In der frühen Geschichte Rothenburgs spielten Adlige wichtige Rollen. Mal gab es Unterstützung, mal Ärger, mal Arrangements. Das liegt lange zurück. Zu zwei Adelsfamilien, deren Vorfahren im 13. Jahrhundert mit der Stadt zu tun hatten, ist der Kontakt heute aber wieder sehr lebendig, wovon ein Treffen im Rathaus zeugte.
So besuchten Erzherzog Markus von Habsburg-Lothringen und Dr. Egon Freiherr von Ellrichshausen-Rothenburg die diesjährige Auflage der Reichsstadt-Festtage und blieben sogar noch einen Tag länger, um Zeit zu haben für ein Gespräch mit Oberbürgermeister Dr. Markus Naser. Im Mittelpunkt stand ein besonderes Geschenk. So hatten die beiden anlässlich der 750-Jahr-Feier der Freiheitsprivileg-Verleihung im September 2024 eine imposante Wappentafel gestiftet, die seither den Eingangsbereich zum Kaisersaal ziert.
Weil das Jubiläumsprogramm vor einem Jahr extrem umfangreich war, blieb kaum Zeit für eine standesgemäße Würdigung dieses Präsents, weshalb OB Naser, selber gelernter Historiker, der Meinung war, dass das mit etwas weniger Termindruck unbedingt nachgeholt werden müsse, und zwar am besten im zeitlichen Umfeld der folgenden Reichsstadt-Festtage. So verblieb man und setzte die Absicht nun in die Tat um.
Erzherzog Markus von Habsburg-Lothringen war aus Bad Ischl angereist. Sein Wohndomizil ist die dortige Kaiservilla. Der 79-Jährige ist nicht nur Urenkel von Kaiserin Sissi, sondern auch Nachfahre von König Rudolf von Habsburg. Das war der Mann, der Rothenburg 1274 mit dem Freiheitsprivileg ausstattete und damit den Grund für die letztjährigen Feierlichkeiten lieferte.
Dr. Egon Freiherr von Ellrichshausen-Rothenburg lebt mit seiner Ehefrau, Dr. Margit Freifrau von Ellrichshausen-Rothenburg, in Linz. Der 72-Jährige ist ein Verwandter des in der frühen Blütezeit Rothenburgs im 13. und 14. Jahrhundert äußerst einflussreichen Hauses der Reichsküchenmeister von Nordenberg.
Beiden Männern dankte der Oberbürgermeister für das einzigartige Geschenk, das bei dem Treffen dann auch noch einmal genau inspiziert wurde. Gestaltet hatte den Wappenschild im Auftrag der Stifter der im Raum Ilshofen lebende Künstler Thomas Hildenbrand.
Zentraler Bestandteil der Tafel ist ein Reichsadler mit zwei Köpfen, jeder davon mit einem goldenen Kreis unterlegt. Ein solcher Nimbus habe in der Wappenkunde die gleiche Bedeutung wie ein Heiligenschein, die nämlich, den Kopf davor noch besser zur Geltung zu bringen, erklärte Freiherr von Ellrichshausen-Rothenburg. Die Doppelköpfigkeit stehe für die kaiserliche Machtfülle.
Im Brustbereich des Adlers befindet sich das Rothenburger Stadtwappen, und zwar die historisch korrekte Ausführung mit zwei Türmen und einer sich nach unten verjüngenden Burgmauer mit drei Zinnen. Es gebe auch Darstellungen mit einem kleinen Gebäude zwischen den Türmen. Diese entsprächen aber nicht dem Original, so OB Naser.
Unten finden sich zwei weitere Wappen. Das linke Exemplar in rot-weiß-rot steht für Österreich und die Familie von Erzherzog Markus von Habsburg-Lothringen. Das rechte ist das Symbol der Familie von Ellrichshausen-Rothenburg. Es umfasst vier Felder, zweimal das Rothenburger Stadtwappen und ebenfalls zweimal jenes des Ellrichshausener Zweigs dieses Geschlechts. Mittendrin befindet sich ein goldener Reichsapfel als Herrschaftssymbol der Küchenmeister von Nordenberg.