War es Zufall oder Fügung, dass 1995 bei einem Lehrgang des Posaunenchorverbands vier Bläserinnen und Bläser aus dem Rothenburger Raum zusammentrafen? Jedenfalls beschlossen sie spontan, ein Ensemble zu gründen. 30 Jahre ist das inzwischen her. Grund genug für „Coro Festivo“, das mit einem Sonderkonzert zu feiern.
Erich Korder, Michael Mitesser, Renate Friedlein und Tina Schmidt bildeten 1995 das Startquartett. Wenige Wochen später gesellte sich Gert Krauß dazu. Seit 25 Jahren bereichert Bernhard Stumpner mit seiner Posaune die Blechbläsergruppe. Das Ensemble zählt inzwischen zwölf Instrumentalistinnen und Instrumentalisten. Fast alle sind in weiteren Posaunenchören auch im Umland aktiv oder leiten diese sogar.
Das Repertoire von „Coro Festivo“ ist umfangreich und anspruchsvoll, geht über den Schwierigkeitsgrad und die Möglichkeiten „normaler“ Posaunenchöre hinaus. „Wir suchen uns aus den aktuellen Bläserheften das heraus, was uns am besten gefällt“, sagt Erich Korder.
Geprobt wird alle zwei Wochen im Reichsstadt-Gymnasium. Bläsersätze alter Meister sind dabei. Choräle und Choralvariationen spielen sie ebenso wie Spirituals und Gospels. Und wenden sich immer wieder auch modernen Kompositionen zu.
Die Auftaktfanfare im Jubiläumskonzert in der Franziskanerkirche stammt von Traugott Fünfgeld – eine großartige Einstimmung. Mit Blick auf Kantate, den Festtag der Kirchenmusik, erinnerte Pfarrerin Dorothea Bezzel an Psalm 98 „Singt dem Herrn ein neues Lied; denn er tut Wunder.“ Viele Lieder erklingen zum Lobe Gottes, meinte Dorothea Bezzel und lud zum Mitsingen des Chorals „Sonne der Gerechtigkeit“ ein.
Einen Dirigenten oder eine Dirigentin braucht das Ensemble nicht, der Blickkontakt oder ein kleines Zunicken, ein geschicktes Abwinken mit der Trompete genügen, um eine ausgewogene Balance zwischen den Stimmen herzustellen und einen harmonischen Gesamtklang zu erreichen. Das Ensemble ist hervorragend eingespielt.
Sechs Trompetenstimmen gibt es aktuell, mit Erich Korder, Gert Krauß, Michael Mitesser, Stephan Huprich, Tina Schmidt und Frieder Ströbel. Die Tuba spielt dessen Sohn Henrik Ströbel. Und im Ensemble gibt es seit diesem Jahr ein Euphonium, gespielt von Jochen Westernacher. Die vier Posaunisten sind Bernhard Stumpner, Fritz Weber, Hilmar Häberlein und Renate Friedlein.
Eine Händel-Ouvertüre lassen die Bläserinnen und Bläser erklingen, erst ruhig, dann lebhaft, dynamisch schattiert mit ausgeprägten Kontrasten. Mit dem Welthit „Music“ von John Miles bringen „Coro Festivo“ einen Klassiker der Rockmusik. Dann wird es romantisch. Die Volksliedmelodie von „Kein schöner Land in dieser Zeit“ ist zunächst nur zu erahnen, denn der Posaunenprofessor Christian Sprenger hat das Lied zeitgemäß verpackt, um ihm dann doch seinen Charakter wiederzugeben. Auch die Melodie von „Ich bete an die Macht der Liebe“ des russischen Komponisten Dmitri Bortnjanski ertönt in neuem Klanggewand.
Doch selbst, wenn die Kirchenmusik ein Schwerpunkt von „Coro Festivo“ ist, haben sie doch noch mehr zu bieten. Mit „Thank you for the music“ – dem berühmten Abba-Hit in einem wunderbaren Bläserarrangement von Heiko Kremers – spielen die Musikerinnen und Musiker ihr „Dankeschön“ an die Musik.