„Das kleine Fürth“ nannte Heimatkundler Dr. Kurt Rieder einst Sugenheim. Denn in dem Ehegrund-Dorf machten die jüdischen Einwohner früher einmal ein Fünftel der Bevölkerung aus. An deren Geschichte erinnert nun eine Gedenktafel, die am Freitagnachmittag am Schäfer-Haus im Ortszentrum enthüllt wurde.
Der Arbeitskreis Ortsgeschichte unter Leitung von Heinrich Klopp hatte sich für das Denkmal stark gemacht. Klopp dankte Bürgermeister Anton Schiefer und nannte es „keine Selbstverständlichkeit“, dass die Tafel nun angebracht werden konnte. Der Antrag sei vor zwei Jahren gestellt worden.
Im Rathaus stieß man auf offene Ohren. Gefördert wurde das Projekt mit Mitteln aus dem Regionalbudget der Kommunalen Allianz „Franken 3“. Peter Pöllet vom Arbeitskreis „Ortsgeschichte“ und Heinrich Klopp hatten sich bei Gestaltung und Text an den Gedenktafeln in Hüttenheim, Dornheim und Nenzenheim orientiert, berichtete Klopp in seiner Ansprache.
Rund ein Dutzend Bürger war gekommen und wurde Zeuge, als Bürgermeister Schiefer und Bildhauer Harald Schiffermüller die Erinnerungstafel am Sugenheimer Marktplatz enthüllten. Der Bürgermeister lobte die Steinmetzarbeit, die eine Menora (den siebenarmigen Leuchter) und das Sugenheimer Wappen zeigt.
„Jetzt ist es in Stein gemeißelt“, sagte Schiefer. Alte Fotos zeigten, dass nach dem von den Nazis als „Reichskristallnacht“ bezeichneten Novemberpogrom genau gegenüber – am ehemaligen Kühlhaus – ein Schild hing, das Sugenheim als „judenfrei“ bezeichnete. Allerdings war in Sugenheim die Synagoge beim Novemberpogrom nicht zerstört worden.
Die bis 1938 im Ort noch lebenden Mitglieder der jüdischen Gemeinde verließen nach dem Pogrom ihr Heimatdorf. Einzig Marga Traut, die Ehefrau des katholischen Apothekers, verblieb im Dorf. Sie starb 1953 in Sugenheim, wie Kurt Rieder im Rahmen seiner Forschungen herausfand.
Rieders Text erinnert an die Blütezeit der jüdischen Glaubensgemeinschaft. Im August 1756 war die Synagoge in der Judengasse 35, in der heutigen Schlossgasse, eingeweiht worden. 1840 zählte Sugenheim 707 Einwohner, davon 158 jüdischen Bekenntnisses.
Die jüdischen Bewohner Sugenheims galten als „Schutzbefohlene“ der Herrschaft der von Seckendorffs. Sie hatten ihre Abgabe nur an diese zu zahlen, wie aus einem von Rieder verfassten Text hervorgeht. Dieser besondere Schutzstatus verpflichtete die jüdischen Einwohner Sugenheims zu einer Abgabe an die Herrschaft. Gleichzeitig war es ihnen verboten, landwirtschaftliche Flächen zu besitzen.
Auch der Zugang zu den Handwerksberufen blieb den Mitgliedern der jüdischen Religionsgemeinschaft lange Zeit verwehrt. „So blieb ihnen nur der Handel mit Vieh, Kram und Geld“, heißt es in Rieders Text, auf den Klopp im Rahmen der Feierstunde hinwies.
Seit 1848/49 setzten sich Politiker wie David Morgenstern und Fischel Arnheim – die ersten jüdischen Landtagsabgeordneten im Königreich Bayern – für eine Gleichstellung ein. Diese erfolgte aber erst mit dem Beitritt Bayerns zum Deutschen Kaiserreich im Jahr 1871. Erst dann erlangten auch die Sugenheimer Juden gleiche staatsbürgerliche Rechte wie ihre christlichen Nachbarn.
An all das erinnert nun die neue Gedenktafel am Schäfer-Haus: „In Sugenheim bestand von 1743 bis 1938 eine jüdische Kultusgemeinde. Ab 1756 mit Synagoge und Schule, (…) 1841 lebten hier 160 jüdische Bürger, was einem Anteil von 21 Prozent entsprach. Die Gemeinde Sugenheim gedenkt ihrer ehemals zahlreichen Mitbürger“, heißt es auf der Tafel.