das durch ein Austauschprogramm des Rotary Clubs Herzogenaurach. Am dortigen Konservatorium bekam Hornauer Unterricht. Mit einer Brass Band nahm sie beispielsweise an einem Wettbewerb teil und belegte den zweiten Platz.

„Funky Basslinien” auf der Tuba

Ihr musikalisches Talent bringt sie auch ins Freilandtheater ein, spielt seit 2017 immer wieder in der Theater-Band mit. Kommt sie doch vor allem aus der Klassik, ließ sie sich so auch auf andere Genres ein. „Auf einmal hab ich neben einem Jazz-Gitarristen, einer Saxofonistin und einem Schlagzeuger funky Basslinien auf der Tuba gespielt.“

Seit zwei Semestern studiert Charlotte Hornauer an der pädagogischen Hochschule in Karlsruhe Realschullehramt für die Fächer Musik und Englisch. Bei den Inhalten steht vor allem die Pädagogik im Zentrum und nicht so sehr, selbst musikalisch weiterzukommen. „Ich habe gemerkt: Das reicht mir nicht. Zumindest jetzt noch nicht.“ Deshalb will sie sich umorientieren. Ab Oktober wird sie in Wien Tuba als Konzertfach studieren.

Eltern haben stets unterstützt

Ob nun Theater oder die Musik – entscheiden zwischen den beiden Bereichen könnte sich Hornauer nur schwer, weil sie „so anders“ sind. „Ich glaube, ich könnte mit beidem glücklich werden.“ Dankbar ist die 21-Jährige vor allem ihren Eltern, die sie besonders bei ihren musikalischen Träumen stets unterstützt haben. „Ich schätze sehr, dass das alles möglich war, obwohl mein ganzes Leben immer Theater war.“

Denn klar ist auch: Eine Tuba ist teuer, eine fünfstellige Summe ist dafür mindestens zu berappen. „Das kann man sich nicht leisten, vor allem nicht als Künstler.“ Zwei Stiftungen aus Ansbach unterstützten deshalb finanziell beim Kauf.

„Ich hatte immer die Wahl”

Wichtig zu betonen ist Charlotte Hornauer: „Ich hatte immer die Wahl.“ Bewusst habe sie sich dazu entschieden, beim Freilandtheater mitzuhelfen. Und: „Ich musste für alles arbeiten, mich als Tochter des Chefs genauso beweisen wie jeder andere auch. Genau so soll das auch sein. Denn wenn ich einen schlechten Job mache, fällt im dümmsten Fall jemandem eine Lampe auf den Kopf.“

Ein eigenes Stück aus der Feder von Charlotte Hornauer wird es allerdings – zumindest nach aktuellem Stand – wohl nicht geben. Grinsend sagt die 21-Jährige: „Das überlasse ich den Profis.“


Anna Franck
Anna Franck
Redakteurin im Online-Team
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